„Terror - Ihr Urteil“: TV-Publikum setzt auf Freispruch

„Terror - Ihr Urteil“
TV-Publikum setzt auf Freispruch

Urteil im Namen des Fernsehvolkes: Mit überwältigender Mehrheit sprachen die Zuschauer den in einem TV-Gerichtsdrama angeklagten Luftwaffenpiloten frei, der im Film eigenmächtig einen Airbus abschoss.

BerlinDas deutsche Fernsehpublikum hat für Freispruch plädiert: 86,9 Prozent der TV-Zuschauer entschieden am Montagabend nach dem TV-Film „Terror - Ihr Urteil“ (ARD), dass der Bundeswehrsoldat, der eine Passagiermaschine mit 164 Menschen an Bord abschoss, um 70 000 Leute in einem Fußballstadion zu retten, unschuldig ist. Nur 13,1 Prozent hielten ihn für schuldig.

Allerdings hatte das Erste mit erheblichen technischen Problemen während der Abstimmung zu kämpfen, denn die Internetseite war schwer erreichbar, die beiden Telefonnummern meist besetzt, oder es kam einfach die Ansage: „Ihr derzeit gewünschter Gesprächspartner ist derzeit nicht erreichbar.“ In den sozialen Netzwerken wie Twitter äußerten sich einige User deswegen spöttisch, andere lobten aber auch die Qualität des Films: „TV ist alles andere als tot.“

Bei der zeitgleichen Ausstrahlung in Österreich kam ein identisches Urteil zustande: 86,9 Prozent plädierten für Freispruch, in der Schweiz waren es 84 Prozent.

Das TV-Spiel mit Martina Gedeck, Burghart Klaußner, Florian David Fitz und Lars Eidinger entstand auf der Basis eines Stücks des Autors Ferdinand von Schirach, das bereits mehr als 400 Mal im Theater aufgeführt wurde. Auch in den meisten Aufführungen stimmte bisher ein Großteil des Publikums für Freispruch, das Abstimmungsverhältnis dort ist etwa 60:40 Prozent für Freispruch.

In einer „hart aber fair“-Sondersendung direkt nach der Ausstrahlung des Films lieferten sich der frühere Innenminister Gerhart Baum (FDP) und der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) eine heftige Kontroverse. Für Baum war der Pilot juristisch ein Mörder. Baum betonte den ewigen Grundsatz des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Leben dürfe nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Im übrigen sei der Ausgang einer Flugzeugentführung bis zuletzt nicht entschieden. Baum verwies auf ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2006, an das sich alle zu halten hätten.

Dagegen betonte Jung, die einzig entscheidende Frage sei, ob das Leben der 70 000 Menschen im Stadion noch zu retten sei. Auch diese hätten eine Menschenwürde. Das Leben der Passagiere in der entführten Maschine sei ohnehin nicht mehr zu retten gewesen. Hier gebe es einen Fall von übergesetzlichem Notstand.

Thomas Wassmann, Waffensystemoffizier der Luftwaffe, gab zu Bedenken, dass in den heutigen Zeiten des Terrorismus die Welt eine andere sei als bei der Einführung des Grundgesetzes nach dem Zweiten Weltkrieg. Es stelle sich die Frage, ob das Grundgesetz nicht geändert werden müsse. Die evangelische Theologin Petra Bahr erinnerte an die NS-Widerstandskämpfer gegen Hitler, die bereit waren, schuldig zu werden und das Leben einiger Menschen zu opfern, um das Leben vieler zu retten.

Die innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke, kritisierte in einer Pressemitteilung, der Film solle der geistigen Mobilmachung für den Ausnahmezustand dienen, um Gesetzes- und Verfassungsänderungen sowie Grundrechtsabbau zu rechtfertigen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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