Klatten-Film „In der Falle“
Affären sind auch nicht mehr, was sie waren

Wer hat heute noch Angst vor Schlagzeilen in einer gedruckten Zeitung? Die spektakuläre Erpressung der Millionärin Susanne Klatten hat die ARD in einen soliden, aber aus der Zeit gefallenen Allerweltskrimi verwandelt.

BerlinDen Namen Susanne Klatten nannte die ARD im Vorfeld nicht. Doch war der Zusammenhang eindeutig und in allen übrigen Ankündigungen des am Mittwochabend gesendeten Spielfilms "In der Falle" enthalten: Die Geschichte der sehr reichen Unternehmens-Miteigentümerin, die sich im Urlaub in einen Fremden verliebt und später von diesem erpresst wird, ist inspiriert von dem, was Susanne Klatten 2007 passiert ist.

Redselig waren die Quandts nie. Als deren Erbin schwieg auch Klatten, Großaktionärin unter anderem bei BMW, als sie von einem Liebhaber erpresst wurde; durch ein Gerichtsverfahren kam die Sache an die Öffentlichkeit.

Für seine per Rückblenden-Struktur erzählte Handlung variiert der ARD-Spielfilm die Fakten leicht: Simone Carstensen-Kleebach (Claudia Michelsen) begegnet nicht in Innsbruck, sondern auf Norderney dem charmanten Fremden, der auch kein Schweizer ist, sondern sich als belgischer Galerist (Michael Rotschopf) namens Leon Vandenne vorstellt.

Schon die zweite Begegnung findet in Bademänteln am Hotel-Schwimmbecken statt. Das weitere Geschehen spult der Film mit hoher Vorhersehbarkeit, dafür in dem gemächlichen Tempo ab, das öffentlich-rechtliche Fernsehspielfilme kennzeichnet und mit den schnelleren, dichteren Erzählweisen US-amerikanischer Provenienz leider wenig zu tun hat.

Der Handlungsverlauf strapaziert aber nicht nur die Geduld, sondern er sät auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit - spätestens, wenn im zweiten Drittel des 90-Minüters eine Erpressung-in-der-Erpressung-Story ins Spiel kommt: Da wird der vermeintliche Galerist von mit russischem Akzent deutsch sprechenden Motorradfahrern verprügelt, weil er, wie er anschließend behauptet, dessen Chef ein gefälschtes Gemälde verkauft habe.

Dass die verliebte Millionärin schnell mit einem Koffer voller Geldscheine bei der Hand ist, aber selbst später nicht auf die Idee kommt, sich über die Brüsseler Galerie zu informieren, mag vielleicht noch in den Jahren um die Jahrtausendwende realistisch gewesen sein. In den 2010er Jahren mit überall ständig verfügbaren Informationsmedien wirkt das ebenso aus der Zeit gefallen wie später, wenn ihre Familie befürchtet, dass kompromittierende Fotos "in der Zeitung" erscheinen. Als ob es das viel schnellere, noch viel weniger kontrollierbare Internet gar nicht gäbe.

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