Bundestagskandidaturen: FDP lässt Euro-Abweichler fallen

Bundestagskandidaturen
FDP lässt Euro-Abweichler fallen

Die FDP macht kurzen Prozess mit Abgeordneten, denen die Euro-Politik der Koalition nicht gefällt. Einige werden dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören. Doch nicht alle Rebellen sind von der Auslese betroffen.
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BerlinFür die schwarz-gelbe Koalition haben sie so manche Euro-Abstimmung im Bundestag zur Zitterpartie werden lassen. Die Kritiker des Rettungsschirms ESM und Gegner von Hilfen für kriselnde Euro-Länder gelten daher in der FDP auch als Rebellen. Wenn es die FDP im Herbst über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen sollte, werden mehrere aus dem harten Kern der rund zehn Abweichler dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören. Einige sehen dahinter eine gezielte Ausgrenzung einzelner Kritiker.

Die Bundestagsabgeordnete Nicole Bracht-Bendt etwa machte im Januar bei der Aufstellung der Landesliste Niedersachsen eine unliebsame Erfahrung. "Komplett gegen alle Absprachen" sei am Tag der Wahl mit dem langjährigen Abgeordneten Hans-Michael Goldmann ein populärer Gegenkandidat um den aussichtsreichen Platz Fünf ins Rennen geschickt worden.

Bracht-Bendt fiel mit 27 Prozent durch und verzichtete darauf, sich um einen hinteren Platz zu bemühen. Der Umgang mit ihr habe ganz klar mit ihrem Abstimmungsverhalten zur Euro-Krisenpolitik zu tun, ist die 53-Jährige überzeugt.

2009 fuhr Bracht-Bendt im Wahlkreis Harburg mit 16,9 Prozent für die Liberalen ein Ergebnis deutlich über dem Bundeswert ein. "Ich habe gewusst, dass mein Abstimmungsverhalten Risiken birgt", sagt sie. "Ich würde mich jedoch genauso wieder verhalten, denn ich muss auch noch in den Spiegel schauen können."

Mit Bitterkeit blickt auch Lutz Knopek auf die Listenaufstellung in seiner niedersächsischen Heimat - auch er fiel durch. Wie Bracht-Bendt stimmte er beharrlich gegen die Euro-Hilfen, gleich ob diese für Griechenland oder spanische Banken gedacht waren oder ob es um die Einführung des ESM ging.

Landeschef Stefan Birkner habe hier offenbar einen anderen Standpunkt vertreten als Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen, "der keinen Zweifel daran gelassen hat, dass er es mit Blick auf die Bundestagswahl wichtig findet, die Euro-kritischen Abgeordneten einzubinden". Mit einem solchen Ansatz hätten sich die niedersächsischen Liberalen entsprechend breit für die Bundestagswahl aufstellen können, sagt Knopek.

Eine ähnliche Schlappe erlitt Sylvia Canel in Hamburg. Die FDP-Landesvorsitzende bewarb sich in der Hansestadt für Platz Eins, unterlag jedoch gegen den bisherigen Spitzenkandidaten Burkhardt Müller-Sönksen mit 45 zu 64 Stimmen. Für weitere Listenplätze bewarb sich die 54-Jährige nicht und wird nun im Herbst nach nur einer Wahlperiode aus dem Parlament scheiden.

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"Licht und Schatten" beim Umgang mit Euro-Kritikern

Kommentare zu " Bundestagskandidaturen: FDP lässt Euro-Abweichler fallen"

Alle Kommentare
  • Das ubsägliche Wahlrecht (auch in der neuen Form) gehört zu Grabe getragen. Für was braucht der Bürger die Listenwahl? Sie dient nur den linientreuen jeder Partei, die sich damit ein Plätzchen sichern können. Der Bürger hat Null Einfluß auf die Liste. Meiner Meinung nach gehören nur noch direkt gewählte Kandidaten in den Bundestag, damit würde ein Stück des Filzes gelöst werden.

  • Gut zu wissen.
    Damit fällt die FDP als eine von mir zu wählende potentielle Partei komplett aus.
    Parteien, die auf die bedingslose Euro-Rettung setzen, haben wir im Bundestag mehtr als genug.

  • Schäffler gibt sich dafür hin, als Feigenblatt zu agieren. Damit die FDP weiterhin wählbar bliebe. Allerdings ist sie nicht mehr wählbar.
    Wegen Schäffler werde ich die FDP jedenfalls nicht wählen. Ein durchsichtiges Manöver!

  • Glücklicherweise kann ich den Direktkandidaten Frank Schäffler FDP wählen. Diese Partei jedoch bekommt meine Stimme so nicht mehr,

  • Wer trägt die Verantwortung für die jetzige (junge)Kasper-
    truppe der FDP? Richtig, das staatsmännisch daherschrei-
    tende und wichtig dreinblickende gehobene Kassen-Brillen-
    gestell! Vom Container-Besucher (Slatko läßt grüßen) zum Außenminister, Irrsinn!
    Der Übergang von der Generation der "Sozial-Liberalen" zur "Euro-Zeit" unter der Führung von Herrn W. ist eine
    einzige Katastrophe für den Liberalismus in und für
    Deutschland.
    Gerade jetzt, wo eine Mischung aus preußischem Obrigkeits-
    staat und Volkskammer-Bevormundung eine schleichende Re-
    duzierung demokratischer und damit liberaler Substanz be-
    wirkt, bräuchten wir eine starke Ordoliberale Partei!
    Statt Eurokritiker als neue Kriegstreiber zu diffamieren,
    sollten die Herren Genscher, Gerhard usw. allen Einfluß
    daran setzen, den sichtbaren Weg der FDP in die eigene
    Abschaffung aufzuhalten!

  • Wieso F weg, das f steht für und d immer noch für Dekadenz und das p wie bisher für Parole, gleichwertig für dekadente Parolen. Passd scho' so man im Mutterland der Freiheit stets zu sagen pflegte. Seitdem die Freiheit perdu, steht das f für und weniger dagegen, was danach kommt. -:)

  • 1. Die FDP is leider überhaupt die einzige Partei die noch an Markt glaubt. 2. Wenn man zu eitel ist gegen einen populäreren Kandidaten zu unterliegen und keinen anderen Platz zu wollen, dem ist auch nicht zu helfen! Mit welchem Recht nimmt man sich raus, einen Listenplatz zu beanspruchen? Dass Vorschläge taktisch sein können, klar! Aber die Liste wird nunmal gewählt!

  • Das kann doch nicht wahr sein! Jetzt werden die letzten Ehrlichen abgesägt und kaltgestellt.

    Nie wieder FDP!

  • Na ja... dem Massenouting kann ich mich ebenfalls anschließen. FDP niemals wieder.

    Ein Truppe überbezahlter Bundestags-Statisten und unfähiger Laienschauspieler.

  • Seh ich genau so, Bernd.

    Die FDP hat Chancen wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte. Die Herren/Damen sind nur zu doof, das zu sehen.

    1. Sie müßten begreifen, daß Der Merkelkurs immer mehr Traditionswähler der CDU ratlos läßt: Wahlenthaltung oder wieder CDU, nur weil die Alternative noch schlimmer wäre?

    Das Feld Mitte und rechts davon ist weit offen.


    2. Der Euro-Rettungskurs der Regierung, voller gebrochener Ankündigungen und Lügen bietet eine einmalige Gelegenheit, sich als solide und verläßlich zu präsentieren.

    Statt dessen macht die FDP jede Pirouette von A.M und W.Sch. mit. Früher hat die FDP einmal von sich gesagt, sie sei das liberale Korrektiv der CDU. Die SPD hat daraufhin gespottet: "nicht Korrektiv, sondern WURMFORTSATZ". Damals fand ich das unfair, aber heute trifft das wie die Faust aufs Auge.

    Wahrscheinlich ist es so, daß die FDP gar nicht in der Lage ist, ihre Chancen zu erkennen, da den Spitzenleuten wie den Altvorderen das intellektuelle Potential fehlt.

    Wer gegen die Euro-Rettungspolitik ist, der müßte das natürlich auch gegen großen Widerstand begründen. Dazu braucht man Format und Fachwissen.

    Wenn man sich die Pfeifen in der FDP-Spitze ansieht, dann versteht man, warum die FDP lieber dem Merkelkurs hinterherläuft: Ist einfacher und eine Regierungskrise auf keinen Fall riskieren. Dann wären ja die schönen und lukrativen Pöstchen in Gefahr.

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