Berlinale Deutschlands oberste Kulturfrau will ein Zeichen setzen

Glanz und Glamour - am Donnerstag startet die Berlinale. Doch die #MeToo-Debatte macht vieles anders. Monika Grütters reagiert darauf.
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Zur künftigen Leitung des Festivals äußerte sich die - voraussichtlich auch in der neuen Legislaturperiode zuständige - Staatsministerin nur zurückhaltend. Quelle: Reuters
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Zur künftigen Leitung des Festivals äußerte sich die - voraussichtlich auch in der neuen Legislaturperiode zuständige - Staatsministerin nur zurückhaltend.

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BerlinKulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will eine Anlaufstelle für Missbrauchsopfer aus der Kreativbranche finanzieren. „Die Betroffenen brauchen einen geschützten Raum, in dem sie sich anonym und ohne Angst vor negativen Folgen offenbaren und beraten lassen können - auch rechtlich“, sagte Grütters vor der am Donnerstag beginnenden Berlinale (15.-25. Februar) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „So ein Hilfsangebot darf nicht am Geld scheitern. Wir bieten an, das für den Kulturbereich anzuschieben und für drei Jahre zu finanzieren.“

Die CDU-Politikerin hat eigenen Angaben zufolge bereits mit Spitzenvertretern aus den Bereichen Film, Theater, Tanz und Musik gesprochen. „Ich wünsche mir, dass wir das Projekt branchenübergreifend auf den Weg bringen. Denn das Problem betrifft viele Berufe, gerade solche, die künstlerisch mit Körper und Seele arbeiten. Es geht um ein asymmetrisches Machtverhältnis zwischen denen, die Aufträge und Rollen vergeben, und denen, die darauf angewiesen sind.“

Die #MeToo-Debatte um sexuellen Missbrauch und Diskriminierung war durch Vorwürfe gegenüber Filmgrößen wie Harvey Weinstein und Dieter Wedel ins Rollen geraten. Zum Teil liegen die Erlebnisse jahrzehntelang zurück.

Nach Ansicht von Grütters zeigt das, wie schwer den Opfern Gegenwehr und erst recht eine Anzeige bei der Polizei fallen. „So bitter es sein mag: Offenbar sind bei den Betroffenen die Angst, die Scham und die Demütigung so groß, dass sie nicht den Mut haben, sich zu offenbaren. Hier wollen wir mit einer unabhängigen Anlaufstelle helfen.“

Dringlich ist nach Ansicht von Grütters aber auch eine bessere Vertretung von Frauen in den bisher stark männergeprägten Berufen wie Regie und Produktion. „Je mehr Frauen in den relevanten Positionen sind, umso weniger wird es diese asymmetrischen Machtkonstellationen geben. Das eine hängt mit dem anderen zusammen“, sagte sie. Durch Quotenvorgaben seien zumindest in den Fördergremien inzwischen 30 Prozent Frauen vertreten, in anderen Bereichen gebe es aber nach wie vor enormen Nachholbedarf.

Gleichwohl kann sich der Erfolg des deutschen Films an den Kinokassen durchaus sehen lassen. „Nach vorläufigen Schätzungen könnte der Marktanteil für 2017 auf rund 24 Prozent steigen. Das wäre mehr als 2016 und damit ein Zeichen, dass wir mit unserer Förderpolitik richtig liegen“, sagte die CDU-Politikerin. Besonders freut sie, dass im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb gleich vier deutsche Filme im Bären-Rennen sind und mit Tom Tykwer ein deutscher Regisseur der Jury vorsteht.

Zur künftigen Leitung des Festivals äußerte sich die - voraussichtlich auch in der neuen Legislaturperiode zuständige - Staatsministerin nur zurückhaltend. Selbst die Frage, ob in der Nachfolge des langjährigen Direktors Dieter Kosslick eine Doppelspitze kommt oder eine Einzelpersönlichkeit, ist ihren Angaben zufolge noch nicht entschieden.

„Das hängt sehr von den Kandidaten ab“, sagte sie. „Es wird sicher solche geben, die sich derart vielfältige Aufgaben lieber mit einem Partner teilen. Es gibt aber vielleicht auch jemanden, der alles in einer Hand behalten möchte.“

Kosslicks Vertrag läuft im Mai 2019 nach dann 18 Jahren aus. Im vergangenen Herbst hatten 79 namhafte Filmemacher für Wirbel gesorgt, also sie mit Blick darauf einen Neuanfang für die Berlinale forderten. Der Festivaldirektor (69) fühlte sich durch den offenen Brief verletzt.

Grütters betonte, Kosslick habe Großartiges geleistet. Ziel müsse jetzt sein, die Berlinale vor allem in Konkurrenz zu Cannes und Venedig als A-Festival in die Zukunft zu führen. Zugleich müsse die Veranstaltung ein Publikumsfestival bleiben. Das habe sich in den zahlreichen Gesprächen mit unterschiedlichsten Branchenvertretern ergeben. „Auf jeden Fall bleibt es dabei, dass wir bis zum Sommer einen entscheidungsreifen Vorschlag vorlegen wollen“, versicherte sie.

  • dpa
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