Tatort mit Quotensieg
Das Biest, das mich würgte

Erneut knackte der Kölner „Tatort“ gestern die Marke von zehn Millionen Zuschauern und bleibt damit ein Quotengigant. Dabei ließ die Folge „Dicker als Wasser“ kein Klischee aus. Nur Bösewicht Armin Rohde überzeugte.
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Seit Kollege Schweiger in Hamburg sein „Tatort“-Unwesen treibt, trauert so mancher Fan der guten alten Zeit hinterher, als die Reihe noch Kriminal-Fälle in klassischer Machart präsentierte. Mit Spannung, aber wenig Ballerei oder testosterongeladenen Wortwechseln. Der Kölner „Tatort“ „Dicker als Wasser“ mit Ballauf und Schenk gestern war mal wieder so einer, der auf Altbewährtes setzte.

Beim Publikum kam der Kölner Tatort erneut hervorragend an und fuhr am Sonntag den Tagessieg bei den Quoten ein. Zum vierten Mal innerhalb der letzten sechs Fälle sprangen Ballauf und Schenk klar über die 10-Millionen-Marke.Mehr als 10,73 Millionen Krimifans locken sonst nur die Ermittler aus Münster, Til Schweiger – und vor einer Woche die neuen Kommissare aus Nürnberg. Dabei erreichte der Köln-„Tatort“ auch das junge Publikum, 5,9 Millionen Zuschauer in der Alterskategorie der 14- bis 59-Jährigen schalteten ein, was einen Marktanteil von 29,4 Prozent machte. Damit fuhren Ballauf und Schenk auch hier den Tagessieg ein. Wirklich überzeugen konnte der Fall jedoch nicht

Zu Beginn findet Laura ihren Ex-Freund Erik tot vor dessen Jazz-Club. Erwürgt, von hinten. Schnell gerät Lauras Ex-Freund Erik (Ludwig Trepte) unter Verdacht, eine klassische Eifersuchtstat. Denn Oliver hatte ihm einst Laura ausgespannt. Erik ist jedoch ein halbes Hemd, jemanden von hinten die Luft abzuschnüren erscheint da wenig wahrscheinlich. So war eigentlich auch schon nach 15 Minuten klar, dass Eriks Vater Ralf Trimborn (Armin Rohde), ein wegen Totschlags verurteilter Ex-Knacki, die Finger im Spiel hatte. Denn der lief stets prollernd durch die Gegend, schüchterte Menschen ein wie es ihm passt und ließ selbst Zuhause den Tyrann raushängen. Dann stellte sich heraus, dass auch Ralf Trimborn und der Vater des Opfers noch eine alte Rechnung offen haben. So etwas hat man als Krimi-Fan schon gefühlte 367 mal gesehen.

So ging es die restlichen 75 „Tatort“-Minuten eigentlich nur noch um das Motiv. Hinderlich bei der Suche war jedoch, dass Freddy Schenk offenbar in eine sehr deprimierende Midlife-Crisis gerutscht war. Der Grund: Zwei junge Kleinkriminelle ketteten den bärenartigen Mann mit seinen eigenen Handschellen an eine Laterne, schneller als er gucken konnte. Das reichte offenbar aus, damit Schenk fortan in jeder Diskussion der Hut hochging und statt klassischer Polizeiarbeit lieber Wild-West-Methoden anwendete. Mit dem Übeltäter Ralf Trimborn liefert er sich einen Privatkrieg, der jede Sachlichkeit vermissen ließ. So hörte er ihn unter anderem mit einem Richtmikrofon ab – ohne richterliche Zustimmung höchst illegal, die Aufnahmen waren zudem vor Gericht nicht verwertbar. Die Wandlung des sonst so gutmütigen Schenk erschien dabei so schlecht und lieblos konstruiert, dass sie kaum ernst zu nehmen war. Gleich mehrfach musste Max Ballauf ihn anraunzen: „Sag mal, was ist eigentlich los mit dir?“ Eine Antwort darauf erhielt er bis zum Schluss nicht. Auch mit dem neuen Assistenten kam Freddy nicht klar.

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