Tatort aus Stuttgart
Mordmotiv Stuttgart 21

Der Stuttgarter Tatort soll sich mehr an den Themen der Schwabenmetropole orientieren – Ziel erfüllt. Im gestrigen Fall „Der Inder“ war das Stuttgart 21. Es ist das Streitthema schlechthin – und sogar ein Mordmotiv.
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DüsseldorfSeit längerem schon soll der Stuttgarter „Tatort“ schwäbischer werden: „Die großen Themen der Stadt sollen stärker in die Reihe integriert werden“, kündigte SWR-Fernsehdirektor Christoph Hauser an. Mit dem gestrigen Fall „Der Inder“ starten die Kommissare Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller) passenderweise mit einem Streitthema durch, dass die Schwabenmetropole politisch fast zerrissen hätte und sogar den Begriff „Wutbürger“ hervorbrachte: Stuttgart 21.

Ob bei der Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ist bis heute umstritten. Fakt ist: Das Projekt kostet Millionen von Euro, und der Nutzen ist mehr als fraglich – der ICE aus Frankfurt braucht durch die neue Strecke künftig sage und schreibe 14 Minuten weniger. Dieses Konfliktprojekt, das die Schwaben mittlerweile seit Jahrzehnten bewegt, war die Vorlage für einen Politkrimi des Stuttgarter Tatort-Ensembles.

Der ehemalige Staatssekretär im Bauministerium Jürgen Dillinger wird tot im Pfaffenhausener Wald aufgefunden, niedergestreckt mit drei präzisen Schüssen in die Brust. Am Morgen wurde er noch im Untersuchungsausschuss des Landtags verhört.

Dillinger war mitverantwortlich für das umstrittene Gleisdreieck-Projekt: Auf dem durch Stuttgart 21 freigewordenen Areal sollte eine visionäre neue Siedlung entstehen, mit hochpreisigen Wohnungen, Schulen und Parkanlagen.

Doch es gab Schwierigkeiten mit den Baugenehmigungen, der indische Investor entpuppte sich als Hochstapler und das Projekt scheiterte. Millionen Euro einer Landesbürgschaft versickerten irgendwo in den Taschen korrupter Politiker und Bauherren.

„Der Inder“ wird als klassischer Politkrimi aufgezogen, mit allerhand Zeitsprüngen. Immer wieder macht die Handlung einen Satz in die Vergangenheit und zeigt Mordopfer Dillinger im Untersuchungsausschuss oder Verhöre mit Beteiligten. Das mag am Anfang noch spannend wirken, wird danach aber sehr schnell sehr verwirrend, da nicht sofort klar wird, an welcher Stelle der Handlung man sich nun befindet.

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Mordmotiv Stuttgart 21

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Und wer war nun der Mörder?

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  • Ein kleine Ungenauigkeit ist Ihnen in dem Artikel unterlaufen: Umstritten ist vom Projekt S21 in Stuttgart nur der Tiefbahnhof. Die Fahrzeitverkürzung von 14 Minuten für den ICE verursacht aber die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm, die unabhängig vom Tiefbahnhof - auch unter dem Label Stuttgart 21 - geplant wurde und gebaut wird. Der Tiefbahnhof verschlechtert sogar den bundesweiten ICE-Verkehr, weil er mit seinen 8 Durchgangsgleisen nicht die für den bundesweiten Taktverkehr nötigen Reserven hat - denn er kann 30% weniger Züge bewältigen als der bestehende Kopfbahnhof (der mit seinen 17 Gleisen der zweitpünktlichste Großbahnhof Deutschlands ist). Die Neubaustrecke macht den Zugverkehr nur schneller, aber der Tiefbahnhof verschlechtert das Entscheidende: die guten Zuganschlüsse.
    Die zeitlichen und inhaltlichen Sprünge in diesem Tatort fand ich im Übrigen überhaupt nicht störend, sondern das, was einen guten Krimi von einer flach erzählten Story unterscheidet.

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