„Wir wollen unser Land zurück“
Streit um Hotelanlagen in Kroatien

Die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kommunisten enteigneten Grundbesitzer wollen ihr Land zurück oder wenigstens saftige Entschädigungen, seit die Urlaubsbranche boomt.

HB ZADAR.

Tausende Urlauber im Touristenbezirk Borik vor den Toren der dalmatinischen Adriastadt Zadar waren verwirrt. Mehrere Dutzend ganz in weiß gekleidete Demonstranten tauchten am Strand auf. „Wir wollen unser Land zurück“, „Bestraft die Gauner“ und „Diebe- Diebe“, war auf hochgehaltenen Schildern zu lesen. An die vielen ausländischen Gäste wurden Zettel verteilt, auf denen die Sonnenanbeter in holprigem Deutsch um Nachsicht für diese „Belästigung“ gebeten wurden. Der Aufmarsch wiederholte sich in der Hochsaison Woche für Woche.

Wie in Borik geht es seit der Privatisierung der meisten Hotelanlagen entlang der über 1 000 Kilometer langen kroatischen Adriaküste Mitte der 90er Jahre in vielen Touristenhochburgen zu. Die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kommunisten enteigneten Grundbesitzer wollen ihr Land zurück oder wenigstens saftige Entschädigungen, seit die Urlaubsbranche boomt. Statt der vom Gesetz vorgesehenen 2,10 Euro verlangen einzelne Alteigentümer mehr als 20 Euro pro Quadratmeter.

Weiter nördlich vor dem ehemaligen Fischerstädtchen Rovinj weiß der österreichische Hotelier Wilfried Holleis ein Lied von diesen Problemen zu singen. Nachdem er die völlig verrottete Insel Katarina mit einer Großinvestition zu einem prächtigen und immer ausgebuchten Hotelstandort ausgebaut hatte, wollte die örtliche Tabakfabrik als alter Eigentümer das neue Schmuckstück zurück. „Wir haben sogar Angst um sein Leben gehabt und ihn gebeten, das Ganze abzubrechen“, schildern die Holleis-Eltern, selbst Starhoteliers in Zell am See in Österreich, die oft brenzlige Lage. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen bekam ihr Sohn schließlich doch Recht. Für ihn hatte sich sogar die österreichische Staats- und Regierungsspitze in den Streitfall eingeschaltet.

In Borik ist die bekannte Südtiroler Hotelfamilie Falkensteiner im großen Stil eingestiegen. 37 Millionen Euro wurden in die Modernisierung der maroden Hotels investiert, und die hauptsächlich aus Deutschland und Österreich stammenden Gäste sind begeistert. Die von Grund auf mit ausschließlich importierten Materialien sanierten Hotels, das moderne Management sowie das Animations- und Speisenangebot brauchen keinen Vergleich mit Spitzenhotels in Spanien oder Italien zu scheuen. „Früher haben sich die Einheimischen um den Tourismus nicht geschert, heute wollen sie an unserem Erfolg mitnaschen“, vermutet Falkenstein-Hoteldirektor Agron Berisa.

Der Streit zwischen den neuen und alten Eigentümern liegt seit einem halben Jahr beim staatlichen Privatisierungsfonds in Zagreb. Er hat aber nicht nur rechtliche, sondern vor allem wirtschaftliche Auswirkungen. Denn ohne große ausländische Finanzspritzen käme der durch kommunistische Schlamperei sowie Krieg schwer gebeutelte Tourismus auf absehbare Zeit nicht auf die Beine.

Ausländer kommen aber nur, wenn sie für ihren neuen Besitz auch Rechtssicherheit erwarten können. Um die gerade wieder in Scharen nach Kroatien reisenden ausländischen Gäste nicht zu vergraulen, achtet die lokale Polizei peinlich genau darauf, dass die Demonstranten bei ihren wöchentlichen Protesten die Urlauber nicht belästigen. Bis zu einer Entscheidung des Privatisierungsfonds, die nicht abzusehen ist, bleiben die Streitfälle unentschieden.

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