Krimis im Fernsehen
Die Tatort-Republik

Die größte Gefahr fürs Erfolgsrezept

Die größte Gefahr fürs „Tatort“-Erfolgsrezept kommt aus den eigenen Reihen. Es ist die Inflation, die die ARD selbst und das ZDF anheizen. Nicht allein durch die Vielzahl von „Tatort“-Wiederholungen, die außer in der Sommerpause sonntags ohnehin an fast jedem Freitag in der ARD und regelmäßig in Dritten und den digitalen Programmen laufen. Auch nicht durch die Mediathek: Mit Recht ist die ARD stolz darauf, dass „Tatort“-Folgen millionenfach abgerufen wurden, also auf den Beweis, dass sie auch nichtlineares Fernsehen kann.

Doch fluten die öffentlich-rechtlichen Sender die Krimirepublik Deutschland überdies mit jeder Menge weiterer Regionalkrimis nach nahezu identischen Mustern. Die ZDF-Samstagskrimis, die häufig exakt 24 Stunden vor dem ARD-Sonntagskrimi laufen, spielen ebenfalls meist in der deutschen Region, zwischen Friesland („Friesland“) und Düsseldorf („Helen Dorn“), aber auch bereits in Dresden („Die Walensteins“) und natürlich Münster („Wilsberg“).

Ferner gibt es ARD-Donnerstagskrimi-Reihen an deutschen Schauplätzen („Der Usedom-Krimi“, „Mord in bester Gesellschaft“) und an internationalen, aber mit deutschen Darstellern und deutscher Dramaturgie („Kommissar Dupin“, „Mordkommission Istanbul“).

Und sowohl „Ostsee-Krimis“ als auch „Nordseekrimis“ haben ARD und ZDF im Angebot. Von den unzähligen Regionalkrimi-Serien zwischen „Morden im Norden“ (ARD) und den „Rosenheim-Cops“ (ZDF) sowie jeder Menge „SOKOs“ (ZDF) fürs Werberahmenprogramm am Vorabend ganz zu schweigen ...

So schön es ist, dass die ARD mit dem „Tatort“ ein Jahrzehnte altes Lagerfeuer am Lodern hält, so gut könnte es dem Format tun, wenn die Öffentlich-Rechtlichen ihren Gesamtausstoß von Krimis an anderen Sendeplätzen runterfahren würden. Dann würden die Sonntagskrimis wieder etwas besonderer wirken als zurzeit.

Und an den Wiederholungs-Terminen ein paar mehr gute „Tatorte“ aus den 70er-, 80er- und 90er-Jahren zu zeigen statt immer nur welche aus den letzten fünf Jahren, könnte das Bewusstsein dafür schärfen, dass der „Tatort“ kein Allerweltskrimi ist, sondern ein Format, das sich schon lange und oft erfolgreich auf der Höhe der jeweiligen Zeit bewegt.

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