50 Jahre Star Trek
Von der Gefahr, wie Star Wars zu werden

Heute vor 50 Jahren feierte das Raumschiff Enterprise seinen Jungfernflug und wurde zu einem der größten Kulturphänomene unserer Zeit. Star Trek feiert immer noch Kinoerfolge – und vergisst dabei seinen Markenkern.

DüsseldorfDie Unterhaltungsbranche ist ein schnelllebiges Geschäft. TV-Formate und Filmerfolge kommen und gehen, Gesichter verblassen, Konzepte und Ideen laufen sich tot. Ein bisschen ist es, wie mit Menschenjahren und Hundejahren: Im Showgeschäft dreht alles schneller. Wenn eine Fernsehserie, ja sogar eine ganze Franchise ihr 50. Jubiläum feiert, dann ist das eine beachtliche Leistung.

Dann ist das Format zum Teil der kulturellen Identität, dann ist es ikonisch geworden. Eine der ikonischsten Fernsehserie aller Zeiten feiert an diesem Donnerstag ihren 50. Geburtstag – Star Trek. Ein halbes Jahrhundert nach dem TV-Debüt ist die Science-Fiction-Marke als eine Art Franchise-Lizenz wirtschaftlich erfolgreicher denn je. Doch gleichzeitig vergrämen die Macher zusehends die eingefleischten Fans, die sie so lange getragen haben, die sogenannten „Trekkies“.

Der aktuelle Kinofilm „Star Trek: Beyond“ ist ein Kassenschlager. Über 250 Millionen Dollar hat das Spektakel, in Szene gesetzt von Action-Regisseur Justin Lin, weltweit in den ersten Wochen nach dem Start eingespielt. Der Film ist ein Blockbuster nach dem erprobten Hollywood-Prinzip: Hochglanzoptik, ausgefeilte Tricktechnik, smarte Sprüche, ein unterhaltsames Ensemble, cooler Soundtrack.

Seit 2009, als Kassenmagier J.J. Abrams den Reboot der Serie übernahm, funktionieren die Filme mehr nach diesem Prinzip als nach der ursprünglichen Ausrichtung. Mit Erfolg: Zusammen haben die 13 Teile der Reihe etwa 2,5 Milliarden Dollar eingespielt. Knapp eine Milliarde davon geht auf das Konto der drei Filme seit der Neuauflage.

Dass diesmal Regisseur Lin geholt wurde, um Star Trek auf der Leinwand weiter Leben einzuhauchen, ist kein Zufall. Durch die virtuose Inszenierung von Schauwerten hat der Taiwanese schon vier Teile der „Fast & Furious“-Reihe zu einer inhaltsleeren, aber ungemein erfolgreichen Franchise gemacht.

Die Kritiken zu „Star Trek Beyond“ sind durchaus positiv, loben aber überwiegend zwei Dinge: Schauwerte und lose eingestreute Seriennostalgie. Der tiefe philosophische, gesellschaftskritische und wissenschaftsoptimistische Kern der Star-Trek-Franchise, er verschwindet immer mehr. Im Jahr 2016 zitiert sich Star Trek selbst als popkulturelle Referenz. Kirk, Spock, Pille, Sulu, Uhura, sie alle sind zwar keine Abziehbilder. Aber sie sind massentaugliche Reminiszenzen an ihre nunmehr 50 Jahre alten Vorbilder.

Als der ehemalige Bomberpilot Gene Roddenberry Star Trek erschuf, konnte er nicht ahnen, welchen Einfluss seine günstig produzierte Fernsehserie einmal haben würde. Am 8. September 1966 ging die erste Folge auf Sendung, eine vorab produzierte Pilotfolge verschwand für 20 Jahre im Giftschrank des Fernsehsenders NBC – zu intellektuell, zu wenig Action für eine Science Fiction. Es wurden die Merkmale, die Star Trek auszeichnen.

Roddenberry hatte der 2. Weltkrieg zum Pazifisten gemacht. Mitten in den Kalten Krieg, gerade zum Ausbruch des Vietnamkriegs, in eine Zeit der Kommunistenverfolgung und des Misstrauens erschuf er im Star-Trek-Universum eine zunächst naive Utopie. Das Raumschiff, die U.S.S. Enterprise, die immer der heimliche Hauptdarsteller der Originalserie war, ließ er auf eine Forschungsmission starten. Roddenberry zeichnete die Vision einer offenen, inklusiven Zukunft, in der Geschlecht, Hautfarbe und Nationalität keinerlei Rolle spielten.

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