Filmkritik Edward Snowden: Snowden wie Alice im Wunderland

Filmkritik Edward Snowden
Lehrjahre eines Patrioten

Snowden wie Alice im Wunderland

Snowden geht zur CIA. Er hat zwar keinen High-School-Abschluss, ist aber ein Computergenie, das einen auf fünf Stunden ausgelegten Leistungstest nach 38 Minuten mit 100 Prozent Erfolg abschließt. Snowden, gefördert und angestachelt von seinen Mentoren Corbin O’Brian (gespielt von Rhys Ifans) und Hank Forrester (Nicolas Cage) nimmt den Weg nach oben in Laufschritten.

Dann trifft er eine Frau. Die Liebesgeschichte von Snowden und Lindsay Mills (gespielt von Shailene Woodley) ist der Kern des Films. Die beiden lernen sich, wo sonst, im Internet kennen. Schon im ersten persönlichen Gespräch zeigen sich dann dramatische Unterschiede der Weltanschauung der beiden. Doch Lindsay macht es zu ihrer Mission, Edward zum Guten zu bekehren. Dabei hat sie keine Ahnung, wie dunkel die Welt ist, in der sich ihr Freund bewegt.

Auch Snowden selbst begreift nur langsam, was seine Computerprogramme wirklich bewirken. Anfangs wundert er sich nur, welche enorme Reichweite und Tiefe die Suchmaschinen der Geheimdienste haben. Dann nutzt er sie aber nebenbei selbst, um sicherzugehen, dass seine Freundin ihn nicht betrügt. Telefonanrufe, E-Mails, Chats, die Datenbanken seines Arbeitgebers sind unerschöpflich. Sogar fremde Laptopkameras können seine Kollegen einschalten, ohne dass die Besitzer es merken. Snowden schaut sich das Ganze an und sieht dabei aus wie Alice im Wunderland. Ein Kumpel gibt ihm einen Spitznamen: Schneewittchen. Blütenweiß und unschuldig.

Oliver Stone macht in seinem Film keine Kompromisse. Bis ins Detail ließ sich der Regisseur von dem echten Edward Snowden im Exil in Moskau erklären, wie die Spähprogramme der US-Geheimdienste heißen, wie sie funktionieren und was sie leisten. Teils wirkt der Film wie ein Tutorial. Aber weil der Zuschauer weiß, dass es sich hier um die Realität handelt und nicht um die nächste Fortsetzung von Mission Impossible, ziehen die Einzelheiten das Publikum nur noch mehr in ihren Bann.

Genau darauf setzt Stone. „Würden sich die Leute einen Bourne-Film ohne die Schießerei und die Autojagten ansehen?“, fragt der Regisseur im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Dieser Film spricht für sich selbst. Sicher, wir haben ein paar Dinge ausgeschmückt und ein paar Dinge vereinfacht. Aber der Film spiegelt die Realität wieder. Er ist echt.“

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