Wintersportorte im Klimawandel
Schneesicher bis 1999

In der Schweiz sind die Pisten auch im Winter immer häufiger grün. Darunter leidet die Attraktivität der Wintersportziele, dessen Haupteinnahmequelle der Tourismus ist. Doch mit Schneekanonen allein können Ferienorte wie Arosa dem Klimawandel nicht begegnen.

AROSA. Nasser Schnee verklebt die Plakate am Ortseingang des Schweizer Skiortes Arosa. Sie werben für Arosa „all inclusive": Wer hier übernachtet, darf kostenlos Seilbahn fahren. Halb mit Schneematsch bedeckt ist auch die Tafel am Hotel zur "Alten Post", auf der noch die Stelle einer „Serviertochter", die am 1. Dezember anfangen könnte, ausgeschrieben ist.

Die Straßen sind wie ausgestorben. In den roten Waggons der rätischen Eisenbahn, die sich bis hier herauf auf 1 800 Meter kämpft, sitzt kein Mensch. Arosa im Herbst gleicht einem Dampfer, der zur Überholung im Trockendock liegt. Der Lack ist wieder dran, aber die Mannschaft noch lange nicht an Bord. Die nassen Flocken, die vom Himmel fallen, geben den Menschen, die in ihren Häusern ausharren, jedoch Hoffnung: Dieses Jahr werden sie wieder kommen, die Wintertouristen.

Das Örtchen, das im Winter zehnmal mehr Besucher zählt als Einwohner, gehört neben St. Moritz und Davos zu den Top-Wintersportzielen der Schweiz. Doch genauso wie die Konkurrenz leidet Arosas Attraktivität, wenn der Schnee ausbleibt. Und das passiert dummerweise seit einigen Jahren immer öfter.

Thomas Gurzeler, der als Chef der Arosa-Bergbahnen AG seinen Aktionären im September ein mageres Ergebnis verkaufen musste, klagt über den vierten Winter in Folge, der sich verdammt spät blicken ließ. Erst am 13. Dezember hatte sich im vergangenen Jahr pistentaugliches Wetter eingestellt. Eine Aufstellung der Dividenden, die Gurzeler seinen Aktionären in den vergangenen Jahren anbieten konnte, liest sich wie eine Wetterkarte: War es warm, schauten die Aktionäre in die Röhre.

Falls sich der Klimawandel als Dauerphänomen herausstellen sollte, dürfte es schwer werden, Investoren für Unternehmen wie die Bergbahnen in Arosa zu finden. Damit die Kassen nicht leer bleiben, müssen die Gäste, die übrig geblieben sind, mehr zahlen. Gurzeler kündigt Preiserhöhungen für die übernächste Saison an, in Zermatt, im Engadin und im ostschweizerischen Toggenburg werden Skipässe schon dieses Jahr teurer. Nur Davos kann seine Preise nicht schon wieder anheben, nachdem gerade im vergangenen Jahr ein satter Aufschlag fällig geworden war.

Das Geld fließt vor allem in eine Investition, ohne die nichts mehr läuft: die Schneekanone. Der Verband Seilbahnen Schweiz rechnet landesweit mit einem Investitionsbedarf von rund einer halben Mrd. Euro, um die traditionellen Skigebiete halbwegs schneesicher zu machen. Arosa wird vom nächsten Jahr an zwei Drittel seiner Pisten künstlich beschneien können - allerdings nur, wenn sich die Temperatur unter dem Gefrierpunkt hält. „Auch wir können die Natur nicht über den Haufen schmeißen", räumt Bergbahnenchef Gurzeler ein.

Seite 1:

Schneesicher bis 1999

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%