Sein oder Nichtsein? Und das alles für Benedict

Von der hohen Kunst des Schlangestehens und schläfrigen „Cumberbitches“ – was Verehrer des Schauspielers Benedict Cumberbatch auf sich nehmen, um ihn in London als Hamlet auf der Bühne zu sehen. Ein Erfahrungsbericht.
Im Londoner Barbican-Theater gibt Benedict Cumberbatch den Hamlet. Quelle: Reuters
Sein oder Nichtsein?

Im Londoner Barbican-Theater gibt Benedict Cumberbatch den Hamlet.

(Foto: Reuters)

LondonJa, ich gebe es zu. Mein Vorhaben hatte auf den ersten Blick wahrscheinlich etwas Überoptimistisches, vielleicht geradezu Naives. Ich wollte mir am Wochenende Benedict Cumberbatch, den schrulligen Sherlock-Holmes-Darsteller, als Dänenprinz Hamlet auf der Bühne des Londoner Barbican-Theater anschauen und dafür keine Unsummen ausgeben.

Alle Vorstellungen bis Ende Oktober sind im Prinzip schon seit Monaten ausverkauft – trotz der eher durchwachsenen Kritiken. Und für die jeweils 30 Tickets, die das Theater täglich noch aktuell auf den Markt bringt, sowie für die Eintrittskarten, die am Tag der Vorstellung kurzfristig zurückgegeben werden, standen Cumberbitches – wie die ergebenen Verehrerinnen des Schauspielers genannt werden – die halbe Nacht Schlange und kampierten vor dem Theater. Zumindest hatten Twitter und britische Zeitungen Anfang August darüber berichtet, als Cumberbatch seine ersten Vorstellungen als Hamlet gab. Angeblich wechselten einige Tickets für die ersten Aufführungen auch für vierstellige Summen die Besitzer.

Ich hab mir gedacht, die Aufregung muss sich doch inzwischen gelegt haben – einen Monat nach der Premiere. Vor dem Barbican kampieren wollte ich für Benedict nicht. Nur eines kam für mich in Frage: Mich etwas in der hohen britischen Kunst des Schlangestehens zu üben.

Katharina Slodczyk

Katharina Slodczyk arbeitet seit 2009 im Londoner Büro des Handelsblatts.

Gegen neun Uhr am Samstagmorgen bin ich daher zum Barbican geradelt. Um neun Uhr macht das Kulturzentrum täglich auf, die Hamlet-Tickets werden allerdings erst ab 10.30 Uhr verkauft. Auf etwas Wartezeit hatte ich mich daher vorbereitet und eigentlich schon gedacht, dass ich bei meinem Zeitplan eine gute Chance auf eine der 30 günstigen 10-Pfund-Eintrittskarten haben müsste.

Doch nichts da. Als ich gegen 9.15 Uhr ankam, war dort schon eine Schlange von mindestens 50 Leutchen, die teilweise zwei Eintrittskarten haben wollten. Die Ersten, darunter zwei Italienerinnen, hatten sich wirklich kurz vor vier Uhr morgens vor die Tür gestellt oder gelegt. „Die Schlafsäcke haben wir billig im Decathlon gekauft und uns einfach eine Nacht im Hotel gespart“, erzählte Laura aus einem Städtchen in der Nähe von Mailand einige Stunden später.

Ja, es sei etwas regnerisch und eher ungemütlich gewesen, gibt sie zu, bevor sie um neun Uhr morgens ins Innere des Barbican umziehen konnten. Und eine Toilette hätten sie und ihre Freundin zwischendurch auch vergeblich gesucht, weil alle Restaurants und Kneipen in der Nähe des Barbican zu gewesen seien. Aber was soll's? Wann bekäme man schon die Gelegenheit, Cumberbatch live zu erleben?

Hollywood schlägt Bollywood nur knapp
15. Platz: Daniel Craig
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Der aktuelle James Bond verdiente im vergangenen Jahr 27 Millionen US-Dollar. Erstmals wurden in dem Forbes-Ranking auch Schauspieler berücksichtigt, die in diesem Jahr nicht in amerikanischen Filmen mitspielten.

15. Platz: Chris Hemsworth
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Chris Hemsworth verdiente genauso viel wie James Bond: Mit 27 Millionen Dollar kann er sich den Rotwein schmecken lassen. Die 34 aufgeführten Schauspieler stammen laut „Forbes“ aus sieben verschiedenen Ländern. In der jährlich erscheinenden Liste werden nur männliche Darsteller berücksichtigt.

13. Platz: Channing Tatum
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Tatum begann seine Karriere 2000 als Tänzer in Ricky Martins Musikvideo zum Song „She Bangs“. Damals konnte noch keiner ahnen, dass er im vergangenen Jahr 29 Millionen verdienen würde. Die Schätzungen des Wirtschaftsmagazins basieren auf Daten des Marktforschungsunternehmens „Nielsen“ und von zwei Film-Webseiten, sowie auf Befragungen von Agenten, Managern, Anwälten und den Schauspielern selbst.

13. Platz: Leonardo di Caprio
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Di Caprio stellt in seinen Filmen häufig Personen der Vergangenheit und Gegenwart dar. Für seine Rollen als Flugpionier Howard Hughes in „Aviator“ und Börsenmakler Jordan Belfort in „The Wolf of Wall Street“ wurde er 2005 und 2014 mit dem Golden Globe Award ausgezeichnet. Di Caprio verdiente im vergangenen Jahr 29 Millionen Dollar.

12. Platz: Johnny Depp
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In seiner Paraderolle als Jack Sparrow in „Der Fluch der Karibik“ begeisterte Johnny Depp ein Milliardenpublikum. Kein Wunder, dass er in der Liste der reichsten Schauspieler weltweit nicht fehlen darf. 2014 verdiente er 30 Millionen Dollar – und verwies etliche Kollegen auf die hinteren Plätze des Rankings.

Platz 2: Dwayne Johnson
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Der mit seinem markanten Lächeln beinahe alles überstrahlende Kalifornier schien mit einem Verdienst von 65 Millionen Dollar auf dem besten Wege, um die Spitze dieser Liste verteidigen zu können. Durch Rollen in der Neuauflage von „Baywatch“ und dem achten Teil der „Fast & Furious“-Reihen begeisterte er ein Millionenpublikum. Dennoch wurde der einstige Wrestler von einem einstigen Rapper geschlagen.

Platz 1: Mark Wahlberg
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Der in einem Problemviertel von Boston geborene Wahlberg hatte eine schwierige Kindheit. Durch zahlreiche kriminelle Handlungen kam er in seiner Jugendzeit häufiger mit dem Gesetz in Konflikt, saß im Gefängnis, brach die High School ohne Abschluss ab. Ebenso stieg er noch in der Gründungsphase der später Milliarden umsetzenden Teenieband „New Kids on the Block“ vorzeitig aus. Bandmitglied und Bruder Donnie Wahlberg verhalf Mark zu einem eigenen Musikprojekt – „Marky Mark and the Funky Bunch“. Von der Musik ging es dann zum Schauspiel und letztlich nach Hollywood. Filme wie „Deepwater Horizon“ und „Boston“ waren kommerziell zwar nur knapp kein Flop, spülten dem 46-Jährigen allerdings einige Millionen in die private Kasse. Die erfolgreiche Reality-Show „Wahlburgers“ – eine Serie über eine gleichnamige Fast-Food-Kette der Familie – und der Werbevertrag mit AT&T tun in diesem Jahr ihr Übriges. Jahressalär: rund 68 Millionen Dollar.

Ein paar andere Touristen haben es ähnlich gemacht und sich schon lange, bevor das Barbican seine Türen öffnete, in die Schlange gestellt – teilweise allerdings ohne einen wärmenden Rucksack. Lisa, eine Studentin aus den USA, und ihr Freund versuchen sich daher an einem Kaffee zu wärmen. „Wir haben uns den Wecker gestellt, um gegen sechs Uhr früh hier zu sein, haben es damit aber leider nicht mehr ganz vorn in die Schlange geschafft“, erzählt sie. Sie hat dennoch deutlich bessere Chancen als ich, eines der Billig-Tickets zu ergattern.

Hamlet ohne viel Geschrei
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