Filmkritik Edward Snowden: Lehrjahre eines Patrioten

Filmkritik Edward Snowden
Lehrjahre eines Patrioten

Seinem Land wollte Edward Snowden dienen. Doch je mehr Einblicke er in die Welt der Geheimdienste bekam, desto mehr zweifelte er. Oliver Stone hat aus der Erfahrung des jungen Agenten einen sehenswerten Film gemacht.

MünchenDie Regeln, die Edward Snowden beim US-Geheimdienst lernt, sind einfach. Im Kampf gegen den Terror müssen die USA auf alles vorbereitet sein. Maximale Vorbereitung bedeutet maximale Überwachung. Würde die Öffentlichkeit von dieser Überwachung erfahren, wäre auch der Feind gewarnt. Also bleibt sie geheim. Die Absolutheit, mit der Snowdens Ausbilder im neuen Kinofilm von Oliver Stone seinem Schützling die Welt erklärt, lassen keine Nachfragen zu.

Eine Geschichte zu erzählen, die jeder kennt, ist keine leichte Aufgabe. Oliver Stone hat sie mit Bravour gemeistert. Der inzwischen 70-jährige Regisseur zeichnet das Bild eines jungen Patrioten, der noch keine Ahnung hat, auf was er sich mit seiner Bewerbung bei der CIA eigentlich einlässt. Anfangs voller Überzeugung an das Gute, das die USA in der Welt repräsentieren, wachsen mit jedem Schritt seine Zweifel. Neun Jahre dauert seine Reise vom Naivling zum Whistleblower. Es ist eine klassische Heldengeschichte.

Stone kennt diese Geschichte gut, er hat die selbst erlebt. Der New Yorker meldete sich 1967 zum Militärdienst. Da war er 21. Stone wollte in Vietnam kämpfen – für sein Land und gegen die kommunistische Weltbedrohung, wie er glaubte. 1968 kehrte Stone mehrfach verwundet und mit mehreren Tapferkeitsmedaillen an der Brust zurück. Er wurde zum Regierungskritiker – und zum Regisseur. Zwar dauerte es fast 20 Jahre, bis er der ganzen Welt zeigen konnte, was er vom Vietnamkrieg hielt. Aber dann nahm sie Notiz. Stones Film „Platoon“ spielte 138 Millionen Dollar ein und gewann 1987 vier Oscars. Stone war ein Star. 27 Jahre später traf er auf Snowden, und wusste sofort, dass er einen Film über ihn machen musste.

„Du kannst Patriot sein und trotzdem deine Regierung kritisieren“, lautet ein Schlüsselzitat in Stones fast zweieinhalb stündigen Werk. Es ist ein Satz, den Snowden vor gar nicht allzu langer Zeit niemals über die Lippen gebracht hätte.

Stones Film zeigt dies brillant. 2004 schreibt Snowden sich bei der US-Armee ein, in der Hoffnung, in einer Spezialeinheit im Irak kämpfen zu dürfen. Doch Snowden, im Film gespielt von Joseph Gordon-Levitt, ist mit seinem schmächtigen Körper den Torturen der Militärausbildung nicht gewachsen. Er bricht sich beide Beine und ist am Boden zerstört, als die Armee ihn ausmustert. Dann sagt ihm sein Arzt: „Es gibt viele Wege, deinem Land zu dienen.“ Noch ein Schlüsselsatz.

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