Hollywood-Star Reese Witherspoon
„Frauen müssen sehr viel härter gegen Klischees kämpfen“

Schauspielerin Reese Witherspoon will die Dominanz der Männer in Hollywood brechen. Im Interview spricht die Oscar-Preisträgerin über unterbezahlte und diskriminierte Frauen und die Rolle ihrer eigenen Firma dabei.
  • 0

Los AngelesIm Alter von sieben Jahren stand Reese Witherspoon im Werbespot eines Blumenhändlers erstmals vor der Kamera, als 14-Jährige spielte sie in ihrem ersten Film mit. Ihr Durchbruch war dann 2001 die Filmkomödie „Natürlich blond“, bevor sie 2005 für die Rolle der June Carter Cash in der Filmbiografie „Walk the line“ den Oscar erhielt. Längst gehört die heute 41-Jährige, deren neuer Film „Liebe zu Besuch“ nun in die deutschen Kinos kommt, zu den bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods. Mittlerweile ist sie auch als Produzentin erfolgreich und hat sich 2017 mit anderen weiblichen Hollywoodstars zusammengetan, um mit der HBO-Serie „Big Little Lies“ erneut eine starke Frauenserie ins TV zu bringen. Stoff genug für ein Gespräch über Männer und Frauen und Vielfalt vor und hinter der Kamera.

Frau Witherspoon, Sie haben als Kind mal vier Jahre in Wiesbaden gelebt. Sprechen Sie eigentlich noch etwas Deutsch?
Fast gar nichts mehr, ich habe alles vergessen. Mein Vater war Arzt beim Militär. Daher waren wir in Wiesbaden stationiert. Ich besuchte einen amerikanischen Kindergarten auf dem Kasernengelände, und Zuhause wurde auch nur Englisch gesprochen. Ich habe daher nur ein paar wenige Worte Deutsch gelernt. Von Wiesbaden aus sind wir dann aufs Land nahe Nashville gezogen – dort wuchs ich auf.

Sie sind aber längst kein „Landei“ mehr. Stattdessen mischen Sie mittlerweile als ausgeprägte Feministin Hollywood auf.
Ich bin eine Feministin, das stimmt. Aber ich finde, dem Begriff hängt manchmal noch etwas Negatives an. Ich lebe einfach bewusst als moderne Frau im 21. Jahrhundert. Und manchmal sehe ich da eben Dinge, die nicht mehr in dieses Zeitalter gehören. Das gilt es zu ändern, dafür mache ich mich stark. So wie schon viele andere Frauen vor mir. Holly Hunter, Sigourney Weaver oder Debra Winger haben schon lange vor mir den Grundstein gelegt für eine größere Gleichberechtigung. Ich bin keine Hollywood-Rebellin, die nun eine ganze Industrie aufmischen will. Ich kämpfe aber schon gezielt für Veränderungen.

Ihr erklärtes Ziel ist es, die Männer-Domäne in Hollywood aufzuknacken?
Mein Ziel ist es, dass Frauen die gleichen Chancen bekommen wie Männer. Da gibt es definitiv ein sehr starkes Ungleichgewicht. Es ist schon einiges erreicht worden, aber es ist noch ein sehr langer Weg, bis Frauen in Hollywood gleichberechtigt sind. Auf eine weibliche Regisseurin kommen derzeit sieben männliche Filmemacher! Der Männeranteil in der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ liegt derzeit noch bei knapp 80 Prozent. Da ist es doch klar, dass auch in erster Linie Filme mit männlichen Hauptdarstellern und männlichen Regisseuren bei den Oscars zum Zuge kommen. Das möchte ich ändern.

Und wie soll das gehen?
Dafür habe ich meine eigene Produktionsfirma gegründet. Damit ich Projekte umsetzen kann, die wieder mehr Feminismus in die Kinos bringen. Ich wurde als Teenager inspiriert von starken Frauen-Charakteren wie eben Sigourney Weaver. Das fehlt der jungen Generation heute. „Wonder Woman“ war eine der wenigen Ausnahmen in diesem Jahr. Den Film fand ich super, und diese Figur  - auch wenn sie einem Comic entstammt – kann junge Frauen inspirieren. Wir brauchen mehr davon.

Wie bringen Sie männliche Studiobosse dazu, Ihre Forderungen und Ideen zu akzeptieren?
Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber ich bin ziemlich durchsetzungsfähig. Ich kann auch Männer in Grund und Boden argumentieren (lacht). Es ist ein Umdenken in Gange, aber oftmals kämpft man eben noch gegen Windmühlen. Es sind momentan die neuen Streaming-Services wie Amazon und Netflix sowie die Pay-TV-Sender, die frischen Wind nach Hollywood bringen. Dort ist man sehr viel mutiger und Frauen gegenüber aufgeschlossener. Das ist auch klug, denn Frauen stellen nun mal 50 Prozent der potentiellen Kunden. Und der Mut zahlt sich ja auch bereits aus. Unsere Serie „Big Little Lies“ etwa, bei der gleich fünf Frauen im Mittelpunkt der Geschichte stehen, war ein großer Erfolg. Wir arbeiten nun an einer zweiten Staffel. Mit Jennifer Aniston setze ich für Apple-TV eine neue Serie um, die im Milieu der Morgenprogramme beim Fernsehen spielt und zwei Frauen als Hauptakteure hat. Es gibt sehr viele weitere Beispiele: „Game of Thrones“, „House of Cards“ – überall stehen auch starke Frauen im  Mittelpunkt.

Kommentare zu " Hollywood-Star Reese Witherspoon: „Frauen müssen sehr viel härter gegen Klischees kämpfen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%