Neue Dokumentation: Buffetts weiche Seite

Neue Dokumentation
Buffetts weiche Seite

Ein neuer Film zeigt nicht nur seinen Erfolg als Investor, sondern offenbart auch sein oft schwieriges Verhältnis zu seinen Kindern.
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DüsseldorfWarren Buffett hatte schon früh einen Sinn fürs Geschäft. Schon als kleiner Junge fuhr er mit seinem Fahrrad die Tankstellen Omahas ab und sammelte die Kronkorken ein, die die Kunden nach dem Öffnen ihrer Limo-Flasche liegen ließen. Zu Hause sortierte er sie dann je nach Sorte auseinander, um zu sehen, welche am meisten verkauft wurde. Dann stand seine Entscheidung fest: Er kaufte Coca-Cola-Flaschen im Sechserpack und ging dann von Tür zu Tür, um die Flaschen einzeln wieder zu verkaufen. Damit machte er eine Rendite von 20 Prozent. Es war ein guter Start. Seit dem häufte er mit geschickten Investments ein Vermögen von 74 Milliarden Dollar an und wurde mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zum zweitreichten Mann der Welt.

Doch es ist nur die eine Seite von Warren Buffett – die Seite wofür ihn seine Aktionäre lieben, die über die Jahre mit ihm reich geworden sind. Die andere Seite zeigt nun eine neue Dokumentation. Denn Buffett, der Zahlenmensch, der auch nach Feierabend am liebsten Geschäftsberichte studiert, hatte kaum Zeit für seine Familie und auch nur wenig Interesse für ihre Belange. „Er ist ein Eigenbrötler, gewissermaßen, und es ist schwer mit ihm auf einer emotionalen Ebene eine Verbindung aufzubauen. Er tickt einfach anders“, räumt sein ältester Sohn Howard ein. Seine Schwester Susan pflichtet ihm bei. „Er war zwar physisch zu Hause, aber er war immer oben und hat gelesen“, erinnert sie sich. „Ich habe schnell gelernt, dass man in kurzen, prägnanten Sätzen mit ihm reden muss. Oder – wenn man mal länger seine Aufmerksamkeit brauchte – dann musste man ihm das vorher mitteilen, sonst hat er abgeschaltet und sich wieder einer großen Idee zugewandt, die gerade durchdacht hat.“

„Becoming Warren Buffett“, heißt die Dokumentation, die über eineinhalb Stunden ein differenziertes Bild des legendären Investors abgibt und am Montag auf dem amerikanischen Bezahlsender HBO ausgestrahlt wird. Zwei Jahre lang hat der Filmemacher Peter Kunhardt daran gearbeitet, gemeinsam mit seinen zwei Söhnen. „Er hat nie eine Autobiografie geschrieben und er ist an einem Punkt in seinem Leben, an dem offenbar bereit war für eine nachdenkliche Betrachtung seines Lebens, in der die verschiedenen Aspekte zusammengefügt werden“, sagt Kunhardt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Weil Buffett selbst nur wenig Zeit für Interviews vor der Kamera hatte, erlaubte er Kunhardt sich aus einem Fundus an Familienfotos und –videos zu bedienen, die zuvor noch nie veröffentlicht wurden. In Deutschland soll der Film im Frühjahr ausgestrahlt werden, auf dem Pay-TV-Kanal Sky Atlantic.

Behutsam erzählt die Dokumentation von Buffetts persönlichen Höhen und Tiefen und von der engen Bindung zu seiner verstorbenen Frau Susan. „Es gab zwei Wendepunkte in meinem Leben, als ich geboren wurde und als ich Suzie kennenlernte“, schwärmt Buffett. „Ich war sehr einseitig, sie hat mich ausgeglichen.“ Doch auch Susan Buffett litt darunter, dass sich ihr Mann lieber den ganzen Tag mit Zahlen als mit der Familie beschäftigte. 1977 verließ sie das gemeinsame Haus in Omaha und zog in ihr Traumstadt nach San Francisco. „Ich glaube nicht, dass er wusste, was sie die meiste Zeit gemacht hat“, erinnert sich seine Tochter, die nach ihrer Mutter benannt ist. Dennoch blieben sie bis zu Susans Tod im Jahr 2004 verheiratet, sahen sich gelegentlich. Bekannten zufolge blieben sie stets gute Freunde.

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Buffetts weiche Seite

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Buffett kennt seine Schwächen

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