Sein oder Nichtsein?
Und das alles für Benedict

Von der hohen Kunst des Schlangestehens und schläfrigen „Cumberbitches“ – was Verehrer des Schauspielers Benedict Cumberbatch auf sich nehmen, um ihn in London als Hamlet auf der Bühne zu sehen. Ein Erfahrungsbericht.

LondonJa, ich gebe es zu. Mein Vorhaben hatte auf den ersten Blick wahrscheinlich etwas Überoptimistisches, vielleicht geradezu Naives. Ich wollte mir am Wochenende Benedict Cumberbatch, den schrulligen Sherlock-Holmes-Darsteller, als Dänenprinz Hamlet auf der Bühne des Londoner Barbican-Theater anschauen und dafür keine Unsummen ausgeben.

Alle Vorstellungen bis Ende Oktober sind im Prinzip schon seit Monaten ausverkauft – trotz der eher durchwachsenen Kritiken. Und für die jeweils 30 Tickets, die das Theater täglich noch aktuell auf den Markt bringt, sowie für die Eintrittskarten, die am Tag der Vorstellung kurzfristig zurückgegeben werden, standen Cumberbitches – wie die ergebenen Verehrerinnen des Schauspielers genannt werden – die halbe Nacht Schlange und kampierten vor dem Theater. Zumindest hatten Twitter und britische Zeitungen Anfang August darüber berichtet, als Cumberbatch seine ersten Vorstellungen als Hamlet gab. Angeblich wechselten einige Tickets für die ersten Aufführungen auch für vierstellige Summen die Besitzer.

Ich hab mir gedacht, die Aufregung muss sich doch inzwischen gelegt haben – einen Monat nach der Premiere. Vor dem Barbican kampieren wollte ich für Benedict nicht. Nur eines kam für mich in Frage: Mich etwas in der hohen britischen Kunst des Schlangestehens zu üben.

Gegen neun Uhr am Samstagmorgen bin ich daher zum Barbican geradelt. Um neun Uhr macht das Kulturzentrum täglich auf, die Hamlet-Tickets werden allerdings erst ab 10.30 Uhr verkauft. Auf etwas Wartezeit hatte ich mich daher vorbereitet und eigentlich schon gedacht, dass ich bei meinem Zeitplan eine gute Chance auf eine der 30 günstigen 10-Pfund-Eintrittskarten haben müsste.

Doch nichts da. Als ich gegen 9.15 Uhr ankam, war dort schon eine Schlange von mindestens 50 Leutchen, die teilweise zwei Eintrittskarten haben wollten. Die Ersten, darunter zwei Italienerinnen, hatten sich wirklich kurz vor vier Uhr morgens vor die Tür gestellt oder gelegt. „Die Schlafsäcke haben wir billig im Decathlon gekauft und uns einfach eine Nacht im Hotel gespart“, erzählte Laura aus einem Städtchen in der Nähe von Mailand einige Stunden später.

Ja, es sei etwas regnerisch und eher ungemütlich gewesen, gibt sie zu, bevor sie um neun Uhr morgens ins Innere des Barbican umziehen konnten. Und eine Toilette hätten sie und ihre Freundin zwischendurch auch vergeblich gesucht, weil alle Restaurants und Kneipen in der Nähe des Barbican zu gewesen seien. Aber was soll's? Wann bekäme man schon die Gelegenheit, Cumberbatch live zu erleben?

Ein paar andere Touristen haben es ähnlich gemacht und sich schon lange, bevor das Barbican seine Türen öffnete, in die Schlange gestellt – teilweise allerdings ohne einen wärmenden Rucksack. Lisa, eine Studentin aus den USA, und ihr Freund versuchen sich daher an einem Kaffee zu wärmen. „Wir haben uns den Wecker gestellt, um gegen sechs Uhr früh hier zu sein, haben es damit aber leider nicht mehr ganz vorn in die Schlange geschafft“, erzählt sie. Sie hat dennoch deutlich bessere Chancen als ich, eines der Billig-Tickets zu ergattern.

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Hamlet ohne viel Geschrei

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