Kinobranche Frauen gehören immer noch zur Minderheit

Filme wie „Toni Erdmann“ oder „Wild“ haben das Kinojahr geprägt. Sie zeigen, dass Regisseurinnen genauso erfolgreich sein können wie ihre männlichen Kollegen. Dennoch sind Frauen in der Branche nicht gleichberechtigt.
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Der Film wurde mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet und ist für einen Oscar nominiert. Quelle: dpa
Toni Erdmann

Der Film wurde mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet und ist für einen Oscar nominiert.

(Foto: dpa)

BerlinWie steht es um Frauen im Film: Sind sie nur Dekoration? Dazu hat die amerikanische Comic-Zeichnerin Alison Bechdel in den 80er Jahren einen Test bekannt gemacht. Es geht um drei Fragen: Gibt es im Film mehr als zwei Frauen? Reden sie miteinander? Und reden sie über etwas anderes als Männer? Der Bechdel-Test wirft ein Schlaglicht auf Sexismus im Film. Er kam auch bei einer Tagung von Filmemacherinnen („Pro Quote Regie“) kurz vor der Berlinale zur Sprache.

Dort ging es um gerechte Löhne. Die Botschaft: Auch im Film verdienen Frauen nicht so gut wie Männer. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Dafür muss man wissen, wer bekommt wie viel. Die Bundesregierung hat gerade nach langem Streit einen Gesetzentwurf dazu verabschiedet. Die Debatte reicht in viele Winkel der Gesellschaft, auch in die Kultur, die als Frauendomäne gilt.

Welche deutschen Filme schon auf den Oscar hofften
1957
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Im Gleichschritt marsch: "Der Hauptmann von Köpenick" alias Harald Juhnke (l) tritt am 06.04.1997 mit seiner Kompanie vor dem Rathaus im Berliner Ortsteil Köpenick an. Im Original von 1956 des Drehbuchautors Helmut Käutner spielte Heinz Rühmann die Titelrolle. Der Film wurde der erste deutsche Nachkriegserfolg in den USA und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der Hauptmann von Köpenick wurde 1957 für den erstmals vergebenen Oscar in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" nominiert.

1958
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Mario Adorf schaffte seinen Durchbruch mit dem deutschen Spielfilm "Nachts, wenn der Teufel kam" von Robert Siodmak. Er spielte den Triebtäter Bruno Lüdke, dessen Fall während der NS-Zeit auf merkwürdige Weise abgewickelt wurde. Nach vielen positive Kritiken und viele Auszeichnungen, wurde der Film zu einem Publikumserfolg. 1958 erfolgte die Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film.

1959
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Ein Jahr später wurde der deutsche Film Helden für den Oscar nominiert, konnte aber nicht gegenüber der Konkurrenz bestehen. Das Drehbuch des kurz nach der Wiederbewaffnung Deutschlands produzierten Filmes folgte in allen Zügen dem Theaterstück Arms and the Man von Shaw und spielt während des Bulgarisch-Serbischen Krieges im Jahre 1885. Mit über 3 Millionen Zuschauern wurde der Film seinerzeit ein Riesenerfolg.

1960
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Der deutsche Antikriegsfilm ''Die Brücke'' aus dem Jahr 1959, basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Gregor Dorfmeister und thematisiert dessen persönliche Kriegserlebnisse. Im Mittelpunkt steht die deutsche Jungend welche im Nationalsozialismus herangezogen wird. „Die Brücke“ ist einer der deutschen Spielfilme, der nach 1945 mit den meisten Preisen ausgezeichnet wurde. Trotz dessen konnte er die Oscar-Nominierung im Jahr 1960 nicht für sich entscheiden.

1974
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Erst vierzehn Jahre später wurde ein neuer Hoffnungsträger für den Oscar nominiert: ''Der Fußgänger'' erhielt insgesamt 49 nationale und internationale Preise, gewann die Auszeichnung 'Bester fremdsprachiger Film' im Jahr 1974 jedoch leider nicht. Der Film beschäftigt sich mit den kriminellen Machenschaften des Großindustriellen Giese und beschreibt aus verschiedenen Perspektiven wie sich die einzelnen Charaktere auf den bevorstehenden Prozess vorbereiten.

1977
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Bei ''Jakob, der Lügner'' handelt sich um eine Verfilmung von Jurek Beckers Roman. Hunger, Krankheit und Tod sind Alltag im jüdischen Ghetto in Polen während das zweiten Weltkrieges. Jakob gibt den Ghetto-Bewohnern ein Stückchen Hoffnung. Er erfindet Nachrichten über alliierte Erfolge gegen die Nazis, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. 1977 reichte es nur für die Nominierung zum besten fremdsprachigen Film.

1979
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Gleich zwei deutsche Filme schafften es 1979 auf die Nominierungsliste für den Oskar. Darunter: ''Mama, ich lebe'', ein Kriegsdrama von Konrad Wolf, in dem sich deutsche Rekruten entscheiden, gegen die Wehrmacht zu kämpfen.

Wenn es um Regie geht, sind Frauen auch im Jahr 2017 längst nicht so präsent wie die Männer. Im Rennen um die Berlinale-Bären sind von 18 Filmen 4 von Regisseurinnen gedreht. Von den fast 400 Berlinale-Werken insgesamt stammen 125 von Filmemacherinnen. 2016 wurde wegen der erfolgreichen Filme „Toni Erdmann“ von Maren Ade, „Vor der Morgenröte“ von Maria Schrader und „Wild“ von Nicolette Krebitz als „Jahr der Frauen“ bejubelt wurde.

Die Zahlen, die die Gleichstellungs-Initiative Pro Quote Regie nennt, klingen nüchtern: Im Kulturbereich verdienten Frauen im Schnitt 24 Prozent weniger als Männer. Bei Regie und Dramaturgie sollen es sogar 36 Prozent sein. Fördermittel gehen nur zu einem Bruchteil an Frauen.

Gründe finden sich viele: der schwierige Einstieg, die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade beim Filmdreh oder die althergebrachten Rollenbilder. Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) ist über die Zahlen aus der Branche „schockiert“.

Eigentlich gehe es in Theater, Film und Fernsehen gesellschaftskritisch zu, sagt Schwesig. Die Missstände hinter den Kulissen seien ein Widerspruch dazu. „Es gibt viele Ursachen für die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern, aber nur, weil man sie erklären kann, heißt es ja nicht, dass sie richtig sind.“

Kirsten Niehuus, Chefin der Filmförderung beim Medienboard Berlin-Brandenburg, hat beobachtet, dass deutlich weniger TV- und Kinofilme mit größeren Budget von Frauen gedreht werden. „Eine sachliche Begründung dafür gibt es nicht.“

Gerade die jüngsten Erfolge wie „Toni Erdmann“ und „Ich bin dann mal weg“ von Julia von Heinz hätten gezeigt, dass Regisseurinnen genauso erfolgreich sein können wie ihre männlichen Kollegen, so Niehuus. „Wenn mehr Regisseurinnen von Sendern und Produzenten beauftragt werden, können sie auch mehr Förderung erhalten.“

Die Regisseurin Esther Gronenborn („Alaska.de“) meint, den Männern werde mehr zugetraut. Bei ihnen werde mehr auf das Potenzial geguckt als bei den Frauen. „Man kriegt keinen Fuß in die Tür.“ Das Fernsehen sei dabei ein „Nadelöhr“. Der Schritt ins für die Kinobranche wichtige TV gelinge den Männern nach ihrem Debüt eher als den Frauen. Grundsätzlich sei die Branche aber offener geworden. „Das ist schon mal ein großer Schritt.“

Diese Schauspieler sind deutlich überbezahlt
Platz 10: Bradley Cooper
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Der Schauspieler ist bekannt aus Filmen wie „Silver Linings“ und „Hangover“. Zusammen mit seinem Bekanntheitsgrad wuchsen auch die Ansprüche auf höhere Gagen. Die Ergebnisse der letzten drei Filme fallen allerdings eher mäßig aus: Für jeden Dollar, den er kassierte, brachte er etwa zwölf wieder ein. Mit dem Film „Aloha“ konnte er noch nicht einmal die Ausgaben wieder zurückholen.

Platz 9: Julia Roberts
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Der „Sex and the City“-Star steht leider noch schlechter da. Die Filme „Money Monster“ und „Mother´s Day“ zogen ihr Rating stark runter. Für jeden einzelnen Dollar den sie kassierte, erzielte sie 10,80.

Platz 8: Leonardo DiCaprio
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Nach langem Warten holte der Schauspieler mit seiner Rolle in „The Revenant“ seinen ersten Oscar. Aufgrund der extrem hohen Bezahlungen, die er verlangt, steht er umgerechnet dennoch nicht allzu gut da. Für jeden Dollar, den er erhalten hat, brachte er 9,90.

Platz 7: Mark Wahlberg
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Der Muskelprotz aus „Pain and Gain“ holte sogar nur neun Dollar zurück.

Platz 6: Adam Sandler
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Für den Komiker und Schauspieler lief es in der letzten Zeit nicht besonders gut. Derzeit werden seine Filme nur noch direkt auf dem Streaming-Portal „Netflix“ veröffentlicht und sein letztes Leinwanddebüt „Pixels“ wurde von den Kritikern verrissen. Trotzdem verlangt er viel für seine Arbeit. Doch er schaffte es mit seinen letzten drei Filmen, nur acht Dollar für jeden einzelnen Dollar seiner Gage wieder reinzuholen.

Platz 5: George Clooney
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Der Schauspieler genießt nicht nur einen gewissen Kultstatus, sondern kassiert auch eine Menge Geld für seine Arbeit. Allerdings konnten die Einnahmen aus seinen letzten drei Filmen diese Kosten nur bedingt decken. Bei ihm gab es nur 6,70 je Dollar.

Platz 4: Will Ferrell
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Der aus „Anchorman“ bekannte Schauspieler erspielte ebenfalls nur ein wenig mehr als das sechsfache seiner Gage.

Iris Berben, Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Filmakademie, sagt: „Gleichberechtigung fängt im Kopf an und muss in der Praxis umgesetzt werden. Wenn nötig - und so scheint es - mit viel Penetranz und Durchhaltevermögen. So lange, bis es kein Thema mehr ist, denn nur dann ist sie erreicht worden.“

Was sagen die Männer? Hans-Werner Meyer vom Bundesverband Schauspiel findet: „Das Thema geht uns alle an.“ Besonders beim Theater würden Männer noch höher bezahlt als Frauen. „Das ist natürlich nicht hinnehmbar“, sagt der Schauspieler („Letzte Spur Berlin“). Was die Rollen für Frauen angeht: „Ich finde, im Fernsehen ist es noch sehr konservativ und im Filmbereich letztlich auch. In der Realität gibt es sehr viel spannendere Frauen als häufig in den Filmen.“

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  • dpa
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