WM-Flucht
Gold schmieden statt Fußball gucken?

Wer die Fußball-Weltmeisterschaft ignorieren möchte, muss nicht unbedingt in die Wüste Gobi fahren oder im Himalaya bergsteigen. Im Internet finden sich zahlreiche Freizeit-Angebote, die nichts mit der WM zu tun haben. Bevorzugte Klientel der Anbieter: Frauen

BERLIN. Wer der Fußball-Weltmeisterschaft entfliehen will, der kann sich beispielsweise auf Burg Stavenow in Brandenburg einmieten. In dem Hotel gibt es weder Fernseher noch Radios. Wie Stavenow werben viele Hotels, Gaststätten und sogar ganze Regionen in Deutschland um die Gunst von Fußball-Muffeln, die vor dem Großereignis nicht ins Ausland flüchten können.

So hat sich Brandenburg zur „fußballfreien Zone“ erklärt. Auf der Internetseite www.fussballfreie-zone.de verrät ein Test, ob man auch tatsächlich reif dafür ist. Falls ja, kann man seinen WM-Frust beispielsweise auf einer Wanderung durch den Oderbruch oder bei einem Malkurs im Wildpark Schorfheide vergessen. Auch Sachsen-Anhalt wirbt als „Kulturerlebnis zwischen den Spielstätten“ um WM-Genervte. Im Opernhaus Chemnitz bekommen Fußballmüde am 1. Juli ermäßigten Eintritt für das Musical „My Fair Lady“, während in Frankfurt/Main und Gelsenkirchen zwei Viertelfinals gespielt werden.

Zumindest bei Berlinern dürften derartige Angebote auf Interesse stoßen. Eine Forsa-Umfrage fand kürzlich heraus, dass 28 Prozent der Berliner der WM so weit wie möglich entgehen wollen. Weitere sechs Prozent wollen während des Turniers sogar die Stadt verlassen. „Viele Gaststätten und Hotels machen aus der Not eine Tugend“, sagt Stefanie Heckel, Pressesprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststätten- Verbands. „Wer die Spiele nicht übertragen will, erklärt sich zur fußballfreien Zone und versucht so Kunden anzulocken.“

Stephan Barbarino hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele Gastronomen Angst vor weniger Umsatz haben, wenn sie nicht mit der WM werben. Auf der Internetseite www.fussballfreiezone.de des Münchner Theatermachers finden sich bislang rund 20 Einträge, darunter die Bayerische Schlösserverwaltung und ein Sonnenstudio. Letzteres bietet Gratis-Bräunungen an, wenn Deutschland spielt. Garantiert frei von Ballspielen ist auch der „Tag des Spiels“ des „Spiele-Archivs Marburg“ am 18. Juni.

Verbilligte Zimmer für Fußball-Vermeiderinnen

Einige Hotelketten wenden sich speziell an weibliche WM-Muffel. Frauen bekommen zum Beispiel Zimmer billiger, wenn sie das Stichwort „fußballfreie Zone“ nennen. Oder sie können bei Kreativ-Wochenenden mit Titeln wie „Die Rache der Alleingelassenen“ Schmuckgestaltungskurse absolvieren Ob die vermeintlich Verlassenen allerdings tatsächlich lieber Gold schmieden als Fußball schauen stellt eine Umfrage der Kommunikationsagentur „Quasar“ in Frage. Sie hat herausgefunden, dass 86 Prozent der deutschen Frauen sich die WM-Spiele ansehen wollen.



Im fußballfreien Hotel Burg Stavenow ist während der WM bereits ein Großteil der Zimmer ausgebucht. Sogar eine Hochzeit wird in dieser Zeit dort gefeiert. „Die Braut wollte nicht, dass ihr Mann an der Hochzeit Fußball schaut, deswegen haben sie sich hier angemeldet“, sagt Hotelbesitzerin Okka de Wall.

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