Kinostarts
„Hier hört die Welt auf!“

In „Ostfriesisch für Anfänger“ mischt der Didi Hallervorden ein kleines Dorf auf. Seit 30 Jahren sitzt ein deutscher Diplomatensohn in den USA im Gefängnis. Ein neuer Dokumentarfilm nährt Zweifel an seiner Schuld.

Hamburg/Berlin„Hier hört die Welt auf!“, stellt Vroni von der Ausländerbehörde entgeistert fest, als sie mit ihrem Kleinbus voller ausländischer Fachkräfte durch die flache Landschaft juckelt: Überall nur Windkrafträder und Schafe auf dem Deich. „Das ist also Ostfriesland!“

Als die kleine Truppe vor dem verfallenden Hof hält, trauen sie ihren Augen kaum. Hier sollen sie also zwei Monate Deutsch lernen, um in Deutschland arbeiten zu dürfen? Dem Bürgermeister von Niederhörn, dessen Dorf pleite ist und der sich mit dem lukrativen Auftrag sanieren möchte, scheint es jedenfalls ernst zu sein: „Welcome. Moin, hier in Ostfriesland“, begrüßt er die Gäste. „Das Meer ist ganz nah - wenn nicht gerade Ebbe ist!“

Doch der Bürgermeister hat in „Ostfriesisch für Anfänger“ die Rechnung ohne Uwe Hinrichs, Schiffsbauer in Ruhestand, gemacht. Der einsame Eigenbrötler, der konsequent platt spricht und sich als den letzten „echten Ostfriesen“ bezeichnet, denkt nämlich nicht im Traum daran, sein gepfändetes Haus, wo er einst so viele glückliche Stunden mit seiner Elfriede verbracht hat, kampflos aufzugeben. Der Start für eine turbulente Integrationskomödie mit Tiefgang. Denn Uwe Hinrichs (Dieter Hallervorden) muss zur Strafe die „Utländer“ unterrichten - mit ungeahnten Folgen für beide Seiten.

Dem Hamburger Regisseur Gregory Kirchhoff und Drehbuchautor Sönke Andresen ist mit „Ostfriesisch für Anfänger“ eine humorvolle und zugleich berührende Geschichte über das schwierige Thema Integration gelungen.

Der Film, im November 2015 in der Nähe von Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein gedreht, nimmt die Sorgen und Nöte der Einheimischen („Hier gibt es keine Arbeit“) ebenso ernst wie die Beweggründe der Ausländer, nach Deutschland zu kommen. Und räumt nebenbei mit Vorurteilen auf: So kann Abdullelah aus dem Libanon nicht nur schneller Krabben pulen als Uwe, sondern ist auch Schiffsingenieur und baut ihm sein Buddelschiff zu Ende, mit dem er sogar noch einen Preis gewinnt.

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