Filmfestival
Comeback in Cannes

Mit ihrem Film „Toni Erdmann“ ist Maren Ade eine Sensation gelungen: Die Deutschen sind erstmals seit acht Jahren wieder beim offiziellen Wettbewerb um die Goldene Palme dabei. Die Kritiker umschwärmen sie schon jetzt.

ParisMaren Ade heißt die deutsche Sensation des 69. Filmfestivals (11.-22. Mai) in Cannes. Sie ist eine von drei Frauen im offiziellen Wettbewerb mit 21 Filmen und vor allem ist sie Deutsche. Seit acht Jahren hat es kein deutscher Regisseur mehr in den offiziellen Wettbewerb um die Goldene Palme geschafft.

Ade wurde aus 1869 Filmen, die die Festivalveranstalter gesichtet haben, ausgesucht. Sie konkurriert mit großen Namen wie Pedro Almodovar, Jim Jarmusch oder Ken Loach. Der deutsche Film feiert in Cannes ein Comeback, das Interesse der internationalen Filmbranche wurde dadurch geweckt, was dem deutschen Film insgesamt zugute kommen dürfte.

Die Einladung gilt als Ritterschlag in der Szene. Zuletzt trat Wim Wenders 2008 im offiziellen Wettbewerb an. In den 1970er und 1980er Jahren war der deutsche Film in Cannes ständig im Festival vertreten, unter anderem mit Stars wie Wim Wenders oder Rainer Werner Fassbinder. Doch in den letzten Jahrzehnten haben es die Deutschen kaum mehr in den Wettbewerb geschafft. Deshalb ist die Stimmung in deutschen Filmkreisen in diesem Jahr in Cannes so euphorisch wie schon lange nicht mehr.

Zumal der Film der 39jährigen, die in Karlsruhe geboren wurde, aber zur Berliner Schule gehört, am Freitag in der Pressevorführung viel Applaus und gute Kritiken bekam und auch in der offiziellen Gala-Vorführung am Samstag bestens ankam. Es gab 20 Minuten Standing Ovations. Selbst französische Medien schwärmen: „Der deutsche Humor bringt Cannes zum Lachen.“ Die Tageszeitung „Le Figaro“ nennt den Film „die erste positive Überraschung in Cannes“ und schließt eine Palme nicht aus.

Ade erzählt in „Toni Erdmann“ die schrille und emotionale Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung. Er, ein etwas verwahrloster Klavierlehrer, sie die Karrierefrau. Der Vater mischt sich zunehmend in das Leben seiner Tochter ein und bringt alles durcheinander. Es geht um Glück und die Suche nach dem Sinn des Lebens.

Hat Ade das Zeug für eine Auszeichnung in Cannes? Die deutsche Regisseurin hatte auch schon bei der Berlinale Erfolg. Dort bekam sie 2009 zwei Silberne Bären für ihren Film „Alle Anderen“. Aber als Deutsche in Cannes ausgewählt zu werden, ist noch mal eine ganze andere Auszeichnung. Ade ist aufgeregt und erzählte: „Ich fühle mich wie beim Grand Prix d´Eurovision und ich bin die Lena Meyer-Landrut des deutschen Kinos.“ Sie könnte zum Zugpferd für den deutschen Film werden.

Gleichzeitig mit Ade hört man in diesem Jahr auch sonst viel mehr vom deutschen Film. Der deutsche Film-Empfang, organisiert von der Exportunion „German Films“ in den Gärten der Villa Rothschild etwas oberhalb von Cannes, war ein Ereignis.

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