„Tatort“ vor der Sommerpause
Kekillis Abschiedsvorstellung zu Mankells Vorlage

  • 0

Brutalität nicht jedermanns Sache

Die wohl atemberaubendste wie surrealste Szene ist sechs Minuten lang: Der Täter will sich von einem fiesen Bekannten (zum Kotzen widerlich: Ronald Kukulies) erneut Geld leihen und wird gedemütigt. Dabei trägt der Bekannte einen Säugling an der Schulter, jede Sekunde ist mit einem Gewaltausbruch zu rechnen. Am Ende sind beide Männer schwer verletzt, selbst das Zusehen schmerzt.

Bei den Ermittlungen entfremden sich Brandt und Borowski, vor allem wegen ihrer Sichtweisen als Mann und als Frau. „Nur weil er ein Mann ist, der weinende Frauen schlägt, hören Sie auf, logisch zu sein“, schulmeistert Borowski seine Kollegin bei der Täteranalyse. „Ihr blödes Macho-Gehabe nervt langsam“, giftet Brandt zurück. „Wissen Sie was: In Wirklichkeit sind Sie genauso beziehungsgestört wie er.“

Und in der Tat ist Borowskis Privatleben recht überschaubar. In einem Lokal ordert er gern noch eine zweite Flasche Rotwein, um dann mit der asiatischen Bedienung auf den Schultern über die Vergnügungsmeile der Kieler Woche zu torkeln.

Was Borowski unbedingt ergründen will: Der Täter hat ihn, schon bewusstlos, aus einer brennenden Wohnung gezogen? Warum rettete er ihn? Am Ende kommen sich Täter und Borowski nahe. Es ist ein schmaler Grat zwischen Mörder und Ermittler. Nur weil er sie drei Mal am Tag in die Förde schmeißen wolle, sei er doch noch kein Mörder, denn er tue es ja nicht, sagt Borowski im Streit zu Brandt.

Dunkle Farben, brutale Mordszenen

Der Krimi ist viel mit Steadicam und Handkamera gedreht, in tristen Sozialvierteln Kiels. Viele Szenen sind in dunkle Farben getaucht, umso mehr kommen Silhouetten, Geräusche, Stöhnen oder die Musik zur Geltung. Die brutalen Mord- und Gewaltszenen dürften nicht jedem gefallen. „Für manche mag es wohl ein untypischer „Tatort“ sein und er wird beim Publikum sicherlich verschiedene Reaktionen hervorrufen und vielleicht auch ein bisschen polarisieren“, meinte Kekilli im ARD-Presseheft. Sie findet aber, es ist „ein guter Film geworden“.

Borowski alias Milberg (60) wird auch ohne Brandt weiter Mordfälle aufklären. Zunächst ist die 31. Episode „Borowski und das Land zwischen den Meeren“ ohne Kriminalassistentin geplant. Wer künftig an seiner Seite ermitteln wird, will der NDR noch bekanntgeben.

Seite 1:

Kekillis Abschiedsvorstellung zu Mankells Vorlage

Seite 2:

Brutalität nicht jedermanns Sache

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " „Tatort“ vor der Sommerpause: Kekillis Abschiedsvorstellung zu Mankells Vorlage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%