Disney schluckt Fox Das Ende der „Big Six“ in Hollywood

In Hollywood kehrt durch den Kauf von 21st Century Fox durch Disney eine Art Darwinismus ein. Der Stärkste wird am Ende überleben. Die Filmwelt droht, über kurz oder lang zum Monopol zu werden.
Kommentieren
Die 20th Century Fox-Filmstudios gehören nun Disney. Quelle: AP
Fox

Die 20th Century Fox-Filmstudios gehören nun Disney.

(Foto: AP)

New YorkWas sich in der Filmindustrie über Jahre hinweg durch kleinere Erschütterungen angebahnt hat, hat sich nun zu einem regelrechten Erdbeben ausgeweitet. Disney kauft sich den Großteil von 21st Century Fox, für 52,4 Milliarden Dollar (44 Milliarden Euro) in eigenen Aktien. In Hollywood geht mit dem Kauf die Ära der großen sechs Filmstudios, der „Big Six“, zu Ende. Die Filmlandschaft verändert das auf dramatische Weise.

Disneys Deal wird auf vielen Ebenen sein Echo finden. Den größten Widerhall wird er aber in der Kinowelt haben: Durch das Schlucken des Fox-Filmstudios 20th Century Fox hat Disney das Schrumpfen der Konkurrenz in der Branche, das viele wegen geringerer Ticketverkäufe und Streaming-Konkurrenten wie Netflix, Amazon und Apple als unvermeidlich betrachtet hatten, rapide beschleunigt. Aus den Großen Sechs sind nun die Großen Fünf geworden – und der mächtigste der Akteure ist gerade noch ein großes Stück einflussreicher geworden.

„Der Stärkste wird stärker und der Schwächere wird wegfallen oder in andere Einheiten übergehen“, sagt der Analyst Jeff Bock. Es sei ziemlich offensichtlich, was im Moment passiere. Stehen Hollywood also demnächst weitere Übernahmen ins Haus? Viele Beobachter vermuten, dass das nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

Ursprünglich war damit gerechnet worden, dass die kriselnden Studios Paramount Pictures oder Sony Pictures die ersten sein würden, die der Auslese zum Opfer fallen würden. Paramount macht fünf, Sony 8,8 Prozent des Marktes aus.

20th Century Fox ist dagegen größer, 2017 hat es mit 12,3 Prozent den viertgrößten Marktanteil hinter Disney, Warner Bros. und Universal gehabt. Es ging 1935 aus der Fusion von Twentieth Century Pictures und Fox Films hervor. Das Studio ist die Heimat der Originaltrilogie von „Star Wars“ und auch von „Avatar - Aufbruch nach Pandora“, dem Film mit dem höchsten Einspielergebnis der Kinogeschichte, sowie „Titanic“ und „Stirb langsam“. Jeder Kinobesucher kennt die Melodie, die zu Beginn von Fox-Filmen gespielt wird.

Dass Fox nun völlig von der Bildfläche verschwindet, ist nicht gesagt. Als Studio basiert Disney schon jetzt auf verschiedenen Marken: Disney, Marvel, Pixar und Lucasfilm. Disney-Chef Robert Iger deutete auf einer Telefonkonferenz am Donnerstag an, dass auch Fox als eigenes Label innerhalb des Disney-Universums funktionieren könnte. Disney habe nicht nur die Kultur der eingegliederten Organisationen respektiert, sondern auch deren Talent wertgeschätzt, das mit diesen Erwerben in den Konzern hineingekommen sei, sagte Iger.

Noch bevor ein einziges Ticket für den neuen „Star Wars“-Film „Die letzten Jedi“ verkauft wurde, hatte Disney mit „Die Schöne und das Biest“, „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ und „Thor: Tag der Entscheidung“ drei der sechs erfolgreichsten Filme des Jahres herausgebracht. Diese Position hat der Unterhaltungskonzern ausgenutzt, um neue Bedingungen für Kinos durchzudrücken, die etwa „Die letzten Jedi“ zeigen wollen: Disney verlangt von vielen Kinobetreibern einen Prozentsatz von 65 Prozent der Erlöse. Um welche Summen es dabei geht, zeigt etwa der neue „Star Wars“: Dieser sollte schätzungsweise allein an diesem Wochenende weltweit fast 500 Millionen Dollar (424 Millionen Euro) einspielen.

„Ein Kampf um die Zukunft des Streamings“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Disney schluckt Fox: Das Ende der „Big Six“ in Hollywood"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%