Krimis im Fernsehen
Die Tatort-Republik

An diesem Sonntag hat das Warten ein Ende: Nach der Sommerpause gibt es einen neuen „Tatort“ aus der Schweiz. Das Krimi-Format scheint auch nach 45 Jahren unverwüstlich, trotzdem droht eine große Gefahr.

BerlinDer ARD wird oft vorgeworfen, Geld falsch auszugeben. Der „Tatort“ dagegen ist sein Geld wert, trotzdem machen die Programmentscheider mit der Sommerpause alles richtig. Die Verknappung des Angebots an Premieren in der Krimireihe und die Wiederholungen an Hochsommer-Sonntagen steigern die Nachfrage. Umso gespannter wird an diesem Sonntagabend um 20.15 Uhr der Beginn der Herbst-„Saison“ erwartet. Den Auftakt macht der schweizerische Fall „Ihr werdet gerichtet“.

Dem Fernsehen wird heute gerne ein Lagerfeuer-Charakter zugeschrieben - vor allem vor dem Hintergrund, dass er allmählich verschwindet. Die sogenannte „große Samstagabendshow“ etwa ist spätestens mit dem „Wetten, dass...?“-Aus endgültig zu Grabe getragen worden. Ganz anders der „Tatort“: Die Erstausstrahlungen erreichen selbst in den 2010-er Jahren oft mehr als zwölf Millionen Zuschauer und Marktanteile von mehr als 30 Prozent, darunter viele jener jüngeren Zuschauer, die sonst selten bei ARD und ZDF vorbeizappen.

Sicher ist das weniger als wichtige Fußballspiele erreichen, aber die Krimireihe spielt verlässlich Sonntag für Sonntag in dieser Liga. Lagerfeuer stehen sprachbildlich eben nicht für besondere Einzelereignisse, sondern eher für echte Dauerbrenner.

Ende November wird das Konzept 45 Jahre alt und es scheint unverwüstlich: Es verträgt die oft als betulich und auch aus anderen Gründen kritisierten Ermittler Flückinger und Ritschard (Stefan Gubser und Delia Mayer) aus dem schweizerischen Luzern, die die Saison einläuten, ebenso wie die ostentativ albernen Kommissare aus Münster (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) und den immer und überall polarisierenden Hamburger Kommissars-Darsteller Til Schweiger mit seinem noch alberneren Rollennamen „Nick Tschiller“.

So wie Schweiger Kino-Actionfilme imitiert – und im Februar 2016 mit einem von Warner Bros. verliehenen Kino-„Tatort“ wiederum an dessen Fernseherfolg anzuknüpfen versucht –, so imitiert der erheblich gediegenere Schauspieler Ulrich Tukur internationales Arthouse-Kino.

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