
BerlinWürde es an diesem Abend allein nach dem Motto gehen „Das Auge trinkt mit“, wäre wohl so manches Bier von vorneherein disqualifiziert. So lädt etwa die graugrüne Suppe in den vier schmalen Plastikflaschen der drei tschechischen Anwärter nicht gerade zum Genießen ein. Etwas ansprechender, aber auch nicht wirklich appetitlich, sieht das grasgrüne Bier vom Stand gegenüber aus.
Ob grün, grau oder klassisch braun. An diesem Abend versammelt sich in der großen Halle auf dem ICC-Messegelände in Berlin alles, was die studentische Brau-Elite hergibt. Ausgerichtet wird der Wettbewerb von der „Braugemeinschaft Campusperle“, einer Gruppe der Uni Hamburg, die selber seit einigen Jahren Bier herstellt.
18 Teams aus drei Ländern, insgesamt 120 Studenten, wollen den Titel für das beste selbstgebraute Hochschul-Bier mit nach Hause nehmen. Dafür müssen sich die studentischen Bier-Fans einer echten Bier-Jury präsentieren. Preisgeld oder ähnliches? Fehlanzeige. Alles nur für die Ehre. Doch wer ein echter Bierbrauer werden will, der lässt sich davon nicht abschrecken.
Um zu gewinnen und das Bier-Schiedsgericht für sich einzunehmen, haben sich die Studenten allerlei einfallen lassen. Da wird während der Bierpräsentation gerne mal ein zünftiges Lied angestimmt und geschunkelt. Andere locken mit Schnittchen und aufgeschüttetem Sand. Auch die Herstellung der einzelnen Sorten unterscheidet sich: Von hoch professionell (komplette Brauanlage) bis laienhaft-spontan (Kochtopf auf dem Herd) ist alles dabei. Eine Gruppe präsentiert ein Bier, dem Algen zugesetzt wurden und das deshalb schlammig-grün aussieht. Einem anderen Bier wurde der geschmacklose Farbstoff Chlorophillyn hinzugegeben, der die charakteristisch grasgrüne Farbe erzeugt - und nebenbei noch die biertypische Fahne verhindern soll.