Ärger um den Oscar: Von Plastik-Babys, Drogen und Raubkopien

Ärger um den Oscar
Von Plastik-Babys, Drogen und Raubkopien

Die Filmbranche verleiht heute ihren wichtigsten Preis: den Oscar. Doch auch die nominierten Filme sind nicht frei von Skandalen. Ein Plastikbaby sorgt für Spott, illegale Downloads für Ärger in Hollywood.
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Los AngelesDumm gelaufen. „And the Oscar goes to: American Sniper“. Aber nicht irgendein Oscar. Schon vor der großen Gala am Sonntagabend bekommt der umstrittene Scharfschützen-Film des greisen Regisseurs Clint Eastwood das wohl unbeliebteste Abzeichen der Branche an die Brust geheftet: Kein anderer Film jemals wurde nach seiner Nominierung für den prestigeträchtigen Filmpreis so oft illegal aus dem Internet geladen. Ganze 1,39 Millionen Mal drückten sparsame Filmfans zwischen dem Verkündungstag am 15. Januar und dem 14. Februar den Download-Button. Insgesamt, so die Piraten-Verfolger von Irdeto, einem Unternehmen, das weltweit Urheberrechtsverletzungen nachgeht, wanderten von den acht für „Bester Film“ nominierten Werken rund 6,5 Millionen Kopien auf irgendwelchen Festplatten.

Doch es kommt noch besser. Der zweite Award, den „American Sniper“ schon in der Tasche hat, ist der der größten Lachnummer des Jahres. Mitten in einer Schlüsselszene des ergreifenden und wie Kritiker meinen schwer kriegsverherrlichenden Irak-Dramas ergreift der Held liebevoll sein Baby aus den Händen der Mutter – und es ist eine 15-Dollar-Puppe aus der Grabbelkiste des Spielwaren-Discounters. So sehr sich die Protagonisten auch mühen und so echt das darüberkopierte Baby-Gebrabbel ist, irgendwie löst sich der Spannungsbogen beim Betrachter auf einmal in hemmungsloses Gelächter auf.

Das Plastikbaby hat mittlerweile einen eigenen Twitter-Account, Scherzbolde verlangen einen Oscar für die „beste Nebenrolle aus Plastik“ und Kommentatoren unken: Wenn das Werk des 84-jährigen Eastwood an diesem Abend nicht die meisten Oscars abräumt, sondern gegen „Birdman“ oder „The Imitation Game“ verlieren sollte, dann wegen dieser Schenkelklopfer-Lachnummer in einer 60-Millionen-Dollar-Produktion. Eine Plastikkopie des Scharfschützengewehrs aus dem Spielwarenregal hätte Waffennarr Eastwood niemals durchgehen lassen. Selbst wenn das Arbeiten mit Babys am Set extrem kompliziert und durch harte gesetzliche Auflagen (völlig korrekt) stark reguliert ist: Dann lieber die Szene weglassen als so was, so der Tenor im Internet.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott also nicht zu sorgen. Doch was bringt eine Oscar-Nominierung denn sonst noch, außer unliebsamer Aufmerksamkeit in Internet-Tauschbörsen und überbordender Schadenfreude? Schauspielern und Filmschaffenden bringt er die Aufmerksamkeit der Medien, Ruhm, Ehre und eine bessere Verhandlungsposition bei neuen Projekten. Dazu, wenn sie Glück haben, die Möglichkeit am Sonntag in Hollywood einmal auf offener Bühne Papa und Mama und allen möglichen anderen Leuten zu danken, von denen man am Montagmorgen schon nichts mehr hört.

Dazu gibt es eine mit 24-Karat-Gold überzogene Statue von seltener Hässlichkeit. Die dürfen die Geehrten noch nicht mal verkaufen, weil das seit 1950 verboten ist. Sie müssen sie für einen symbolischen Dollar der Academy zum Rückkauf anbieten. Wer Pech hat und seinen Namen nicht im Umschlag findet, tröstet sich mit einem Geschenkpaket mit kleinen Aufmerksamkeiten für zusammen 160.000 Dollar. Es ist so toll, ein Verlierer zu sein.

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