Comic-Film „Wonder Woman“
Hoch lebe Prinzessin Diana

Ein Dreivierteljahrhundert nach dem ersten „Wonder Woman“-Comic geht die Superheldin mit goldenem Lasso erstmals auf Kinogängerjagd. Nicht nur das lange Zögern der Filmstudios erweist sich dabei als Peinlichkeit.
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New YorkWer zum 75. Geburtstag noch das Aussehen, die Energie und Abenteuerlust seiner Jugend hat, lauscht entweder einer übertriebenen Lobhudelei über dem Geburtstagskuchen oder ist ein Superheld. Doch diesmal ist alles anders: Eine Frau feiert dieses Jubiläum – und die gute alte Wonder Woman schafft es trotz ihres Alters, gleich in mehreren Kategorien die Erste zu sein.

Der Film „Wonder Woman“ erzählt actiongeladen die Hintergrundgeschichte der schwarzhaarigen Amazonenkriegerin Diana (Gal Gadot). Der auf ihrer Fraueninsel gestrandete US-Pilot Steve Trevor (Chris Pine) erzählt ihr von den schrecklichen Kriegen auf der Welt. Daraufhin folgt sie ihm und landet im Gegensatz zur Comicvorlage nicht im Zweiten, sondern im Ersten Weltkrieg.

Die Prinzessin nimmt den Decknamen Diana Prince an und verwandelt sich im Handumdrehen in Wonder Woman: Im legendären Kostüm aus roter Korsage, blauem Rock und goldenem Gürtel mit den Initialen WW widmet sie sich dem Kampf für den Frieden, wehrt mit dem Schwert und mit magischen Armbändern tödliche Angriffe ab und fängt Finsterlinge mit einem goldenen Lasso, in dem jeder Gefangene die Wahrheit sagt.

„Wonder Woman“ ist der erste Spielfilm, der je über die seit Beginn der 1940er Jahre existierende Comic-Heldin gedreht wurde. Er ist zudem der erste Superhelden-Film, bei dem eine Frau Regie führte.

Patty Jenkins hatte 2003 bereits einen preisgekrönten Film mit weiblicher Hauptrolle gedreht: Schauspielerin Charlize Theron bekam einen Oscar für ihre Rolle als Serienmörderin in Jenkins‘ „Monster“, der auf einer wahren Geschichte beruht.

Die Fantasiefigur Wonder Woman wiederum taucht tatsächlich ab und an in der Menschenwelt auf. Facebook führt sie auf ihrer gut 1,2 Millionen Follower schweren Seite als Person des öffentlichen Lebens, und im Oktober 2016 ernannten die Vereinten Nationen Wonder Woman zur Ehrenbotschafterin für die Stärkung der Rolle der Frau. Zwei Monate später ruderte die Uno zurück; Zehntausende hatten daran Anstoß genommen, dass eine leichtbekleidete Frau für Gleichberechtigung kämpfen solle. Ihr Status als Fantasiefigur war dabei kein Argument.

Als ob das alles nicht schon peinlich genug wäre für eine Welt, in der Feministinnen vorgeworfen wird, sie sähen Gespenster, die Gleichberechtigung sei ja längst erreicht und es gäbe für Frauen nichts mehr zu erkämpfen – es wird noch peinlicher.

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  • Irgendwann kann man nur noch gähnen, wenn wieder einmal eine Frau als Superheldin im Tabledance-Kostüm gefeiert wird.

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