Deutscher Fernsehpreis
Keine Angst vor Netflix und Amazon

Mehr Mut, mehr Geld: Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon greifen das Fernsehgeschäft an. Noch sieht es gut aus für die Sendeanstalten, das Interesse am klassischen Fernsehen ist ungebrochen hoch. Wie lange noch?
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DüsseldorfBunte Bilder flackern über den TV-Bildschirm, die gesamte Familie sitzt gebannt vor dem Fernseher. Plötzlich, an der spannendsten Stelle, unterbricht das Programm. Der Werbeblock beginnt - und der ausstrahlende Sender verdient Geld. Dieses klassische Fernsehgeschäft funktioniert noch immer gut, „2016 haben wir mit unseren Sendern beim Gesamtpublikum Marktanteile dazugewonnen“, erklärt Konstantin von Stechow, Pressesprecher der Mediengruppe RTL.

Doch der Samstagabend vor der Flimmerkiste ist in Gefahr: Streaming-Anbieter aus dem Internet greifen die Sendeanstalten an. Mit günstigen Preisen und Werbefreiheit wollen Netflix und Co. die Zuschauer von den Fernsehgeräten weglocken.

Das kommt an: Schon heute sind 43 Prozent aller Internet-Nutzer in Deutschland auf kostenpflichtigen Video on Demand-Angeboten unterwegs - das sind rund 24 Millionen Menschen, fand das Marktforschungsinstitut Goldmedia im vergangenen Jahr heraus.

Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Düsseldorf geben sich die TV-Persönlichkeiten zuversichtlich, dass das Fernsehen auch in Zeiten von Streaming-Anbietern eine Chance hat. Seit Jahren steht Bastian Pastewka als Comedian und Schauspieler vor der Kamera, lebt vom klassischen TV-Geschäft. Für ihn sind Streaming-Dienste und das Fernsehen gar keine Konkurrenten: „Die Idee des Anbietens, sowohl bei den Streaming-Diensten als auch beim Fernsehen bleibt gleich. Das ist eine Frage der Generation.“

Der Comedian geht davon aus, dass sich das Publikum aufteilen wird. Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), Willibald Müller, stimmt ihm zu: „Wir werden in Zukunft mehr zeitversetzte Nutzung erleben, die Zuschauer werden sich auch auf verschiedene Plattformen verteilen. Das Rennen ist komplett offen. Netflix ist dabei nicht automatisch als Sieger gesetzt.“

„Wir müssen das weiter machen, was wir am besten können: gute Qualität produzieren“, sagt Tom Buhrow, Intendant des WDR. Großen Veränderungsbedarf sieht er nicht. Kollegin Anke Schäferkodt, die Chefin der Mediengruppe RTL, empfiehlt: „Wir müssen verstärkt auf Eigenproduktionen setzen und Image-prägende Produktionen selber in der Hand haben. Von amerikanischen Serien und Filmen dürfen wir uns nicht zu sehr abhängig machen.“

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