Work-and-Travel

Australien bittet jobbende Rucksacktouristen zur Kasse

Australiens Regierung wollte die Einkünfte von jobbenden Rucksacktouristen mit mehr als 30 Prozent besteuern. Nach großem Widerstand knickte die Politik ein. Der Backpacker-Steuersatz soll nun 19 Prozent betragen.
In Sydney's Lowenbräu Bier Cafe arbeiten hauptsächlich deutsche und österreichische Rucksackreisende. Bis jetzt mussten sie keine Einkommenssteuer zahlen – das ändert sich. Quelle: dpa
Backpacker-Steuern in Australien

In Sydney's Lowenbräu Bier Cafe arbeiten hauptsächlich deutsche und österreichische Rucksackreisende. Bis jetzt mussten sie keine Einkommenssteuer zahlen – das ändert sich.

(Foto: dpa)

Sydney/PerthSie pflücken Obst, arbeiten in der Gastronomie oder auf Schaffarmen: Zehntausende junge Menschen sind jedes Jahr mit dem Rucksack auf dem roten Kontinent unterwegs und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Ein geplanter Einkommenssteuersatz von 32,5 Prozent hätte dem ein jähes Ende bereiten können. Doch auch der am Dienstag beschlossene abgespeckte Steuersatz von 19 Prozent garantiert nicht, dass Backpacker weiterhin zum Jobben nach Australien reisen werden.

Léa (24) aus Frankfurt ist seit drei Wochen im westaustralischen Moora und arbeitet in einem Hotel. Dort verdient sie etwa 20 Australische Dollar (13,60 Euro) brutto die Stunde. In anderen Jobs gibt es weit weniger. Sie glaubt, dass sie trotz der Backpacker-Steuer von 19 Prozent gut durchkommen wird. „Klar, keine Steuern wären immer noch besser.“

Im vergangenen Jahr hatte die Regierung erste Pläne für eine „Backpacker-Steuer“ vorgestellt. Sie hätte ursprünglich im Juli 2016 in Kraft treten sollen. Die Einkünfte von Besuchern mit einem Visum für Arbeitsferien - „Work and Travel“ genannt - sollten mit 32,5 Prozent besteuert werden. Sofort regte sich vor allem bei den Landwirten heftiger Widerstand. Sie sind in der Erntezeit von Zeitarbeitern abhängig und fürchten, dass die Rucksacktouristen wegbleiben. Bereits nach Bekanntwerden der Pläne sanken die Anfragen, wie Landwirte sagen.

Nach langem Hin und Her gab die Regierung nach und beschloss einen Kompromiss: Der unterste Steuersatz liegt bei 19 Prozent und gilt bei Backpackern jetzt für Jahreseinkommen bis 37.000 Dollar (25 207 Euro). In Kraft treten soll das Gesetz am 1. Januar 2017. Die arbeitenden Touristen seien ein wichtiger Teil der milliardenschweren Tourismusindustrie und eine wichtige Quelle für Arbeitskräfte, sagt Finanzminister Scott Morrison. „Aber gleichzeitig sollten arbeitende Urlauber auch faire Steuern auf ihr Einkommen zahlen.“

Wie wäre es mit Kroatiens Ibiza oder Tunesiens St. Tropez?
Neue Strandziele
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Überall in Deutschland sind gerade Sommerferien - und wenn in dieser Zeit von legendären Urlaubsorten oder Promi-Destinationen die Rede ist, fallen meist dieselben Namen, etwa St. Tropez, Ibiza oder Mallorca. Doch wer im Trend sein will, sucht auch neue, außergewöhnliche Ziele.

„Ibiza Kroatiens“
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Manche davon bekommen dann sogar Beinamen, die einen Bezug zu berühmteren Orten haben: So gilt Zrce als das „Ibiza Kroatiens“ oder Hammamet als das „St. Tropez Tunesiens“. Auch wegen ihrer Schönheit oder anderer Besonderheiten werden Orte zu In-Zielen. Eine Auswahl alternativer Sommerziele 2016:

Kotor
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Auch in diesem Jahr steht Kotor in internationalen Rankings wieder ganz vorn auf der Liste angesagter Mittelmeer-Destinationen - die Reisebuchmarke „Lonely Planet“ zum Beispiel kürte die montenegrinische Hafenstadt in ihrem Trend-Buch „Best in Travel 2016“ zur Stadt des Jahres. Das nach einem großen Erdbeben 1979 originalgetreu wiederaufgebaute mittelalterliche venezianische Städtchen steht auf der Unesco-Liste des Welt- und auch des Naturerbes

Die montenegrinische Hafenstadt
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Der Ort mit nur ein paar Tausend Einwohnern liegt malerisch am Ende einer tiefen Bucht, die von bis zu 1800 Meter hohen Bergen begrenzt wird. Krönung eines jeden Besuchs ist die Festung über Kotor, die einen einzigartigen Blick auf die atemberaubende Landschaft gewährt. Doch ist der Aufstieg beschwerlich. Kotor droht – wie auch das benachbarte bekanntere Dubrovnik in Kroatien – Opfer seines touristischen Erfolgs zu werden. Große Kreuzfahrtschiffe bringen das Städtchen im Hochsommer an Aufnahmefähigkeitsgrenzen.

Zrce
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Der Partystrand Zrce in der Nähe der kroatischen Stadt Novalija auf der Insel Pag ist seit Jahren ein angesagter Szenetreff - er gilt als „Ibiza Kroatiens“. Nicht unbescheiden sieht man sich in den Clubs dort oft als besserer Nachfolger spanischer Ziele wie eben Ibiza oder Lloret de Mar. Zehntausende bevölkern zurzeit die Region. Den Anfang machen traditionell Abiturienten aus Deutschland und Österreich. Das Publikum ist international. Nur nicht viel älter als 30 sollte man sein.

Der Partystrand
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Ab nachmittags um drei geht es los mit freien Wodka-Drinks. Braungebrannte und gut gebaute Go-go-Tänzerinnen und -Tänzer heizen den Gästen ein. Animateure leiern Spiele und Schaumpartys an. Bekannte DJs und Rapper treten auf und sorgen für Euphorie auf den Tanzflächen. Erst um sechs Uhr in der Früh ist Schluss. Zum Nüchternwerden und für Sonnenbrand bleiben dann noch ein paar Stunden. Während es in Zrce den ganzen Sommer hoch hergeht, gab es bereits im Juli Partyleben-Konkurrenz bei Festivals in Split („Ultra Europe“) oder am weitläufigen Strand Jaz bei der Urlauberhochburg Budva in Montenegro („Sea Dance“).

Hammamet
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Seit Tunesien von mehreren Terroranschlägen heimgesucht wurde, meiden viele Touristen das kleine nordafrikanische Land am Mittelmeer. Von Party bis Kultur und Natur hat es aber einiges zu bieten. Hammamet, das „tunesische St. Tropez“ - mit seinen Stränden und lebendigem Nachtleben - ist besonders beliebt, auch bei Tunesiern, die am Wochenende aus der Hauptstadt Tunis in den knapp eine Stunde entfernten Ort strömen. In der Küstenstadt trifft mediterranes Feeling auf arabische Kultur.

Die Work-and-Travel-Visa gibt es für Menschen unter 31, die bis zu einem Jahr in Australien bleiben können. In der Saison 2014/15 gab Australien insgesamt 226.812 solcher Visa aus. Nach Angaben der Einwanderungsbehörde gingen rund 25 000 an Reisende aus Deutschland. In Australien sind Einkünfte von bis zu 18.200 Dollar eigentlich steuerfrei und waren das bislang auch für Backpacker. Der Großteil der Rucksacktouristen blieb unter dieser Schwelle und zahlte damit auch keine Steuern. Diese Freigrenze fällt nun weg.

Etwa 40.000 der 75.000 Menschen, die im Obst- und Gemüseanbau arbeiten, seien Rucksacktouristen, sagt Jordan Brooke-Barnett, Sprecher des Verbandes für Gemüse-und Kartoffelbauern, AusVeg. Ein Steuersatz von 32,5 hätte die jobbenden Urlauber in Scharen verjagt, hatte Brent Finlay, Präsident des Landwirte-Verbands, im Vorfeld erklärt. Die Tourismusministerin von Queensland, Kate Jones, hatte vor dem Entscheid gefordert, die Steuer müsse ganz weg, sie schade dem Fremdenverkehr.

Die neuen Steuerregeln könnten durchaus abschreckend auf Rucksacktouristen wirken, meint Léa. Sie selbst wäre aber auch gekommen, wenn die 19-Prozent-Regel schon in Kraft gewesen wäre. „Die Erfahrungen, die man sammelt sind unbezahlbar, sogar schon nach drei Wochen.“ Bei 30 Prozent wäre sie nicht so sicher, obwohl Australien dann noch ihr großer Traum gewesen wäre. „Ob man nach 30 Prozent Steuern dann noch genug zum Leben hat, ist die Frage.“ Und die 19 Prozent? Aus Léas Sicht vor allem ärgerlich bei Jobs mit schlechteren Konditionen – wo man zum Beispiel 400 Dollar die Woche plus Unterkunft und Mahlzeit bekomme und dann aber 40 Stunden arbeiten müsse.

Wie die Welt Urlaub macht
Urlaub
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„Wir kommen, macht euch bereit! Reif für die Insel: Sommer, Sonne, Strand und Zärtlichkeit.“ Für viele Deutsche ist genau das allsommerliches Ritual - der Urlaub am Mittelmeer, wie im Gute-Laune-Song von Buddy & DJ The Wave besungen. Anderswo sehen die Sommerferien dagegen ganz anders aus.

USA
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Für viele Urlauber weltweit ist eine Auslandreise nicht das Sommer-Highlight. Die meisten US-Amerikaner zum Beispiel gelten als wenig interessiert an fernen Ländern, gerade mal 30 Prozent haben überhaupt einen Reisepass. Sie bleiben meist im eigenen Land.

Sommercamps in den USA
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Hinzu kommt: Die Vereinigten Staaten haben sehr lange Sommerferien, fast zweieinhalb Monate. Das ist für die Schüler prima, führt aber zu ratlosen Eltern, die oft nur wenige Tage Urlaub haben: Wohin mit den Kindern? Das Ergebnis ist eine florierende Industrie an Camps, in die die Kinder geschickt werden.

Indien
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In Indien haben Eltern eine einfache Lösung gefunden: Sie schicken ihre Kinder in den Ferien immer zu den Eltern der Mutter, denn traditionell lebt die ganze Familie den Rest des Jahres bei den Eltern des Vaters oder zumindest in deren Nähe. In Indien liegen die großen Ferien etwas früher als in Deutschland, damit sie nicht in die Regenzeit fallen. Wer es sich leisten kann, fliegt oder fährt in die Berge, um der Hitze des indischen Sommers und dem Smog der Großstädte zu entkommen. Beliebte Ausflugsziele heißen Manali, Leh oder Shimla.

Spanien
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Berge sind in vielen Teilen Europas nicht so der Urlaubsrenner. In Spanien sind die Städte zur traditionellen Ferienzeit im August beinahe verwaist, weil alle am Meer sind. Denn nicht nur ausländische Touristen zieht es im Urlaub nach Spanien. Weil viele Badeorte auf Mallorca oder an der Costa Brava von Deutschen und Briten überlaufen sind, suchen sich Spanier andere Ziele. Dazu gehören Benidorm (Foto), Salou oder Peñíscola an der Mittelmeerküste. Viele Spanier haben Ferienwohnungen am Meer. Nur eine Minderheit verreist ins Ausland.

Slowakei
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Auch slowakische Touristen haben ein neues Lieblingsland für ihren Urlaub entdeckt: die Slowakei. Bei einer Befragung gaben 52 Prozent an, dieses Jahr mindestens einen Urlaub im Inland verbringen zu wollen. Auslandsziel Nummer eins ist seit jeher Kroatien. Zwängte man vor Jahren noch die ganze Familie in den klapprigen Skoda und stopfte den kompletten Proviant in den Kofferraum, gönnt man sich nun auch mal ein gepflegtes Abendessen in einem Restaurant. Auf das eigene Auto auf dem Weg nach Kroatien will aber kaum jemand verzichten.

Tschechen fahren nach Kroatien
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„Der erste Urlaub in Jugoslawien, gefolgt vom ersten Kind, und dann das eigene Auto“, heißt es in einem Kultfilm aus Tschechien aus dem Jahr 1987. Mit einem Augenzwinkern könnte man sagen, dass sich für die Tschechen nicht allzu viel geändert hat. Kroatien (im Bild: Dubrovnik) ist nach wie vor das Urlaubsziel Nummer eins, auch weil es mit dem eigenen Auto erreicht werden kann und Kroatisch eine verwandte Sprache ist. Meist aus finanziellen Gründen verbringt die Hälfte der Tschechen die Sommerferien allerdings zu Hause oder in der eigenen Datsche.

Ähnlich sieht es die 22-jährige Johanna. Sie ist vor kurzem von ihrem Arbeitsurlaub nach Deutschland zurückgekehrt. Sie wolle noch einmal nach Australien, wegen der Steuern werde sie aber länger dafür sparen müssen. Zudem seien die Jobs nicht immer toll. „Der Arbeitgeber bezahlt nicht mehr, nur weil man Steuern zahlen muss. Australien ist teuer.“

  • dpa
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