Julianne Moore in „Still Alice“
Wenn man das eigene Leben vergisst

In „Still Alice“ zeigt Julianne Moore, wie Alzheimer das Leben verändert. Langsam aber sicher frisst die Krankheit den Menschen von innen auf, die Erinnerung an das eigene Sein verblasst. Dafür gab es einen Oscar.
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DüsseldorfAlzheimer ist eine grausame Krankheit, sie frisst den Menschen von innen auf. Zunächst verlegt man das Handy ein wenig öfter als zuvor, oder die eine Zutat des Lieblingsgerichts will einem einfach nicht mehr einfallen. Irgendwann jedoch vergisst man den Namen der eigenen Tochter, eigentlich vertraute Gesichter erscheinen völlig fremd.

In „Still Alice“ verkörpert Juliane Moore die Linguistik-Professorin Alice Howland, die mit ansehen muss, wie ihr die Krankheit Stück für Stück die Erinnerungen an das eigene Leben löscht. Für ihre Leistung gab es zurecht den Oscar für die beste Hauptdarstellerin.

Mit Anfang 50 bereits wird bei Alice eine besonders tückische, früh einsetzende Form von Alzheimer festgestellt. Bei Vorträgen vergisst sie zunächst nur ein paar Wörter, später findet sie beim Joggen den Weg nach Hause nicht mehr.

Darüber hinaus ist ihre Form der Krankheit vererbbar, ihre beiden Töchter könnten also auch betroffen sein. Die eine Tochter, Anna (Kate Bosworth), lässt sich testen, auch bei ihr wird die Veranlagung festgestellt. So ist ihre Mutter für sie quasi ein Blick in die eigene, tragische Zukunft. Obendrein ist sie schwanger. Die Angst, die Krankheit erneut weiter zu vererben, wird zur großen Belastung.

Zu viel für Anna, sie entfernt sich immer mehr von ihrer Mutter. Die andere Tochter Lydia (Kristen Stewart) dagegen lässt sich nicht testen, sie setzt auf die Gnade der Unwissenheit, ob auch sie betroffen ist. Sie kommt ihrer Mutter bald so nah wie nie zuvor. Ihr Mann (Alec Baldwin) versucht weiterhin, sie als Frau an seiner Seite zu sehen – was immer weniger gelingt.

Die Sprachwissenschaftlerin Alice verliert nach und nach ihre Sprache und den klaren Kopf. Um den eigenen Geisteszustand zu testen, tippt sie Fragen über ihre Familie in ihr Handy ein, die sie jeden Morgen beantworten soll. Ihr Plan: Sind die Fragen irgendwann für sie nicht mehr zu beantworten, will sie eine Überdosis Medikamente schlucken.

Der Film bleibt über die gesamte Dauer sehr nah an seiner Hauptdarstellerin und zeichnet den Weg der taffen Karrierefrau nach, die hilflos zusehen muss, wie sich ihr eigenes Sein in Luft auflöst. Juliane Moore spielt diese letzte, emotionale Reise mit einer unerschütterlichen Kraft, nie verliert ihre Alice die Würde. Trotz aller Rückschläge, privat wie beruflich.

Natürlich kann sie ihre Krankheit irgendwann nicht mehr geheim halten, sie muss ihren geliebten Job aufgeben. Danach muss sie ihre Rolle auch in ihrer Familie neu definieren. Nun gilt es für sie, im Moment zu leben. Ein gestern gibt es irgendwann nicht mehr, und ein Morgen bleibt immer ungewiss.

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