Unser Star für Portugal
Deutschland sucht eine neue ESC-Hoffnung

Wer holt Deutschland aus dem Tabellenkeller? Der Eurovision Song Contest 2017 ist Geschichte, schon bald beginnen die Gedankenspiele für nächstes Jahr. Beim Vorentscheid dürfte es wieder einmal Veränderungen geben.
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BerlinNach dem dritten Fiasko in Folge werden Stimmen laut, Deutschland möge doch bitte beim Eurovision Song Contest (ESC) aussteigen. Doch für die Verantwortlichen kommt ein Rückzug von der gigantischen Musikshow, die weltweit etwa 200 Millionen Menschen erreicht, nicht infrage, wie ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber klar stellt. Nun dürften wieder einmal die Köpfe rauchen: Wie lässt sich eine neuerliche Pleite im Jahr 2018 verhindern?

Die meisten Medien außerhalb Deutschlands schenken dem vorletzten Platz von Sängerin Levina (26) keine Beachtung, aber immerhin das „Luxemburger Wort“ meldete sich am Montag mit einer klaren Diagnose: Levina sei mit grauem, altbackenem Kleid vor farblosem Hintergrund „und ihrem 08/15-Lied optisch und musikalisch die graueste Maus von allen“ gewesen, schrieb die Zeitung aus Deutschlands kleinem Nachbarland, das seit 1993 nicht mehr beim ESC vertreten ist. Ähnlich sieht es offensichtlich Guildo Horn (54). Der Grand-Prix-Veteran, der den ESC 1998 mit seiner schrägen Nummer „Guildo hat euch lieb“ samt Klettereinlage und Glockengebimmel ins Bewusstsein zurückkatapultierte, lästerte auf Facebook über „biederes Mittelmaß“.

Der legendäre ESC-Kommentator Peter Urban vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) hingegen nahm Levina in Schutz und erinnerte noch während der ESC-Show aus Kiew daran, dass beim deutschen Vorentscheid am Ende 69 Prozent der Zuschauer für Levinas Lied „Perfect Life“ votiert hatten. Doch der Geschmack des deutschen Publikums war anscheinend ein anderer als der vom übrigen Europa. Nach Ann Sophie und Jamie-Lee, die 2015 und 2016 ganz hinten landeten, fiel auch Levina durch: Publikum und nationale Jurys gaben ihr magere 6 Punkte, während sich Sieger Portugal mit 758 Punkten an die Spitze sang.

„Der Rückblick zeigt, wir haben eine lange Traditionslinie magerer Jahre Deutschlands beim ESC“, meint die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher von der Universität Hamburg. Der Grund dafür sei wohl weniger in der Musik zu finden. „Maßgeblich ist aus meiner Sicht die fehlende Sympathie für Deutschland in Europa.“ Dass es am falschen Verfahren im Vorentscheid liegt, hält Bleicher für unwahrscheinlich: „Ich glaube, selbst wenn die Götter des Musikhimmels im Chor für Deutschland auftreten, würde das nicht den German Hate (Hass auf Deutschland) beseitigen können.“

Die Frage, ob die Abstimmungen beim Vorentscheid schlicht die falschen Kandidaten produzieren, steht allerdings im Raum. Schon bald dürften die Überlegungen für 2018 beginnen, wenn der ESC nach dem Sieg von Salvador Sobral mit seiner zarten Jazz-Ballade „Amar pelos dois“ in Portugal über die Bühne geht.

ARD-Unterhaltungschef Schreiber plädiert für Reformen. Die nationalen Teilnehmer einfach festzulegen, statt über sie abstimmen zu lassen, ist aus seiner Sicht keine Option. Auch beim Auswahlverfahren erneut mit einer Casting-Show wie „The Voice of Germany“ zusammenzuarbeiten, hält Schreiber nicht für erfolgversprechend: „Das ist keine Perspektive“, sagte er am Montag. „Außer dem ersten Album von Ivy Quainoo ist bei keinem „The Voice of Germany“-Gewinner ein echter Hit entstanden.“

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