Nach Missbrauchsvorwürfen Kevin Spacey will sich in Behandlung geben

Rund 30 Jahre ist der mutmaßliche Missbrauchsvorfall zwischen Spacey und Rapp schon her, doch jetzt hat er für den Oscar-Preisträger Konsequenzen: Er will die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen.
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Der Oscar-Preisträger ist eine von mehreren Hollywood-Größen, die sich derzeit mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs konfrontiert sehen. Quelle: dpa
Kevin Spacey

Der Oscar-Preisträger ist eine von mehreren Hollywood-Größen, die sich derzeit mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs konfrontiert sehen.

(Foto: dpa)

Los AngelesOscar-Preisträger Kevin Spacey (58) sucht nach Vorwürfen wegen sexueller Übergriffe therapeutische Hilfe. Der Schauspieler nehme sich „die nötige Zeit für eine Analyse und Behandlung“, sagte ein Sprecher am Donnerstag in einem Statement für US-Medien. Weitere Informationen werde es dazu vorerst nicht geben.

Schauspielkollege Anthony Rapp (46, „Star Trek: Discovery“) und andere hatten Spacey („American Beauty“, „House of Cards“) zuvor der Übergriffe beschuldigt. Spacey ist einer von mehreren Hollywood-Größen, die sich derzeit mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung und des Missbrauchs konfrontiert sehen. Losgetreten wurde die Welle durch Anschuldigungen gegen Filmproduzent Harvey Weinstein, dem mittlerweile mehr als 50 Frauen sexuelle Übergriffe vorwerfen.

Damit reihte sich auch eine anonyme kanadische Schauspielerin ein, die Weinstein und den Disney-Konzern laut Medienberichten wegen eines mutmaßlichen Übergriffs im Jahr 2000 verklagt. Die Walt Disney Company erklärte dem „Hollywood Reporter“ zufolge, dass es „absolut keine rechtliche Grundlage für die Behauptung“ gebe und Disney sich „energisch“ dagegen verteidigen werde. Berichten zufolge forderte die Frau 14 Millionen Dollar (12 Millionen Euro) Schadenersatz.

Die Popsängerin Lana Del Rey kündigte derweil an, ihren Song „Cola“ von 2012 nicht mehr aufzuführen. Sie habe eine Weinstein-artige Figur im Kopf gehabt, als sie den Titel schrieb, sagte sie dem TV-Sender MTV. Sie habe an einen wohlwollenden Mann gedacht, der jungen Stars Diamanten schenkt. „Ich hielt das seinerzeit für witzig, und natürlich finde ich es jetzt sehr traurig“, sagte Del Rey. Der Song enthält unter anderem den Satz: „Ich habe süßen Geschmack für ältere Männer.“

Derweil siegt sich auch Oscar-Preisträger Dustin Hoffman (80) mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert. Die US-Autorin Anna Graham Hunter äußerte in einer Gastkolumne im „Hollywood Reporter“ Beschuldigungen, der Schauspieler habe sie 1985 als 17-Jährige wiederholt belästigt. Sie habe damals am Set des TV-Films „Death of a Salesman“ („Tod eines Handlungsreisenden“) ein Praktikum als Produktionsassistentin gemacht. Ihren Beschreibungen zufolge habe Hoffman sie um eine Massage gebeten, an den Po gegriffen und mehrfach mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt.

So wenden sich Hollywood-Stars angewidert ab
Harvey Weinstein
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Es begann mit einem Bericht der New York Times. Der US-amerikanische Filmproduzent soll über Jahre Frauen sexuell belästigt haben. Da sich die Hinweise mehr und mehr verdichten, wurde Weinstein unlängst von seinem eigenen Filmstudio vor die Tür gesetzt. Der Skandal erschüttert Hollywood. Nicht wenige Schauspieler und Verantwortliche aus dem Business melden sich zu Wort.

Die ersten öffentlichen Stimmen
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Die Schauspielerinnen Rose McGowan (l.) und Ashley Judd sind die ersten Frauen, die als Betroffene ihre Stimme gegen den Hollywoodmogul erheben. Bereits im vergangenen Jahr schrieb McGowan auf Twitter, dass sie von einem damals nicht näher benannten Studiochef vergewaltigt worden sei. Zudem gehöre sie nach Informationen der Times zu einer der insgesamt acht Frauen, denen Weinstein Schweigegeld gezahlt habe. Judd gab demselben Blatt ein Interview, in welchem sie von ihrer „schmutzigen Erfahrung“ mit dem Oscar-prämierten Produzenten erzählt.

„Ich wusste nichts darüber, aber es überrascht mich kein Stück und passt ohnehin zu diesem System.“
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Der Sex-Skandal zieht in Hollywood seine Kreise und trifft bei vielen erschütterten Filmstars nur auf Entrüstung und Unverständnis. So auch bei Schauspielerin Emma Thompson, die sich gegenüber BBC Newsnight äußerte. „Was ich außergewöhnlich finde, ist, dass dieser Mann nur die Spitze eines ganz bestimmten Eisbergs ist. Ich denke nicht, dass man ihn als sexsüchtig bezeichnen könnte; er ist ein Jäger. Aber er sitzt sozusagen auf der obersten Sprosse eines Systems voller Belästigung, Verharmlosung, Mobbing und Beeinflussung.“

„Er ist das Sinnbild eines systembedingten Problems“
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Der aus Kanada stammende Schauspieler Ryan Gosling auf Twitter. „Ich möchte mich den Stimmen der Unterstützung für die Frauen anschließen, die den Mut haben, sich gegen Weinstein auszusprechen. Wie viele Menschen in Hollywood habe auch ich mit ihm zuvor zusammengearbeitet und ich bin von mir selbst tief enttäuscht, dass ich so blind war. [...] Männer sollten zu den Frauen halten und zusammenarbeiten, bis Rechenschaft abgelegt und eine Änderung erreicht wurde.“

„Das darf nicht passieren, es sollte nicht passieren, aber es geschieht in jeder einzelnen Industrie.“
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Schauspielerin und Ehefrau von Ryan Reynolds, Blake Lively, in einem Interview mit dem Hollywood Reporter. „In keiner Form habe ich diese Erfahrung mit Harvey machen müssen und ich denke, wenn den Leuten diese Geschichten zu Ohren gekommen wären ... dann glaube ich doch noch ausreichend an die Menschheit, dass diese Dinge nicht einfach fortgeführt worden wären. [...] Es ist niederschmetternd zu hören. Wenn Menschen ihre Geschichte mit der Öffentlichkeit teilen, gibt es eine Sache, die geschehen muss: Ihnen muss zugehört sowie vertraut werden und man muss sie ernstnehmen.“

„Man kann sich kein ,Oh, na ja, ich bin in den 60er- und 70er-Jahren aufgewachsen, deshalb ...‘ kaufen“
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Tom Hanks nimmt im Interview mit der New York Times Bezug auf Weinsteins anfängliches Statement, in welchem er sein Verhalten mit der Zeit, in der er aufwuchs, begründet. „Auch ich bin in dieser Zeit aufgewachsen. Also denke ich, nun, was verspricht man sich eigentlich von dieser machtvollen Position? Ich kenne eine Menge unterschiedlicher Menschen, die es lieben, auf unter ihnen stehenden Leuten rumzuhacken oder ihnen das Leben schwer zu machen nur weil sie es können ...“

„Es muss für die Frauen angsteinflößend gewesen sein, sich gegen ihn aufzulehnen“
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Der britisch-italienische Schauspieler und Filmproduzent Colin Firth in einem Statement gegenüber dem Guardian. „Es überkommt mich ein gewisser Brechreiz, wenn ich lese, was vor sich ging, während ich von der Unterstützung von Harvey Weinstein profitierte. Er war ein mächtiger und furchterregender Mann, wenn man ihm Paroli bieten wollte. Es muss für die Frauen angsteinflößend gewesen sein, sich gegen ihn aufzulehnen. Und entsetzlich nun mit dieser Art von Belästigung in Verbindung gebracht zu werden. Ich applaudiere ihrem Mut.“

Anfangs habe die Aufmerksamkeit des Stars gemocht, dann aber nicht mehr, schreibt die jetzt 49 Jahre alte Frau. Nun verstehe sie, dass das Verhalten Hoffmans in ein weit verbreitetes Muster passe. „Er war ein Jäger, ich war ein Kind, und das war sexuelle Belästigung“, erklärt Hunter. Hoffman reagierte mit einer Stellungnahme. Er habe „größten Respekt“ für Frauen und er fühle sich schrecklich, dass er die Frau möglicherweise durch sein Verhalten in eine „unangenehme Situation“ gebracht haben könnte. „Dies reflektiert nicht, wer ich bin“, zitierte das Blatt den Schauspieler.

  • dpa
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