Erben von Reich-Ranicki und Co.
Neues „Literarisches Quartett“ überzeugt bei Kritikern

Im „Literarischen Quartett“ urteilen Kritiker über Bücher. Doch was sagen Kritiker über die Neuauflage der ZDF-Kultsendung? Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: Nicht geschimpft ist gelobt genug.

BerlinDie Neuauflage des ZDF-Klassikers „Literarisches Quartett“ hat bei Fernsehkritikern relativ viel Wohlwollen gefunden. „Das Spiel ist ganz das Alte geblieben, und es läuft“, urteilte „Spiegel Online“ am Samstag. „Es macht streckenweise großen Spaß, den vier Juroren bei ihrem Gehakel zuzusehen (...)“, meinte die „Süddeutsche Zeitung“. Die „Neue Zürcher Zeitung“ fand die am Freitagabend ausgestrahlte Aufzeichnung hingegen „furchterregend brav, erbarmungslos langweilig und umwerfend humorlos“.

Das einst mit Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) verbundene „Literarische Quartett“ ist nach fast 14 Jahren Pause wieder zu sehen. Am Freitag schalteten zu später Stunde (23 Uhr) 1,07 Millionen Literaturfreunde ein (6,8 Prozent). Neuer Gastgeber ist „Spiegel“-Literaturchef Volker Weidermann. Unterstützt wird er von Fernsehmoderatorin Christine Westermann und dem Schriftsteller Maxim Biller. Ein vierter Teilnehmer stößt bei jeder der jährlich sechs Ausgaben neu dazu, diesmal war es Schriftstellerin Juli Zeh.

Das Urteil über die Rollenverteilung der Gastgeber fiel weitgehend einhellig aus. „Das Kraftzentrum dieses Treibens ist eindeutig Maxim Biller, während Weidermann einstweilen eine eher schiedsrichterliche Stellung hält“, so formulierte es etwa Arno Frank auf „Spiegel Online“. Die „Neue Zürcher Zeitung“ drückte es deutlich unfreundlicher aus: „Alle bleiben sie blass, alle sind sie eifrig und höflich wie Sonntagsschüler, selbst Maxim Biller, sonst der Rausschmeißer vom Dienst, hält sich vornehm zurück, wenn er auch immerhin als Einziger etwas Schwung in die müde Runde bringt.“

Aus Sicht von Iris Radisch vom „Zeit“-Feuilleton, die in den Jahren 2000 und 2001 selbst zu den Gastgebern der ZDF-Literatursendung gehört hatte, war die Buchauswahl „vielleicht nicht interessant genug“ - „es blieb kein Buch so richtig beim Publikum hängen“. Dennoch zeigte sie Zustimmung: „Ich finde, dass die offene Diskussion über Bücher die beste Art ist, im Fernsehen Literatur zu präsentieren. Deswegen ist es sehr gut, dass es das Literarische Quartett jetzt wieder gibt“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (u.a. „Hannoversche Allgemeine Zeitung“).

Auch Michael Hanfeld von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wünschte sich mehr Klarheit. „Wessen Urteil soll man als Leser trauen, welches der Bücher kaufen und lesen? Dazu gibt das „Literarische Quartett“ noch keinen begründeten Anstoß, die Premiere wirkt wie ein Nullsummenspiel.“

Nach Meinung einiger Kritiker ist die Sendezeit mit knapp 45 Minuten viel zu kurz, um den besprochenen Büchern gerecht zu werden. Das sei „richtig ärgerlich“, meinte Alex Rühle von der „Süddeutschen Zeitung“. „Es wirkt, wie wenn ein Marathonläufer 100 Meter rennen soll.“ Arno Frank lobt bei „Spiegel Online“ jedoch: „Am Ende fühlen sich 45 Minuten höchstens nach einer allzu schnell verflogenen halben Stunde an. Schließlich würden auch 45 Stunden nicht ausreichen, um einen Roman „erschöpfend“ zu besprechen.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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