Tatort-Vorschau Falke im Sammelbecken rechter Kräfte

Der Rechtspopulismus in Deutschland ist Thema eines packenden „Tatort“-Falls. In „Dunkle Zeit“ ermitteln die Bundespolizisten Falke und Grosz im Umfeld einer scharfzüngigen Parteivorsitzenden.
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Im Einsatz: Die Ermittler Grosz (Franziska Weisz) und Falke (Wotan Wilke Möhring) suchen nach Paula. Quelle: dpa
Dunkle Zeit

Im Einsatz: Die Ermittler Grosz (Franziska Weisz) und Falke (Wotan Wilke Möhring) suchen nach Paula.

(Foto: dpa)

HamburgStets nah am gesellschaftlich-politischen Puls der Zeit sein – der Anspruch zeichnet die „Tatort“-Krimis aus. So gerät die Reihe immer wieder zum Schauplatz von Geschehnissen, die aktuelle Debatten spiegeln. Ein prägnantes Beispiel dafür ist der nächste Fall „Dunkle Zeit“ am Sonntag (17. Dezember, 20:15 Uhr) im Ersten. Nach dem Buch und unter der Regie von Niki Stein („Rommel“) ermittelt das Bundespolizisten-Duo Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) im Milieu einer rechtspopulistischen Partei im Wahlkampf.

Gedreht bereits im Frühjahr, hat der Film mit dem Einzug der AfD in den Bundestag noch an Brisanz gewonnen. Denn Parallelen gibt es viele. Dennoch weicht die packende und komplexe Thriller-Handlung natürlich auch wesentlich von der Realität ab. Rechte und linke Gewalt, Verführbarkeit und Fanatismus, Hass und Verrohung, Demagogie und Demokratie sind Aspekte der differenzierten und keinesfalls einseitig polemischen Produktion der Cinecentrum Hannover im Auftrag des Norddeutschen Rundfunk (NDR). Dabei ist die Rolle der kühlen und schlagfertigen Parteivorsitzenden der Neuen Patrioten (DNP), Nina Schramm, mit der beliebten Anja Kling überzeugend gegen den Strich besetzt.

Die 47-Jährige, sonst oft in heiteren Rollen zu sehen, trifft punktgenau einen verführerischen Populisten-Ton, in dem sich Aggressivität mit einer gewissen Weinerlichkeit mischt. Die Geschichte setzt ein, als Falke und Grosz den Auftrag erhalten, die Spitzenkandidatin und ihren älteren Ehemann Richard (Udo Schenk), ein Ex-General, der die Partei einst mitbegründet hat, persönlich zu schützen. Denn im Internet sind anonyme Videobilder aufgetaucht, die einen Anschlag durch Linksradikale auf die beiden befürchten lassen.

Tatsächlich kommt Richard in Ninas Wagen bei der Explosion einer Autobombe ums Leben. In der Zwischenzeit befindet sich die Vorsitzende auf einem kurzfristig anberaumten Termin mit ihrem Generalsekretär Reinders (Ben Braun), mit dem sie eine Affäre hat. Der TV-Zuschauer hat kurz zuvor erfahren, dass ihr Ehemann von dem Verhältnis weiß und seine Frau „hochgehen“ lassen wollte.

Für die geht jedoch der Wahlkampf weiter. Während eines Auftritts in einer Halle im niedersächsischen Uelzen machen Linksautonome davor Krawall. Später stellt sich heraus, dass während der Tumulte die Bombe am Auto platziert wurde. Die Bilder einer Überwachungskamera wurden allerdings nicht der Polizei, sondern einem rechten Blogger (Wilfried Hochholdinger) zugespielt.

Neue Staffel, neue Fälle, neue Kommissare
„Virus“
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Nach zehn Wochen Sommerpause gibt es am Sonntag (27.8.) um 20:15 Uhr im Ersten wieder einen neuen „Tatort“. Der erste Fall der neuen Saison kommt vom Wiener Team und heißt „Virus“. In der Woche drauf ist bereits wieder eine Erstausstrahlungspause angesagt: Das Erste der ARD zeigt das TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz. Was ist in der „Tatort“-Saison 2017/18 eigentlich zu erwarten?

„Stau“
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Der Stuttgart-„Tatort“ profiliert sich zum Beispiel: In der aufwendig mit Computertechnik produzierten Folge „Stau“ (10. September) von Dietrich Brüggemann ermitteln die Kommissare Lannert und Bootz (Richy Müller und Felix Klare) unter Zeitdruck in einem Verkehrsstau, in dem sich der Täter noch befinden muss.

„Zwei Leben“
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Das Schweizer Team kommt am 17. September wieder. Im Krimi „Zwei Leben“ mit den Ermittlern Flückiger und Ritschard (Stefan Gubser und Delia Mayer) knallt einem Fernbusfahrer ein Mann in die Windschutzscheibe. Am Bundestagswahlsonntag (24. September) ist dann eine Woche später im Ersten kein neuer „Tatort“ im Programm.

„Goldbach“
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Am 1. Oktober startet das neue Schwarzwald-Team des SWR als Nachfolger des Bodensee-„Tatorts“. Die Ermittler Franziska Tobler und Friedemann Berg (Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner) bekommen es in ihrem ersten Fall („Goldbach“) von Regisseur Robert Thalheim mit einem erschossenen Kind im Wald zu tun. Danach sind die Termine im Ersten noch nicht alle hundertprozentig klar, aber eine Menge Filme angekündigt.

„Zurück ins Licht“
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Im Krimi „Der Rote Schatten“ (15. Oktober) von Dominik Graf werden beispielsweise die Stuttgarter Kommissare mit der RAF-Vergangenheit konfrontiert. Der viertletzte Bremer „Tatort“ mit Inga Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel und Oliver Mommsen), „Zurück ins Licht“, steht dann wohl am 22. Oktober an. Im Februar wurde angekündigt, dass 2019 Schluss ist mit dem aktuellen Bremen-Team.

„Fürchte dich“
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Das Frankfurter „Tatort“-Team Janneke und Brix (Margarita Broich und Wolfram Koch) kommt mit zwei Folgen in dieser Saison – bereits klar ist laut HR das Sendedatum 29. Oktober für den Gruselfilm „Fürchte dich“ – ein zu Halloween passender Krimi im Edgar-Wallace-Style.

„Gott ist auch nur ein Mensch“
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Im November kommt dann ein neuer Krimi mit dem beliebtesten Team, dem skurrilen Duo aus Münster. Kommissar Thiel und Prof. Boerne (Axel Prahl und Jan Josef Liefers) tauchen in dem Krimi „Gott ist auch nur ein Mensch“ in die Welt der Kunst ein, nachdem sich ein Werk des Aktionskünstlers G.O.D. als echte Leiche entpuppt hat.

Die DNP bekommt außerdem Ärger durch eine investigative Journalistin (Tatiana Nekrasov), die der Partei Unregelmäßigkeiten bei deren Abrechnungen mit Brüssel vorwirft. Ein zweiter Handlungsstrang bringt die militante Aktivistin Paula (Sophie Pfennigstorf) ins Spiel, die auf der Suche nach Unterkunft bei den Autonomen im Bett mit dem unbedarften Vincent (Jordan Dwyer) landet. Dass sie noch völlig andere Ambitionen hat, verkennt der Jüngling. All diese und noch weitere Aspekte führt der „Tatort“-Veteran Stein („Der Inder“) zu einem dramatischen Showdown zusammen.

Ängste und gesellschaftliche Spannungen werden dabei genauso herausgearbeitet wie die Konflikte innerhalb der DNP, die sich von einer Partei der Professoren zum rechten Sammelbecken mit modernem Anstrich gewandelt hat. Bauchmensch Falke, der aus Hamburgs ärmerem Viertel Billstedt stammt, kann seine Aversion gegen die Populisten kaum verhehlen. So lässt er sich schon mal zu einem Nazi-Vergleich hinreißen. Grosz, noch immer unter ihrem Afghanistan-Trauma leidend, arbeitet professioneller. Zwischen den beiden kommt in ihrem dritten gemeinsamen Fall langsam so etwas wie Teamgeist auf – in begrenztem Umfang: Als Falke seiner Kollegin das Du anbietet, lehnt sie ab.

  • dpa
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