Weihnachts-Tatort aus Köln
Gut gemeint, aber nicht wirklich gelungen

Heute Abend erwartet die Tatort-Fans ein komplizierter Fall aus Köln. Die Kommissare Ballauf und Schenk werden mit illegalen Waffengeschäften konfrontiert – und die Zuschauer mit einem öden TV-Krimi.

KölnEine Leiche liegt am Rheinufer. Es ist der Finanzberater Martin Lessnik. Eine heiße Spur führt zu seinem früheren Geschäftspartner Karsten Holler. Problem: Holler wurde schon vor längerer Zeit für tot erklärt, nachdem er bei einer gemeinsamen Motorradtour mit Lessnik durch die Sahara spurlos verschwunden war. Könnte Holler seinen eigenen Tod nur vorgetäuscht haben?

Und welche Rolle spielt Hollers Witwe Sarah (Dorka Gryllus)? Sie hat von ihrem Mann 3,4 Millionen Euro geerbt, die er auf einem Konto in der Schweiz gebunkert hatte. Das Nummernkonto war erst kürzlich über eine CD mit Steuerdaten aufgeflogen.

Bald kommt ans Licht, dass die Geschäfte von Lessnik und Holler nicht ganz sauber waren: Statt angeblicher Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen nach Tansania lieferten sie Gas-Zentrifugen zur Uran-Anreicherung in den Iran. Das Zollkriminalamt hatte den millionenschweren vorgeblichen Tansania-Deal seinerzeit genehmigt - jetzt gerät die zuständige Beamtin Kathrin Brandt (Winnie Böwe) selbst ins Visier der Ermittler.

Mit dem mittlerweile 64. Fall der Kölner Kommissare haben sich Regisseurin Dagmar Seume und Drehbuchautor Jens Maria Merz viel vorgenommen - vielleicht zu viel. Wer als Zuschauer nicht konzentriert zuhört, verliert schnell den Faden.

Ein Glück, dass Ballauf den Sachstand für seine Kollegen zwischenzeitlich mal kurz zusammenfasst. Das heikle politische Thema der illegalen Waffenexporte ist zu komplex, um als eine Art Nebenhandlung angefasst und kritisiert zu werden.

Stattdessen kommt die für den Kölner „Tatort“ typische Gesellschaftskritik recht klischeehaft daher: In Form eines superreichen, bösen Unternehmers, der in einem Schloss wohnt und zufällig gerade Besuch von seinem schmierigen Rechtsanwalt hat, als die Polizei vorbeikommt.

Nebenher gibt es kleinere Reibereien auf dem Revier. Schenk lässt nach wie vor kaum eine Gelegenheit aus, um gegen den Assistenten Tobias Reisser (Patrick Abozen) zu sticheln. Doch der kann mit sorgfältiger Arbeit und guten Rechercheergebnissen kontern. Im Übrigen scheint Schenk ein Auge auf die vom Zollamt ausgeliehene junge Kollegin Sabine Trapp (Anna von Haebler) geworfen zu haben. Ob sie nicht mit Tobias tauschen könnte, schlägt er Ballauf vor.

Doch auch solche Zwischenmenschlichkeiten können die Längen dieser „Tatort“-Folge leider nicht auffangen. Fazit: Gut gemeint, aber nicht wirklich gelungen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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