„Fürchte dich“
Ein Tatort aus dem Geisterhaus

Der „Tatort“ des Hessischen Rundfunks ist für seine Experimente bekannt. Mit seinem Ermittler-Duo Koch und Broich hat er jetzt noch einmal etwas ganz Neues gewagt: einen Horrorfilm.
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FrankfurtIn der Wohngemeinschaft von Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) und seiner Hauswirtin Fanny (Zazie de Paris) passieren gruselige Dinge. Ein nur mit einem Nachthemd bekleideter, verwirrter Mann bricht in ihr Haus ein und will es anzünden. Der Alte gibt düstere Vorahnungen von sich und starrt dabei auf ein Dachbodenfenster. Dahinter findet Brix kurz darauf unter einer Diele ein Kinderskelett. Bei seinen Ermittlungen erfährt er, dass sein Wohnhaus ein ehemaliges Waisenhaus war, über 40 Jahre lang leer stand und mit einem Fluch belegt sein soll.

„Fürchte dich“, heißt passenderweise der neue „Tatort“ des Hessischen Rundfunks (hr) – ein Mix aus Kriminal- und Horrorfilm. Das Erste zeigt den sechsten Fall des Frankfurter Ermittler-Duos Brix und Janneke (Margarita Broich) am kommenden Sonntag (29. Oktober um 20:15 Uhr).

Kurz nach dem unheilvollen Angriff des alten Mannes Otto Schlien (Axel Werner) auf das Haus von Fanny taucht seine Enkelin auf. Merle (Luise Befort) heftet sich an Brix' Fersen und weicht ihm nicht mehr von der Seite. Sie will unbedingt in das Haus, in dem sich Kommissarin Janneke um die völlig aufgelöste und gegenüber übersinnlichen Phänomenen aufgeschlossene Fanny kümmert. Während die beiden Frauen immer stärker in den Sog des Geisterhauses geraten, versucht Brix – von Übersinnlichem unbeeindruckt – den Tod des Mädchens vor rund 60 Jahren im „Haus der Barmherzigkeit“ aufzuklären.

Die Drehbuchautoren Christian Mackrodt und Andy Fetscher, der auch Regie führt, mischen den Kriminalfall mit Gruseleffekten. Fetscher, der schon einige Horrorfilme gedreht hat, setzt auf dafür typische Elemente: sturzbachartigen Regen, Blitze, Feuer und Nebel sowie Fratzen, fremde Stimmen und Dämonen. Typisch für das alte große Haus, in dem es spukt, sind auch der Dachboden mit seinen Geheimnissen sowie der enge, dunkle und nasse Keller.

„Glauben Sie an Geister?“, fragt Kommissarin Jannecke gleich zu Beginn aus dem Off in einer Art Prolog. Wer diese Frage entnervt mit Nein beantwortet, dürfte an dem „Tatort“ nicht viel Spaß haben. Dabei ist die in zwei Filmgenres verankerte Handlung konsistent, spannend und actionreich erzählt. Nach einem betont langsamen Beginn nimmt sie deutlich an Tempo auf. Die Leistung der Schauspieler ist durchweg überzeugend, im Mittelpunkt stehen dabei Zazie de Paris und Luise Befort. Und: „Fürchte dich“ schaffte es beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen immerhin zu einer Nominierung.

Allerdings gibt es im herkömmlichen Ermittleralltag einige verzichtbare Szenen, etwa wenn Polizist Brix während des Autofahrens eine SMS ins Handy tippt. Völlig künstlich wirkt seine Begegnung mit Merles Vater – dem Bösen schlechthin: Statt sich zu verteidigen, redet Brix solange, bis er niedergestreckt wird. Dafür erwacht er dann noch einmal zum heldenhaften Retter.

Einen aktuellen Mord gibt es auch – aber erst zum Schluss. Der ist genauso wenig übersinnlich wie der Tod des Kindes aus dem Waisenhaus. Beide hängen sogar miteinander zusammen. Familie, das zeigt der „Tatort“ auf beklemmende Weise, kann auch Horror sein.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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