„Tatort“ aus Dresden Der abgründige Fall eines Kindsmörders

Ein Kind wird entführt, missbraucht und getötet. Der bisher härteste Fall für die Dresdner „Tatort“-Ermittler ist kein Psychogramm eines Pädophilen. Allerdings mit neuer Regiehandschrift.
Update: 28.01.2018 - 16:07 Uhr Kommentieren
Der neue Fall geht dem „Tatort“-Duo aus Dresden an die Nieren. Quelle: dpa
Kommissarinnen Sieland und Gorniak

Der neue Fall geht dem „Tatort“-Duo aus Dresden an die Nieren.

(Foto: dpa)

DresdenZwischen Idylle und Hölle liegen nur Sekunden. Dem ersten Bild folgt eines, das die Ermittler im neuen Dresden-„Tatort“ emotional bis zum Äußersten fordert. Für Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) ist das Verschwinden des acht Jahre alten Rico außerdem eine persönliche Sache, die auch den beiden Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) emotional alles abverlangt. Der spannend und klar inszenierte fünfte Fall des sächsischen „Tatort“-Teams wird an diesem Sonntag (28. Januar, 20:15 Uhr) unter dem Titel „Déjà-vu“ im Ersten ausgestrahlt.

Ein blonder Junge läuft fröhlich über eine Sommerwiese, eine Frau schreit panisch „Rico“ durch den Park: Der Junge ist wie vom Erdboden verschluckt. Schnabel treibt es bei der Nachricht den Schweiß auf die Stirn, nicht nur wegen der Hitze. „Der taucht schon wieder auf“, meint Sieland lakonisch. Die nächste Szene lässt ahnen, dass sie sich irrt: In einem Altbau wird eine offenbar schwere Sporttasche durch den Hausflur getragen, aus der es tropft.

Sie wird wenig später in der Elbe gefunden – darin der vermisste Junge, in Unterhose. Sieland muss sich übergeben, ihre Kollegin behält mühsam die Fassung und Rechtsmediziner Falko Lammert (Peter Trabner) reagiert extrem dünnhäutig auf die Fragen nach Todesursache, -zeit und -umständen. Das Kind, betäubt und sexuell missbraucht, ist ertrunken, aber nicht im Fluss. „Als Rico in die Sporttasche gepackt wurde, war er schon nicht mehr bei Bewusstsein“, sagt Lammert tonlos.

„Perverses Arschloch“, „das Schwein“, „Mistkerl“ heißt es schnell über den Täter. Die Suche nach ihm ist schwierig, vermeintliche Spuren sind kalt, die Folgen der Irrwege dramatisch. Der Fall reicht auch bis ins Privatleben der Kommissarinnen: Gorniak misstraut ihrem halbwüchsigen Sohn, Sieland ist gelähmt von einer Hiobsbotschaft. Angst schürende Medien, eine aufgebrachte Öffentlichkeit und die Kritik an der Arbeit der Polizei sitzen ihnen im Nacken, und auch bei ihrem Chef liegen die Nerven blank.

In der alten Ermittlungsakte zum Fall Jakob findet Sieland endlich die Spur zum Täter, der sein nächstes Opfer schon gefunden hat – beobachtet vom Publikum. „Der Film soll kein Psychogramm eines pädophilen Kindermörders sein“, sagt Regisseur Dustin Loose. Vielmehr zeigt er den Alltag eines attraktiven, charmanten jungen Mannes mit Job und Beziehung, der seine Abgründe gut versteckt.

Auch die Freundin kennt seinen Hang zu Kindern. „Es geht auch um die Grenzen von Mitwissen zur Mittäterschaft“, sagt Loose. Die Menschen im Umfeld der Täter, die wegschauten, kämen ja meist straffrei davon. „Das hat mich erschüttert, aber neben der Emotionalität, Wucht und Heftigkeit auf allen Seiten als Filmemacher gereizt.“ Gerade im Sinne der Opfer verzichtet er auf künstliche Distanz, auch wenn der Anblick des toten, fast nackten Jungen in der Sporttasche ein kaum auszuhaltendes Bild ist. „Weggeguckt wird genug“, sagt der 31-Jährige.

Die Freundin des Täters verdrängt böse Vorahnungen, bis sie ihren René zu Hause erwischt – mit offener Hose vor einem betäubten Kind kniend. „Du hast es mir versprochen“, presst sie hervor, wie eine enttäuschte Mutter mit Tränen in den Augen. Den leblosen Jungen auf ihrem Sofa ignoriert sie. Der Showdown in der perfekt durchgestylten Wohnung offenbart die Abnormität der Beziehung hinter der bürgerlichen Fassade: Sex gab es nur, wenn sie die Geschichte von einem nackten Jungen an einem Waldsee erzählte.

Neue Staffel, neue Fälle, neue Kommissare
„Virus“
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Nach zehn Wochen Sommerpause gibt es am Sonntag (27.8.) um 20:15 Uhr im Ersten wieder einen neuen „Tatort“. Der erste Fall der neuen Saison kommt vom Wiener Team und heißt „Virus“. In der Woche drauf ist bereits wieder eine Erstausstrahlungspause angesagt: Das Erste der ARD zeigt das TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. Was ist in der „Tatort“-Saison 2017/18 eigentlich zu erwarten?

„Stau“
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Der Stuttgart-„Tatort“ profiliert sich zum Beispiel: In der aufwendig mit Computertechnik produzierten Folge „Stau“ (10. September) von Dietrich Brüggemann ermitteln die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller und Felix Klare) unter Zeitdruck in einem Verkehrsstau, in dem sich der Täter noch befinden muss.

„Zwei Leben“
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Das Schweizer Team kommt am 17. September wieder. Im Krimi „Zwei Leben“ mit den Ermittlern Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser und Delia Mayer) knallt einem Fernbusfahrer ein Mann in die Windschutzscheibe. Am Bundestagswahlsonntag (24. September) ist dann eine Woche später im Ersten kein neuer „Tatort“ im Programm.

„Goldbach“
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Am 1. Oktober startet das neue Schwarzwald-Team des SWR als Nachfolger des Bodensee-„Tatorts“. Die Ermittler Franziska Tobler und Friedemann Berg (Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner) bekommen es in ihrem ersten Fall („Goldbach“) von Regisseur Robert Thalheim mit einem erschossenen Kind im Wald zu tun. Danach sind die Termine im Ersten noch nicht alle hundertprozentig klar, aber eine Menge Filme angekündigt.

„Zurück ins Licht“
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Im Krimi „Der Rote Schatten“ (15. Oktober) von Dominik Graf werden beispielsweise die Stuttgarter Kommissare mit der RAF-Vergangenheit konfrontiert. Der viertletzte Bremer „Tatort“ mit Inga Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel und Oliver Mommsen), „Zurück ins Licht“, steht dann wohl am 22. Oktober an. Im Februar wurde angekündigt, dass 2019 Schluss ist mit dem aktuellen Bremen-Team.

„Fürchte dich“
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Das Frankfurter „Tatort“-Team Janneke und Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) kommt mit zwei Folgen in dieser Saison – bereits klar ist laut HR das Sendedatum 29. Oktober für den Gruselfilm „Fürchte dich“ – ein zu Halloween passender Krimi im Edgar-Wallace-Style.

„Gott ist auch nur ein Mensch“
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Im November kommt dann ein neuer Krimi mit dem beliebtesten Team, dem skurrilen Duo aus Münster. Kommissar Thiel und Prof. Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) tauchen in dem Krimi „Gott ist auch nur ein Mensch“ in die Welt der Kunst ein, nachdem sich ein Werk des Aktionskünstlers G.O.D. als echte Leiche entpuppt hat.

Ein Foto von dem Ort mit Anfahrtskarte findet sich auf dem Handy des Täters, unter Hunderten Bildern blonder Jungen – darunter Rico und Jakob in der Badewanne. In strömendem Regen steht Schnabel wenig später dort, während Taucher Jakobs Leiche aus dem Wasser holen. „Zwei Fälle gelöst, einer verhindert“, resümiert Schnabel erleichtert und traurig zugleich.

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