Film über Gustl Mollath „Kompromisslos und kämpferisch“

Gustl Mollath saß sieben Jahre lang in einer Psychiatrie, obwohl er kerngesund war. In einem aufsehenerregenden Wiederaufnahmeverfahren wurde der 59-Jährige 2014 freigesprochen. Mollaths Leiden wurde nun verfilmt.
Der Protagonist des Dokumentarfilms „Mollath - Und plötzlich bist Du verrückt“, Gustl Mollath, und die Regisseurinnen Annika Blendl (zweite von links) und Leonie Stade (rechts) posieren am 25.06.2015 in München im Mathäser Filmpalast beim Opening des Filmfest München. Quelle: dpa
"Mollath - Und plötzlich bist Du verrückt"

Der Protagonist des Dokumentarfilms „Mollath - Und plötzlich bist Du verrückt“, Gustl Mollath, und die Regisseurinnen Annika Blendl (zweite von links) und Leonie Stade (rechts) posieren am 25.06.2015 in München im Mathäser Filmpalast beim Opening des Filmfest München.

(Foto: dpa)

NürnbergSein Fall sorgte bundesweit für Aufsehen und brachte sogar die Gesetzgeber zum umdenken: Der Nürnberger Gustl Mollath war rund sieben Jahre lang gegen seinen Willen in der Psychiatrie eingesperrt. Ein Gericht hielt ihn für gefährlich, doch er kämpfte von Anfang an für seine Freilassung. Im Sommer 2014 schließlich kann er das Regensburger Landgericht nach einem Wiederaufnahmeverfahren als freier Mann verlassen.

Zwei junge Filmemacherinnen haben den 59-Jährigen eineinhalb Jahre lang begleitet. Sie wollten hinter die Fassade von einem der bekanntesten Justizopfer in Deutschland blicken. An diesem Dienstag (22.45 Uhr) ist die Dokumentation „Mollath – Und plötzlich bist du verrückt“ im Bayerischen Fernsehen zu sehen.

In 90 Minuten blicken die Regisseurinnen Leonie Stade und Annika Blendl Gustl Mollath über die Schulter und sprechen mit Freunden und Wegbegleitern. Mollath zeigen sie etwa barfuß am Strand, bei einem Autorennen in England, in der Kirche oder wenn er liebevoll seine Pflanzen versorgt.

Zuweilen wirkt Mollath im Film eigen – etwa wenn er im Bus seine Münzen wegen der seltenen Prägung nicht zum Bezahlen verwenden will und lieber Schwarz fährt. Auch seine Verbitterung ist zu sehen über die Ungerechtigkeit, die ihm angetan wurde. Dann wieder wirkt er extrem vernünftig, sehr humorvoll und selbstironisch. Als ihm etwa eine Frau einen kritischen Zeitungsartikel über ihn zeigen will, lehnt er lachend ab und sagt, wenn er so was lesen würde, „möchte ich fast verrückt werden und das möchte ich vermeiden“. Blendl erzählt: „Es gab viele witzige Szenen. Er hat sehr viel Humor und wir haben uns gut mit ihm amüsieren können. Das hätte man vielleicht gar nicht geahnt.“

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