Skandalfilm: „The Interview“ kommt in die deutschen Kinos

Skandalfilm
„The Interview“ kommt in die deutschen Kinos

Hacker-Angriffe, diplomatische Spannungen und zahlreiche Verschwörungstheorien. Die Satire „The Interview“ hat für Gesprächsstoff gesorgt, noch bevor der Film überhaupt zu sehen war. Nun kommt er in die deutschen Kinos.
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BerlinSo etwas hat es in der Filmgeschichte wohl noch nie gegeben: Eine ziemlich klamaukige Komödie führt zu politischen Spannungen und beherrscht damit tagelang die internationalen Nachrichten. Der Medienkonzern Sony zog schließlich die Reißleine und stoppte im Dezember den geplanten US-Start der Satire „The Interview“, der von einem fiktiven Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un erzählt. Angeblich hatte es Terrordrohungen aus Pjöngjang gegeben.

Doch so schnell, wie der Skandal hochkochte, so schnell schien er auch wieder abzuebben – in den USA war „The Interview“ dann doch noch vor Weihnachten zu sehen und kommt nun auch wie ursprünglich geplant am Donnerstag (5. Februar) in die deutschen Kinos.

Ob sich etwas durch die Ereignisse in Nordamerika bei uns geändert hat? Ob der Film in weniger Kinos starten wird als einst angedacht? Dazu sagt Sony Deutschland auch auf Nachfrage nichts. Von den großen Kinoketten ist ebenfalls kaum mehr zu erfahren. „Natürlich haben wir die Berichterstattung in den USA verfolgt und wie der Film dort zu einem Symbol für Meinungsfreiheit wurde“, erklärt etwa Oliver Fock, Cinestar-Geschäftsführer. Und: Man habe sich dazu entschlossen, „The Interview“ zu zeigen.

Wer nach diesem Wirbel eine hochpolitische Satire erwartet, wird allerdings enttäuscht. Denn das ist „The Interview“ nicht – will es aber auch nicht sein. Stattdessen inszenieren die Regisseure Evan Goldberg und Seth Rogen eine kurzweilige Groteske, die immer wieder ins Klamaukige abgleitet. Kein Wunder: Der 32-jährige Rogen, der noch am Drehbuch mitschrieb und neben Hollywoodstar James Franco eine der Hauptrollen übernahm, ist als Komiker und Schauspieler von Komödien wie „Bad Neighbors“ bekannt.

So ist dann auch die Geschichte von „The Interview“ mit ihren absurden Wendungen durchaus unterhaltsam: Zwei US-Journalisten (Franco und Rogen) erhalten die Chance, Kim in Nordkorea zu interviewen. Der Geheimdienst CIA wittert seine Chance und bittet die beiden, den Diktator bei der Gelegenheit umzubringen – doch das läuft gehörig schief und die beiden Journalisten stolpern durch das Chaos. Dabei freundet sich Dave (Franco) mit dem einsamen Kim an, entdeckt Parallelen wie einen lieblosen Vater und die Vorliebe für Popstar Katy Perry.

Spannend ist dabei allerdings, dass „The Interview“ auch Wahres anspricht. Nicht nur Kim-Darsteller Randall Park sieht dem Machthaber täuschend ähnlich. Es geht auch um Kims Atomwaffentests, die hungernde Bevölkerung und die Entfernung ungeliebter Kritiker. Das spricht „The Interview“ zwar fast beiläufig an, und doch ist bemerkenswert, wie hier fiktive Groteske und realer Wahnsinn miteinander verschwimmen.

Allerdings wird das einer der Gründe sein, weswegen Nordkorea sich so gegen die Verbreitung dieses Films gewehrt hat. Die Verunglimpfung ihres Machthabers, die Degradierung zur Witzfigur, das mögen andere Staaten zähneknirschend hinnehmen. Nordkorea aber nicht. Wie sonst kann man sich diese Reaktionen erklären?

Nach einem Hacker-Angriff im November waren zuerst große Teile des firmeninternen Netzwerks von Sony lahmgelegt worden. Die US-Regierung machte später Nordkorea für den Datendiebstahl verantwortlich. Pjöngjang wies das zurück, drohte aber mit Konsequenzen, sollte „The Interview“ zu sehen sein. In den US-Kinos startete der Film dann zwar ohne Zwischenfälle. Dennoch soll das Debakel für Sony um den rund 44 Millionen Dollar teuren Film Medienberichten zufolge ein millionenschwerer Verlust sein.

Da scheint auch das sehr gute Internetgeschäft mit US-Streaming-Diensten, die den Film online verkaufen, wenig zu helfen. Und doch bleibt bei all dem ein Erfolg bestehen: Die Eskalationen haben „The Interview“ eine enorme Aufmerksamkeit verschafft, die die Komödie sonst sicher nie bekommen hätte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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