Tatort „Hardcore“
Die heimliche Welt der Pornodrehs

„Ich bin eine Pornodarstellerin“ – diesen Satz dürfte man nicht oft hören. Denn viele in der Branche halten ihren Beruf geheim. Ein „Tatort“ blickt in diese Welt. Die Kommissare müssen den Tod einer Frau aufklären.
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MünchenDie Pornobranche: Verrucht oder normales Alltagsgeschäft? Der neue „Tatort“ aus München gibt Einblicke in eine Welt, die vielen völlig unbekannt ist – sagen zumindest alle. In „Hardcore“ wird die Pornodarstellerin Marie alias Luna Pink nach einem Dreh erdrosselt.

Franz Leitmayr und Ivo Batic ermitteln in einer Branche, von der sie bislang keine Ahnung hatten. Philip Koch hat den ARD-Krimi inszeniert, der an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen ist. Auch wenn es der Titel und das Thema nicht vermuten lassen: „Hardcore“ zeigt so gut wie keine nackten Tatsachen.

Statt auf explizite Szenen setzt der Film auf die Vorstellungskraft. Härter ist dagegen die Sprache, die sich doch recht freizügig des Jargons bedient, der in der Branche üblich ist. Das Ergebnis ist ein intensiver und sehr düsterer Krimi aus einer Welt, die nur im Heimlichen existiert und die die Beteiligten dazu zwingt, in einem Netz aus Lügen und Halbwahrheiten zu leben.

„Wir wollten nicht lange sexuelle Darstellungen zeigen, sondern es sollte so viel wie möglich der Vorstellung jedes Zuschauers überlassen bleiben“, sagte Regisseur Koch der Deutschen Presse-Agentur in München. Deshalb wird vieles nur angedeutet.

Gleich zu Beginn sind Männer mit Masken zu sehen, sie stehen im Kreis, die Münder in Ekstase verzerrt, die Musik rhythmisch und abgehackt. Sie stehen um ein Planschbecken, in dem eine junge Frau steht. Später entdecken die Kommissare im seichten Wasser Spuren der Lust.

„Voller Sperma und Pisse“, regt sich Leitmayr auf. Doch anders als vielleicht erwartet geht es in „Hardcore“ nicht um hilflose Frauen, die von mächtigen Pornoproduzenten gegen ihren Willen ausgebeutet werden. Denn mächtig sind die Produzenten keineswegs, lohnt sich das professionelle Drehen und Vermarkten von Pornos doch schon lange nicht mehr.

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„Sich ausleben und hoffen, dass es keiner merkt“

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  • Bravo. Endlich einmal kein Gutmenschenpopulismus über angeblich ausgebeutete Frauenopfer. Wenn sich gutgebaute Männer vor kreischenden und enthemmten Frauenmeuten im Bierzelt nackt präsentieren, dann schwärmt die gleiche Klientel von Selbstbestimmung und Emanzipation des unterdrückten weiblichen Geschlechts.

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