Letzter Tatort aus Leipzig
„Fuck you, Medea!“

In ihrem letzten „Tatort“ aus Leipzig suchten Saalfeld und Keppler neben einem verschwundenen Kind auch sich selbst. Dabei streiten sie mal wieder wie die Kesselflicker. Sehenswert, aber vermissen werden viele das nicht.
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Düsseldorf„Was ist der Sinn des Lebens?“ fragt Martin Wuttke als „Tatort“- Kommissar Andreas Keppler, während er in seinen leicht unterbesetzten Kühlschrank blickt – und dem Zuschauer direkt anstarrt. Dabei steht er knöcheltief im Wasser, seine Waschmaschine hat die ganze Bude geflutet.

Gleichgültig hält er einen Monolog in die Kamera. Mehrmals wird Keppler in „Niedere Instinkte“ die sogenannte „Vierte Wand“ zum Publikum auf dem heimischen Sofa brechen, nicht die einzige Theaterreferenz. Auf seine existenzielle Frage hatte auch der letzte „Tatort“ aus Leipzig gestern keine echte Antwort parat, dafür jedoch ganz viel Drama.

Nach sieben Jahren und 21 Fällen war es der letzte Auftritt für Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Keppler. Für den Abschluss hatten sich die Macher viel vorgenommen. Teilweise wirkte „Niedere Instinkte“ wie ein Theaterstück, mit einer ordentlichen Anzahl versteckter Referenzen.

Auf der anderen Seite bediente man sich bei vielen ästhetischen Elementen des modernen Films, viele Szene wurden mit einer schnellen Kamerafahrt eingeläutet, gerne auch mal aus der Luft. Das sah zwar super aus, wirkte aber in der gezeigten Anzahl schon fast anstrengend. Sehenswert blieb er jedoch über die gesamte Spieldauer.

Als Keppler endlich (in Flip-Flops) bei der Arbeit ist, wartet bereits ein besonderer Fall auf ihn und seine Partnerin Eva. Die achtjährige Magdalena Harries ist auf ihrem Schulweg verschwunden, aus einem heruntergekommenen Fußgänger-Tunnel kam sie nicht mehr heraus.

Die Eltern des Mädchens erfuhren erst durch den Anruf der Schule am nächsten Morgen von Magdalenas Verschwinden. Ihre wenige Freizeit verbringen die ultra-religiösen Harries' nämlich eher mit Beten als mit der Betreuung ihres Kindes. Mutter Judith und der taubstumme Vater Matthias gingen davon aus, dass Magdalena selbstständig ins Bett und wieder zur Schule gegangen sei.

Wirklich besorgt waren sie auch nicht: „Meine Tochter kommt zurück, es ist alles Gottes Wille, sie lebt“, sagte Mutter Judith den verdutzten Kommissaren. Im Hinterzimmer beten derweil die Freunde der Familie im Kreis für die Rückkehr der Tochter – alles etwas sehr abgefahren.

Die ziemlich transzendentalen Eltern waren nur ein Aspekt, der diesen „Tatort“-Fall so abgefahren erscheinen ließen. So steigt Keppler sogar zum „Messias“ auf, als er Vater Matthias gestenreich davon abhielt, sich aus Verzweiflung vom Hausdach zu stürzen.

Kommentare zu " Letzter Tatort aus Leipzig: „Fuck you, Medea!“"

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  • volksverblödung mit zwangsgebühren. für so einen programmschrott wird der gebührenzahler zwangsgemolken. die vetterleswirtschaft in diesen sendeanstalten macht es möglich. schlicht grausam. mit geldern die per order de mufti abgegriffen werden können geht man eben nicht sorgsam um. die kohle kommt ja automatisch. ein völlig krankes und ineffizientes system, wie alle zwangssysteme.

  • @Udo Guenner
    Für "dumm verkauft" fühlen sich oft nur die Dummen.

  • Seit Monaten werden die Tatort- Fans mit den neuen folgen regelrecht für dumm verkauft. Dieser Tatort war die Krönung. Eine Zumutung erster Ordnung

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