Dieter Wedel Filmbranche reagiert auf Missbrauchsvorwürfe

Die Missbrauchsvorwürfe um den Regisseur Dieter Wedel schlagen große Wellen: Die Hersfelder Festspiele nahmen nun sein Stück aus dem Programm. Auch ein Kollege äußert scharfe Kritik an der gesamten Filmbranche.
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Der Intendant hatte  von einer „diffamierenden Diskussion“ um seine Person gesprochen. Quelle: dpa
Dieter Wedel

Der Intendant hatte von einer „diffamierenden Diskussion“ um seine Person gesprochen.

(Foto: dpa)

Bad Hersfeld, MünchenDie Bad Hersfelder Festspiele haben das geplante Eröffnungsstück „Das Karlos-Komplott“ des zurückgetretenen Intendanten Dieter Wedel aus dem Programm genommen. „Das Stück hätte nach all den Ereignissen der letzten Wochen wohl kaum die Chance einer objektiven und rein künstlerischen Betrachtung“, sagte der neue Intendant Joern Hinkel laut einer Pressemitteilung vom Montag.

Der 75-jährige Wedel war zurückgetreten, nachdem mehrere Schauspielerinnen schwere Anschuldigungen gegen ihn erhoben hatten. Sie reichen von Schikane und Machtmissbrauch bis hin zu sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung. Wedel hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

Für „Das Karlos-Komplott“ nach Friedrich Schiller schrieb Wedel das Buch und sollte auch Regie führen. Die Freilicht-Festspiele sollen nun am 6. Juli mit dem Stück „Peer Gynt“ von Henrik Ibsen eröffnet werden.

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Der Regisseur Simon Verhoeven (45) hat nach den Vorwürfen gegen seinen Kollegen Dieter Wedel (75) die gesamte Szene kritisiert. „Jeder, der in der Filmbranche eine Zeitlang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel“, schrieb Verhoeven am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. „Ich schäme mich für die Mechanismen meiner Branche.“ Sender, Produktionen und Filmschaffende hätten jahrzehntelang geschwiegen. „Es wurde verharmlost, verdrängt, verschwiegen. Aus Angst. Aus Scham.“

Der Filmemacher Verhoeven („Männerherzen“, „Willkommen bei den Hartmanns“) aus München forderte von den Fernsehsendern, die mit Wedel in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben, Untersuchungen anzustellen und offen zu sagen, was sie damals wussten. „Es ist Zeit, sich von diesem Mann aufs deutlichste zu distanzieren. Seine Serien nie wieder auszustrahlen. Und sich bei den Opfern zu entschuldigen.“

In seinem langen Facebook-Eintrag griff Verhoeven Wedel auch persönlich scharf an. „Vielleicht ist meine Wortwahl zu hart und auch zu beleidigend. Aber es macht mich einfach wütend, dass solche Menschen unsere ganze Branche mit Schmutz besudeln und dass sie solange unbehelligt davon kommen“, sagte er dazu der „Bild“.

  • dpa
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