Star-Regisseur Wedel wird 75
Ein Querdenker mit kreativer Energie

Dieter Wedel hat mit seinen Mehrteilern Fernsehgeschichte geschrieben. Mittlerweile ist er am Theater erfolgreich. Auch wenn er nun 75 Jahre alt wird - er ist noch lange nicht müde. Die nächsten Projekte warten schon.
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Bad Hersfeld Es ist verblüffend: Dieter Wedel arbeitet mit den berühmtesten Schauspielern und Branchen-Größen, aber vergisst manchmal ihre Namen. „Ach, wie heißt der noch gleich?“ – es will dem Star-Regisseur dann im Gespräch partout nicht einfallen. Doch krumm nehmen ihm das wohl nur wenige. In einer Welt, in der alles perfekt sein muss, macht ihn diese Eigenart sympathisch. Am 12. November wird Wedel 75 Jahre alt.

Berühmt machen Wedel seine Mehrteiler im Fernsehen. Mit spannenden Storys lockte er erst ein Millionen-Publikum vor die TV-Geräte und heimste reihenweise Auszeichnungen ein. Nach seinen Frühwerken startet Wedel in den 1990er Jahren durch. Ein Erfolg jagt den nächsten: „Der große Bellheim“ (1993), „Der Schattenmann“ (1996), „Der König von St. Pauli“ (1998) und „Die Affäre Semmeling“ (2002). Wedel arbeitet mit den deutschen Schauspiel-Stars.

Nach seiner Fernsehzeit zieht es Wedel zurück zur Schauspielbühne, wo für den promovierten Theaterwissenschaftler aus Frankfurt alles begann. Er führt Regie bei den Nibelungenfestspielen Worms (2002/2003), übernimmt von 2004 bis 2014 die Intendanz dort. Dann wechselt er im Herbst 2014 zu den Bad Hersfelder Festspielen. Unter seiner Intendanz hebt er das Freilicht-Theaterfestival auf ein neues Qualitäts- und Bekanntheitslevel.

Wedel ist als Intendant nicht nur fürs Gesamtkunstwerk zuständig. Er eröffnet die Festspiele auch stets mit eigenem Stück. In diesem Sommer präsentierte er eine von der Kritik hochgelobte Inszenierung über den Kirchen-Reformer, der 2017 in aller Munde ist. Titel: „Martin Luther – der Anschlag.“ Noch bevor die Schauspieler-Namen bekanntgegeben wurden, waren die Vorstellungen ausverkauft.

Wedel ist in der Branche hoch geachtet. Holk Freytag, sein Vorgänger als Intendant in Bad Hersfeld, sagt: „Er hat Fernsehgeschichte geschrieben und gehört zu den besten Fernsehautoren in Deutschland.“ Nico Hofmann, Ufa-Chef und Intendant der Festspiele in Worms, sagt: „Er ist ein Mann mit einer unglaublichen kreativen Energie, auch mit großer Jugendlichkeit.“ Und er sei „auf tolle Weise ein Querdenker“.

Im Interview spricht Wedel über seine Karriere, seine Lieblingsschauspielerinnen, seine Kinder und darüber, warum er sich als junger Mann mal drei Jahre älter gemacht hat.

Herr Wedel, Sie werden am 12. November 75. Ein besonderer Geburtstag?
Jeder Geburtstag ist ein Grund zum Feiern. Aber der 75. ist wie jeder andere. Das Alter sagt nichts über den Kilometerstand aus. Ich fühle mich jünger und nicht am Lebensabend angekommen.

Aber das Alter verändert doch einen Menschen?
Meine Haare sind dünner geworden. Weil sie gelockt sind, ist das aber nicht so gravierend. Es schafft bei aller Eitelkeit auch eine große Freiheit, wenn man weiß: Ich muss ja nix mehr werden.

Wie feiern Sie Ihren Geburtstag?
Wie immer auf Mallorca. Freunde werden mich in meiner Penthousewohnung besuchen. Wir haben einen wunderbaren Blick aufs Meer in Port Andratx.

Was ist Ihr größter Wunsch?
Gesund bleiben. Ich möchte auch die Neugier und die Liebenswürdigkeit nicht verlieren. Das ist doch die Angst von uns allen, wenn wir älter werden, dass wir nicht mehr der „Liebe würdig sind“, weil wir hässlich, unansehnlich und auch unbedeutend werden. Aber ich habe das Privileg, noch arbeiten zu können und zu dürfen.

Berühmt wurden Sie als Fernseh-Regisseur. Aktuell arbeiten sie als Festspiel-Intendant. Wieso ausgerechnet in Bad Hersfeld?
Das ist ein toller Spielort. Die Stiftsruine ist eine schlafende Schönheit. Sie musste nur wachgeküsst werden. Wir haben die Festspiele nach vorne gebracht. Das möchte ich fortsetzen. Das ist mir mittlerweile wichtiger geworden, als ich anfangs dachte.

Neben der Intendanz führen Sie auch Regie beim Eröffnungsstück des Theaterfestivals. Was treibt Sie an?
Ich habe das Glück, an meinem Beruf Spaß zu haben. Ich kann mich selbstverwirklichen. Ich lese immer, ich sei ein Workaholic. Das stimmt aber nicht. Wenn es Spaß macht, ist es ja keine Arbeit.

Werden Sie gar nicht müde?
Ich habe nicht den Eindruck, müder geworden zu sein. Die Neugier und Lust auf Neues lebt. Wenn sie nicht mehr da ist, höre ich auf. Bei meinen Proben im Sommer habe ich festgestellt: Ich war noch voll dabei, und die anderen wollten mal 'ne Pause machen.

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