Hollywood
Der jähe Sturz des Kevin Spacey

Erst Hollywood-Produzent Harvey Weinstein, jetzt Oscar-Gewinner Kevin Spacey. Mehrere sexuelle Übergriffe werden dem Schauspiel-Superstar vorgeworfen. Sein Ziel sollen hauptsächlich junge Männer gewesen sein.
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New York In von weniger als einer Woche ist der zweimalige Oscar-Gewinner Kevin Spacey tief gefallen. Vom angesehenen Bühnen-, Fernseh- und Filmstar zum Ausgestoßenen, im Visier der Polizei und gefeuert von seiner Emmy-prämierten Hauptrolle in der Serie „House of Cards“. Die Stationen eines Absturzes:

Sonntag, 29. Oktober: Der Vorwurf

Der Schauspieler Anthony Rapp berichtet in einem Interview der Webseite Buzzfeed, er sei im Jahr 1986 im Alter von 14 Jahren auf einer Party im New Yorker Apartment Spaceys gewesen. Zu fortgeschrittener Stunde habe der betrunkene Schauspieler ihn hochgehoben, auf sein Bett gelegt und sich auf ihn gesetzt. Obwohl ihn Spacey festgehalten habe, habe er sich befreien können und sei aus dem Apartment geflohen. Rapp erklärte, die Enthüllungen um Produzent Harvey Weinstein hätten ihn ermutigt, auch seine Geschichte öffentlich zu machen.

Montag, 30. Oktober: Die Entschuldigung ... und mehr

Spacey postet auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass er sich nicht mehr an den Vorfall mit Rapp erinnere. „Aber wenn ich mich so verhalten habe, wie er es beschreibt, dann bin ich ihm die aufrichtigste Entschuldigung schuldig für etwas, was ein zutiefst unangemessenes, betrunkenes Verhalten gewesen wäre“, schreibt Spacey. Zudem outet sich Spacey, der bislang sein Privatleben entschieden abgeschirmt hatte, als homosexuell. Den Zeitpunkt für dieses Outing legen ihm einige Beobachter als Versuch aus, von den Vorwürfen Rapps abzulenken.

Der Shitstorm

Den gesamten Tag über wird Spacey von Schwulen-Aktivisten und zahlreichen Prominenten scharf kritisiert - unter ihnen der Schauspieler Zachary Quinto, die Komikerin Wanda Sykes, der Musiker Lance Bass oder der Organisation GLAAD. Das Medienunternehmen Netflix und die „House of Cards“-Produktionsfirma Media Rights Capital kündigen an, die Serie werde nach der sechsten Staffel eingestellt. Diese Entscheidung sei jedoch schon vor Aufkommen der Vorwürfe gefallen. Vertreter beider Unternehmen reisen nach Baltimore, wo die Serie gedreht wird, um sicherzustellen, dass sich Schauspieler und Crew „weiter sicher und unterstützt fühlen“.

Dienstag 31. Oktober: Neue Vorwürfe

Der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos schreibt bei Facebook, er habe Spacey in dessen Zeit als Intendant am Old Vic Theatre in London in der Bar getroffen. Spacey habe versucht, ihn gegen seinen Willen zu berühren. „Es war für diesen Typen ganz normal, in der Bar jeden zu befummeln, der seine Aufmerksamkeit erregte“, schreibt Cavazos. Er habe sich das nicht gefallen lassen. „Aber ich kenne einige, die hatten Angst davor, Stopp zu sagen.“ Das Old Vic Theatre äußert in einer Stellungnahme seine „tiefe Bestürzung“ über die Vorwürfe sexueller Übergriffe. Unangemessenes Verhalten sei für alle, die an dem Theater arbeiten, „komplett inakzeptabel“. Spacey äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Eine Folge der NBC-Serie „This Is Us“, in der es eine Referenz auf einen Film mit Spacey gab, wird überarbeitet, stattdessen bezieht sie sich auf Schauspieler Christian Bale.

Donnerstag, 2. November: Vergiftete Atmosphäre am Set

Der Fernsehsender CNN berichtet, von acht aktuellen und ehemaligen „House of Cards“-Mitarbeitern, die sich über Spacey beschwert hätten. Dieser habe die Atmosphäre am Set vergiftet. Ein ehemaliger Angestellter berichtet, Spacey haben ihn sexuell belästigt. Alle hätten sein Verhalten als lüstern beschrieben. Er habe es vor allem auf junge, männliche Angestellte abgesehen, sie gegen ihren Willen berührt und anzügliche Kommentare gemacht. Spaceys Agentur Creative Arts Agency erklärt, sie werde den Schauspieler nicht mehr vertreten. Sein Sprecher bricht ebenfalls mit Spacey.

Freitag, 3. November: Die Krise spitzt sich zu

Die Polizei in London erklärt, sie habe Ermittlungen wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs im Jahr 2008 aufgenommen, der im Zusammenhang mit Spacey stehe. Laut der Boulevard-Zeitung „The Sun“ soll es sich um einen Mann handeln, der damals Anfang 20 war. In den USA erklärt Netflix, man werde alle Verbindungen zu Spacey kappen und keine weiter Produktion von „House of Cards“ übernehmen, an der er beteiligt sei. Zudem werde der Film „Gore“ mit Spacey, der sich gerade in der Postproduktion befindet, nicht veröffentlicht. Zudem kündigt ein niederländisches Business-Forum an, man habe den Auftritt von Spacey als Hauptattraktion bei einer Konferenz am 29. November in Rotterdam gestrichen.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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