Zunkunft der vollelektronischen Grenzkontrollen
Flughafen Frankfurt testet neue Passkontrollen

Die USA hat gerade ihre Frist für die Einführung von maschinenlesbaren Pässen mit biometrischen Merkmalen um ein Jahr verlängert. Am größten deutschen Flughafen Frankfurt hat jedoch die Zukunft der vollelektronischen Grenzkontrollen bereits mit zwei Versuchsreihen begonnen.

HB DÜSSELDORF. Die EU-Pässe der Zukunft sollen mindestens zwei unverwechselbare biometrische Merkmale tragen, nach Ansicht von Experten wahrscheinlich in einem Chip verschlüsselt und gespeichert.

Mehr als 9 200 Menschen haben sich seit Februar im Rahmen eines Modellversuchs beim Bundesgrenzschutz grenzpolizeilich durchleuchten und ein Vergleichsbild ihrer Augen-Iris machen lassen. Kommen sie nun an die Schengen-Grenze, schieben sie ihren Pass in ein Lesegerät und lassen erneut die Regenbogenhaut fotografieren. Stimmen das aktuelle und das zuvor gespeicherte Bild der Iris mit ihren etwa 260 individuellen Merkmalen überein, geht die Schranke auf. Die Anlage mit je zwei Kontrollstellen für die Ein- und Ausreise hat nach Angaben des Herstellers Bosch rund 750 000 Euro gekostet. Die Schwaben greifen auf eine weltweit geschützte Technologie der US- Firma Bymetric Systems zurück, die die Fehlerquote ihres Systems mit etwa einem Prozent angibt.

Problematisch an dieser als zuverlässig eingeschätzten Technologie sollen die hohen Lizenzforderungen der Amerikaner sein. Der Biometrie-Experte Christoph Busch vom Darmstädter Fraunhofer- Institut rechnet daher mit einer EU-Einigung auf die beiden Merkmale Fingerabdruck und Gesichtsmerkmale.

Wichtiger noch als das von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) persönlich eröffnete Iris-Projekt könnte daher ein Versuch sein, an dem in Frankfurt bislang nur Mitarbeiter der Lufthansa und des Flughafenbetreibers Fraport teilnehmen. Hier dienen die Konturen des Gesichts als Zugangsschlüssel zum Vorfeld - in der Praxis nach Ansicht des Fraunhofer-Informatikers Stephen Wolthusen ein nicht gerade unproblematisches Verfahren. „Vom Gesicht muss möglichst viel zu erkennen sein. Bilder im Halbprofil dürfte es nicht mehr geben.“ Das Bundesinnenministerium schweigt sich zu den Fehlerquoten der Projekte in Frankfurt aus. International steht vor allem die Gesichtskennung in der Kritik. Das Computer-Fachblatt „c't“ zitiert den US-Forscher Jim Wayman mit den Worten: „Die Gesichtskennung ist einfach noch nicht reif, um in dieser Größenordnung eingesetzt zu werden. Wenn wir eine zehnprozentige Fehlerquote bei 300 Menschen in einer Boeing 747 haben, dann haben wir ein Problem.“ Deutschen Datenschützern ist die heimliche Einsatzmöglichkeit des Gesichts-Scannings in größeren Menschenmengen suspekt. Der Vorsitzende der Deutschen Vereinigung für Datenschutz, Thilo Weichert, erwartet für diese Technologie einen Schub zur Fußball- Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die Datenschützer warnen zudem vor riesigen zentralen Datensammlungen, die laut Innenministerium aber nicht beabsichtigt sind. Geplant sei lediglich der heute schon manuell mögliche Abgleich mit Fahndungslisten, ansonsten solle nur die Übereinstimmung von Passinhaber und Pass geprüft werden.

(Internet: www.bundesgrenzschutz.de/Auto_Grenzkontrolle/index.php)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%