Der unbekannte Autor von Blade Runner
Green, Green … Michael Green? Hollywood?

Mit dem Satz „Ich hätte beinahe mit Spielberg einen Film gemacht“ ließe sich prima die Biografie einer gescheiterten Existenz beginnen. Doch bei Drehbuchautor Michael Green ruht eine enorme Karriere auf dem Scheitern.
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New YorkGreen, Green … Michael Green? Hollywood? Bei den wenigsten folgen dieser Kombination Bilder in den Kopf. Das mag daran liegen, dass Michael Green keine Zeit für schillernde Auftritte hat: Er schreibt und schreibt und schreibt.

Gleich vier große Kinofilme stammen in diesem Jahr aus seiner Feder: „Blade Runner 2049“ läuft gerade an, im November folgt ein Remake von „Mord im Orientexpress“. Der „X-Men“-Ableger „Logan“ und „Alien: Covenant“ waren bereits im Frühjahr im Kino, obendrein läuft im US-Fernsehen die zweite Staffel der auf einem Neil Gaiman-Roman basierenden Serie „American Gods“ an.

Etwas Ähnliches hat es jahrzehntelang nicht gegeben. Nur Billy Wilder kam einem solchen Lauf im Jahr 1960 mit „Das Appartement“, „Oceans Eleven“ und der TV-Fassung von „Ninotschka“ nahe – allerdings mit Originaldrehbüchern. Michael Green widmete seine Fantasie zuletzt Welten, die andere erschaffen hatten.

„Mord im Orientexpress“ beruht auf dem Roman von Agatha Christie. Oder, je nachdem, wen man fragt, auf dem Film von Sidney Lumet oder der letzten Geschichte von Drehbuchautor Paul Dehn („Planet der Affen“). „Logan“ entstammt einem Comic-Franchise, und sowohl „Alien: Covenant“ als auch „Blade Runner 2049“ sind Fortsetzungen von Kultfilmen unter der Ägide von Regisseur Ridley Scott.

Nach dem Horrorklassiker „Alien“ brachte Scott die Androidenjägergeschichte „Blade Runner“ 1982 auf die Leinwand. Vielen Filmkritikern gilt er als der größte Science Fiction-Film aller Zeiten. Seine Handlung basiert auf der Kurzgeschichte „Träumen Androiden von elektrischen Schafen“ von Philip K. Dick, das Originaldrehbuch stammt von Hampton Fancher. Mit ihm soll Michael Green 30 Jahre später die Fortsetzung ausdenken.

Da liegt die Latte für einen Drehbuchautor ganz schön hoch. Doch nicht die Meilensteine, sondern die Reinfälle in seiner Karriere haben Green in eine Position gebracht, an die sich so schnell sonst niemand wagt. Das hat vielleicht damit zu tun, dass er früh lernte, sich immer wieder aufzurappeln.

Auf Drängen seiner in Israel geborenen Mutter besuchte Green eine jüdische Schule, in der Popkultur tabu war. Seine Eltern waren nicht ganz so streng. So entdeckte er die Superhelden und ihre Sprechblasen, Stand-up-Comedy und TV-Serien für sich. Eigene Ambitionen ergossen sich später in einer Dating-Kolumne für seine College-Zeitung, doch aus einer Karriere als Autor wollte nichts werden.

In der Entwicklungsabteilung des Bezahlsenders „HBO“ las er stattdessen von morgens bis abends die Drehbücher anderer. Sie landeten auf einem von zwei Stapeln: Schlechter als ich – und besser als ich. Letzterer war zunächst frustrierend hoch.

Als Green schließlich Darren Star als Schöpfer einer neuen Fernsehserie namens „Sex and the City“ traf, hatte er keine Ahnung, wovon sie handelte. Oh, Liebesleben? Green schickte ihm seine alten Kolumnen und sah so 1998 erstmals seinen Namen auf dem Bildschirm.

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Der größte Flop der Superheldenfilmgeschichte

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