Oscar-Hoffnung Maren Ade
Perfektionistin und Expertin für Skurriles

Die Regisseurin und Produzentin ist Deutschlands große Hoffnung auf der diesjährigen Oscar-Verleihung. Ins Rennen geht sie mit dem Film „Toni Erdmann, eine Tragikomödie, die bereits vielfach ausgezeichnet worden ist.
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DüsseldorfMan würde ja jetzt schon gern wissen, was aus diesem unansehnlichen künstlichen Gebiss geworden ist. Jenes Gebiss, das „Toni Erdmanns“ Auftritte in der Bukarester Beraterszene in ihrer Skurrilität erst perfekt gemacht hat. Jenes Gebiss, das Maren Ade einst nach einer Premiere von „Austin Powers“ als Werbegeschenk mit nach Hause brachte.

Ob die Regisseurin das Gebiss vielleicht als Glücksbringer eingesteckt hat, als sie sich auf den Weg zur Oscar-Verleihung im Dolby Theater in Los Angeles gemacht hat? Nun, man kann sie leider nicht danach fragen, denn Ade hat sich schon vor vielen Wochen, als das mit der Oscar-Nominierung ihrer Tragikomödie „Toni Erdmann“ für den besten nicht-englischsprachigen Film noch gar nicht klar war, eine Interviewpause verordnet. Das klingt aus ökonomischer Perspektive erst mal schräg.

Wann, wenn nicht jetzt, wäre der bessere Zeitpunkt, sich ins Rampenlicht zu rücken und zu vermarkten? Wenn alle Welt über diesen so urkomischen und zugleich ergreifend traurigen Film „Toni Erdmann“ spricht, in dem ein pensionierter Alt-68-er-Lehrer (gespielt von Peter Simonischek) die erfolgreiche Beraterkarriere seiner ehrgeizigen Tochter (Sandra Hüller) stört und Ade die ganze Arroganz der Beraterszene in ihrer absurdesten Form lächerlich macht?

Aber nein, dieser Rückzug ist keine Inszenierung. Er passt perfekt zu Ade, die noch während ihres Studiums an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (FFH) mit einer Kommilitonin die Produktionsfirma „Komplizen Film“ gründete und heute mit dem Regisseur Ulrich Köhler und ihren zwei Kindern in Berlin lebt. Auch bei Premieren und Pressekonferenzen hält sich die 40-Jährige lieber am Rand auf, rückt die Leistung ihres Teams in den Vordergrund.

Ihr geht es um den guten Film, nicht um den roten Teppich. Ist ein Film abgedreht, lässt sie sich manchmal mehrere Jahre Zeit, den nächsten Filmstoff zu finden und umzusetzen. Sie ist eine Perfektionistin und keine Effekthascherin, das erkennt auch jeder, der auch nur einen ihrer Filme gesehen hat: Ade setzt ihre widersprüchlichen Protagonisten – das ist bei „Toni Erdmann“ so wie auch bei früheren, preisgekrönten Werken – mit einer Genauigkeit in Szene, die auf der Leinwand leicht und spontan wirkt.

Aber leicht ist das überhaupt nicht, wie Ade selbst einmal erklärte: „Vieles ist wirklich richtige Detailarbeit, anstrengende Schauspielarbeit, damit das so wirkt.“ Der Schauspieler Lars Eidinger hielt 2015 die Laudatio, als Ades Produktionsfirma „Komplizen Film“ mit dem Preis der DEFA-Stiftung für herausragende Leistungen im deutschen Film ausgezeichnet wurde.

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„Da kommt es auf jede Geste, jeden Halbsatz an.“

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