„Fuck yourself“
Uwe Boll gegen den Rest der Welt

Der vielleicht schlechteste Regisseur des Planeten macht seinem Ärger Luft: Nachdem die Crowd seinen Amok-Film „Rampage 3“ nicht finanzieren mag, holt Uwe Boll verbal zum Gegenschlag aus. Der wird zum viralen Hit.
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DüsseldorfUwe Boll ist eine Berühmtheit, auf seine eigene Weise zumindest. Der 49-Jährige aus Wermelskirchen bei Köln ist Regisseur und hat es als solcher sogar bis nach Hollywood gebracht. Einzig die Qualität seiner filmischen Erzeugnisse überzeugt Kritiker wenig. Boll, einst mit blutigen Horrorfilmen zu Szeneruhm gekommen, fokussierte sich zwischen 2002 und 2008 hauptsächlich auf von Filmfonds finanzierte Videospielverfilmungen. Deren Gemeinsamkeit: Fans hassen sie.

Boll selbst hält mit seiner Meinung selten hinter dem Berg. So gab er schon freudig zu Protokoll, in seinem Leben nie ein Computerspiel gespielt zu haben und die Verfilmungen nur wegen des Geldes zu machen. Eine Online-Petition, die ihn vom weiteren Filmemachen abhalten sollte, fand immerhin mehrere Zehntausend Unterzeichner. Als er den Schmähpreis „Goldene Himbeere“, einen Anti-Oscar, für sein Lebenswerk erhielt, ging er verbal gegen die Jury los. An Selbstvertrauen mangelt es dem oft und hart kritisierten Boll nicht.

Das zeigt er auch in einem aktuellen Video, das er als Nachricht an die Welt bei YouTube eingestellt hat. Anlass war ein Ergebnis, das offenbar doch am Selbstverständnis Bolls als ambitionierter Filmemacher nagt. Per Crowdfunding wollte er den dritten Teil seiner Amoklauf-Filmreihe „Rampage“ mitfinanzieren lassen. Das klappte bei zwei Plattformen nicht und scheiterte nun auch bei Kickstarter. Wenige Tage vor Ablauf der Frist waren erst 23.000 Euro des gesetzten Ziels von 50.000 Euro erreicht – zu wenig für Boll. Und zu viel für Bolls Geduld.

„Basically my message is: fuck yourself“, erklärt ein sichtlich genervter Regisseur in seiner Botschaft auf YouTube.  Worte, die besser unübersetzt bleiben. Damit nicht genug. Einmal in Fahrt, schimpft Boll auf die Crowd, als gäbe es kein Morgen. „Ich will Rampage 3 machen, weil es ein wichtiger Film ist, aber ihr gebt lieber 600.000 Dollar für einen behinderten Film über einen Zauberer im Wald aus“, schimpft er. Oder für „noch einen Marvel Avengers Bullshit Dreck“.  

In den Sozialen Netzwerken wird das Video derweil fleißig geteilt. Bei Twitter ist „Uwe Boll“ weltweit in den Trending Topics, bei Facebook wird eifrig geliked. Jede PR ist gute PR, mag sich vielleicht auch der Regisseur selbst gedacht haben.

Boll, der unter anderem einst von Investoren Geld bekam, um Max Schmeling ein filmisches Denkmal zu setzen (Hauptrolle: Henry Maske), arbeitet inzwischen unabhängig im kanadischen Vancouver. Der schwedische Schauspieler Dolph Lundgren, der sich einmal zur Zusammenarbeit hinreißen ließ, kommentierte das gegenüber dem US-Kinomagazin „Empire“ so: „Uwe ist in der Tat beeindruckend. Er hat ein eigenes Unternehmen da oben und macht alles so, wie er es für richtig hält. Ich wünschte, ich könnte das. Er macht seine eigenen Filme und finanziert alles selbst.“ Wenn, ja, wenn die Crowd denn mal mitspielt.

Auch wenn sich Boll, dem zumindest für sein Kriegsdrama „Darfur“ ein wenig Anerkennung zuteil wurde, um seine Reputation sorgt, sein wirtschaftliches Überleben scheint gesichert. „Ich habe genug Geld, um Golf zu spielen, bis ich tot bin“, tönt Boll im Video. Seine Kritiker würden vielleicht spenden, damit er sich künftig auf Golf konzentriert.

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