Echtzeit-Thriller „Victoria“

Dreifache Chance auf den Europäischen Filmpreis

Die Aufstellung für das Oscar-Rennen verpasst „Victoria“ – aus formalen Gründen. Jetzt hat der experimentelle Echtzeit-Thriller Chancen auf den Preis, der als europäischer Oscar gilt.
Laia Costa als Victoria und Frederick Lau als Sonne in einer Szene des Films „Victoria“. Quelle: dpa
„Victoria“ für Europäischen Filmpreis nominiert

Laia Costa als Victoria und Frederick Lau als Sonne in einer Szene des Films „Victoria“.

(Foto: dpa)

SevillaSebastian Schippers Echtzeit-Thriller „Victoria“ ist in gleich drei Hauptkategorien für den Europäischen Filmpreis nominiert. Der Berlin-Krimi geht in der Kategorie bester Spielfilm ins Rennen. „Victoria“-Darstellerin Laia Costa ist außerdem als beste Schauspielerin nominiert, Schipper als bester Regisseur. Als bester Schauspieler ist Christian Friedel, Titeldarsteller in Oliver Hirschbiegels „Elser - Er hätte die Welt verändert“, dabei. Der Europäische Filmpreis wird am 12. Dezember in Berlin verliehen.

Als Favorit ist mit insgesamt fünf Nominierungen - inklusive Hauptpreis für den besten Spielfilm - die Tragikomödie „Ewige Jugend“ des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino am Start. Das gab die Europäische Filmakademie am Samstag beim Filmfestival in Sevilla bekannt.

Je viermal nominiert sind der schwedische Venedig-Gewinner „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ von Roy Andersson und der tragikomische Sciene-Fiction-Film „The Lobster“ des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos.

Chancen auf den Preis als bester Spielfilm haben außerdem „Mustang“ von Deniz Gamze Ergüven (Türkei) und „Sture Böcke“ von Grímur Hákonarson (Island). In der Kategorie beste europäische Komödie ist unter anderem der französische Kinohit „Verstehen Sie die Béliers?“ von Eric Lartigau nominiert. In der Kategorie Dokumentarfilm hat „Amy“ von Asif Kapadia (Großbritannien) über die jung gestorbene Sängerin Amy Winehouse Chancen.

„Elser“-Darsteller Christian Friedel tritt in der Sparte bester Schauspieler unter anderem gegen Michael Caine („Ewige Jugend“) und Colin Farrell („The Lobster“) an. Laia Costa („Victoria“) konkurriert als beste Schauspielerin mit Stars wie Charlotte Rampling („45 Years“) und Rachel Weisz („Ewige Jugend“).

„Ich danke dir, Edward Snowden, für deinen Mut“
Eddie Redmayne
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Für die beste männliche Hauptrolle wurde der Brite Eddie Redmayne mit dem Oscar ausgezeichnet. In „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ hat er den Physiker Steven Hawking dargestellt. Der Schauspieler ist schon früher mit ambitionierten Rollen aufgefallen. Bereits 2009 fiel er in „Das gelbe Segel“ den Kritikern auf. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie ich mich fühle“, sagte Redmayne. „Aber glauben Sie mir, wenn ich sage, dass ich ein glücklicher, glücklicher Mann bin.“ In seiner Euphorie erinnerte Redmayne auch an die Nervenkrankheit ALS, die dem Starwissenschaftler Hawking seit 1963 zu schaffen macht. „Dieser Oscar gehört allen Menschen in der ganzen Welt, die gegen ALS kämpfen.“

Julianne Moore
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Bei den Frauen konnte sich Julianne Moore gegen die Konkurrenz dursetzen. Ihre Rolle „Still Alice“ handelte ebenfalls von Leid und Krankheit. In dem Melodram verkörpert sie eine ehrgeizige Linguistikprofessorin und dreifache Mutter, bei der Alzheimer diagnostiziert wird. Sie sei froh, dass durch den Film ein Schlaglicht auf das Leiden geworfen werde, sagte Moore in ihrer Dankesrede. „So viele Leute, die diese Krankheit haben, fühlen sich an den Rand gedrängt. Menschen mit Alzheimer haben es verdient, gesehen zu werden, damit wir ein Heilmittel finden können“, fügte die 45-Jährige hinzu.

Patricia Arquette
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Politisch ging es auch in der Dankesrede von Patricia Arquette zu, die für ihre Rolle als alleinerziehende Mutter in der Langzeitstudie „Boyhood“ mit einem Oscar für die beste Nebendarstellerin belohnt wurde. Die 46-Jährige machte sich für Lohngerechtigkeit für Frauen stark, was ihr Begeisterungsstürme des Publikums eintrug. „Nun ist endlich unser Moment gekommen – für gleiche Löhne und gleiche Rechte für Frauen in den Vereinigten Staaten von Amerika.“

J.K. Simmons
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Seinen Zuhörern riet der mit einem Oscar prämierte Nebendarsteller J.K. Simmons, die Familie an die erste Stelle zu setzen. „Ruft eure Mama an. Ruft euren Papa an, wenn ihr das Glück habt, auf diesem Planeten ein noch lebendes Elternteil zu haben“, mahnte der 60-Jährige in seiner Dankesrede.

Alejandro G. Iñárritu
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„Ich möchte diese Auszeichnung meinen Landsleuten in Mexiko widmen. Ich bete dafür, dass wir eine Regierung bekommen, die wir verdienen. Und diejenigen, die in diesem Land leben, die Teil der jüngsten Generation von Immigranten sind: Ich bete dafür, dass sie mit derselben Würde und demselben Respekt behandelt werden wie diejenigen, die vor ihnen kamen und diese unglaubliche Einwanderer-Nation aufgebaut haben“, sagte „Birdman“-Regisseur Alejandro G. Iñárritu. Außerdem scherzte er über den Umstand, dass schon im vergangenen Jahr ein Landsmann als bester Regisseur ausgezeichnet worden war: Alfonso Cuarón. „Vielleicht führt die Regierung im nächsten Jahr Einwanderungsbeschränkungen ein. Zwei Mexikaner hintereinander. Das ist verdächtig, glaube ich“, sagte Iñárritu.

Graham Moore
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Für das beste adaptierte Drehbuch bekam Graham Moore einen Oscar verliehen. „Als ich 16 Jahre alt war, habe ich versucht, mich umzubringen. Weil ich mich schräg gefühlt habe und anders, weil ich dachte, ich gehöre nicht dazu. Und jetzt stehe ich hier. Deshalb möchte ich, dass dieser Moment dem Kind da draußen gehört, das denkt, es sei schräg und anders und würde nirgendwo hineinpassen. Doch, das tust du. Ich verspreche es dir. Bleib schräg, bleib anders,“ sagte Moore.

Paweł Pawlikowski
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Der beste fremdsprachige Film kommt aus Polen. Das Drama „Ida“ wurde als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. Der Schwarzweiß-Film handelt von einem dunklen Kapitel der polnischen Geschichte: der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Bereits vor der Gala war der Film von Paweł Pawlikowski von der Kritik gefeiert worden und dementsprechend als Favorit ins Rennen gegangen. Für Polen ist es der erste Auslands-Oscar. „Das Leben ist voller Überraschungen,“ sagte Pawlikowski in seiner Dankesrede.

Schippers bereits bei der Berlinale gefeierte Thriller „Victoria“ hatte zuletzt Schlagzeilen gemacht, weil er die Aufstellung als deutscher Beitrag für den Auslands-Oscar verpasste – allein aus formalen Gründen. In „Victoria“ wird zu 49 Prozent Englisch gesprochen, von der Oscar-Academy sind in der Kategorie aber nur 40 Prozent erlaubt.

Der 138 Minuten lange, in nur einer einzigen Kameraeinstellung gedrehte Film erzählt von einer Nacht, die das Leben einer Gruppe Berliner Jungs und einer jungen Spanierin völlig auf den Kopf stellt.

  • dpa
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