Zum 1000. Tatort
Und der Dackel kriegt das Schnitzel

„Tatort“, letztes Überbleibsel deutscher Sofadisziplin? Der Quotengigant funktioniert seit 1000 Folgen. Sechs Handelsblatt-Redakteure über ihr Verhältnis zur Krimiserie und was Grünkohl und Dackel damit zu tun haben.

DüsseldorfAls ich ein Kind war, durfte ich den Tatort lange nicht gucken – zu grausam, befand meine Mutter. Logisch, dass ich später Tatort-süchtig wurde. Mir ist egal, wer ermittelt, ich mag die spröde Inga Lürsen genauso wie den feinsinnigen Felix Murot. Ich lasse mich gerne in den Schlaf lullen von menschlichen Abgründen, die zu absurd sind, um meine eigenen zu sein.

Der Tatort gibt mir einmal in der Woche das Gefühl, nicht alles falsch gemacht zu haben. Kein schlechter Start in die Woche. Klar geht es oft um die ganz großen Themen, um Datenschutz und Terrorismus, um Umweltsauerei und Menschenhandel. Doch am Ende wird ja fast jeder Fall gelöst, praktischerweise ganz ohne mein Zutun.

Wenn es wirklich grausam wird, wenn geschossen, gejagt oder gequält wird, mache ich immer noch die Augen zu. Einmal in der Woche, am Sonntagabend, darf ich wieder Kind sein - und glauben, dass am Ende das Gute gewinnt.

Miriam Schröder

Tatort ist für mich ein Muss. Am Sonntagabend – oder dank der ARD-Mediathek auch mal unter der Woche. Dass die Sendezeit nicht mehr bindet, macht den Sonntagabend manchmal entspannter, denn meine Frau ist selten für den Tatort zu begeistern: „Alles grau, immer gleich“. Nur den Kölner Tatort, den schaut sie gerne.

Schenk und Ballauf vor der Pommesbude am Rhein – ein Klassiker. Beim Imbiss ist die Auswahl groß, irgendwie ist für jeden etwas dabei. Das ist auch ein Erfolgsrezept beim Tatort – und überzeugt bei den Kölner Fällen sogar meine Frau.

Schenk und Ballauf sind gemütlich, Thiel und Boerne lustig, Borowski hat seine Spleens und Batic und Leitmayr sind wie Freunde, die nebenbei zusammen arbeiten. Die Kommissare ermitteln in Münster, Kiel oder München – der ein oder andere schaut den Tatort eben auch nur, weil er in seiner Nähe spielt. Der Fall ist dann schon fast egal.

Nicht jedoch für Zuschauer, die sich einfach einen guten Krimi anschauen wollen, egal wo er spielt und wer ermittelt. So einer bin ich irgendwie (obwohl ich natürlich Lieblingsermittler habe). Bei manchen Folgen würde ich daher auch gerne abschalten bzw. den Stream stoppen. Zu unlogisch die Geschichte, zu platt die Dialoge, zu früh habe ich selbst erkannt, wer der Täter ist. Doch ich bleibe trotzdem meistens bis zum Ende dran: vielleicht wird es ja noch besser. Der nächste Tatort wird es auf jeden Fall, oder?

Tobias Döring

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