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02.01.2008 
Business Monitor

Deutschland ist Europas Liebling

von Dorit Heß

Deutschland startet als wettbewerbsfähigstes Land der großen Volkswirtschaften Europas in das neue Jahr. Das ergibt eine exklusive Umfrage unter Spitzenmanagern aus sechs europäischen Nationen. Warum die deutsche Wirtschaft bei der Erhebung punkten konnte.

Europas Führungskräfte trauen derzeit nur China in puncto Wettbewerbsfähigkeit mehr zu als Deutschland. Foto: dpa Lupe

Europas Führungskräfte trauen derzeit nur China in puncto Wettbewerbsfähigkeit mehr zu als Deutschland. Foto: dpa

FRANKFURT. Unter den zehn im Rahmen des "Handelsblatt Business-Monitor International" betrachteten Wirtschaftsräumen liegt Deutschland im weltweiten Vergleich mit der Schweiz auf Rang zwei - nur China schätzen Europas Führungskräfte als wettbewerbsfähiger ein.

Weit mehr als die Hälfte aller rund 1 200 im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. befragten Top-Manager (59 Prozent) hält die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands für "sehr gut" oder "gut" und gibt der Bundesrepublik auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (sehr schlecht) eine Durchschnittsbewertung von 2,3. Dieses positive Urteil fällten im Jahr 2003 nur 13 Prozent der Befragten. Seither hat sich das Ansehen des Standorts Deutschland in den Augen der Manager Jahr für Jahr um insgesamt mehr als einen Notenpunkt gesteigert.

"Die deutsche Wirtschaft ist in den letzten Jahren in der Tat stets wettbewerbsfähiger geworden - vor allem dank der Unternehmen, aber auch dank der Tarifvertragsparteien und der Politik", unterstreicht der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup. Die Unternehmen hätten durchweg ihre Organisationsstrukturen neu aufgestellt und gemeinsam mit den Gewerkschaften moderate und flexible Tarifabschlüsse vereinbart. Schon die rot-grüne Regierung habe den Arbeitsmarkt flexibler gemacht, und die Große Koalition erhöhe jetzt die steuerliche Standortattraktivität.

Ein weiteres Indiz für die Belebung der deutschen Wirtschaft: Nach Handelsblatt-Berechnungen sind die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne erstmals mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren. Ihr Anteil wuchs von 20 Prozent im Jahr 2005 auf nunmehr 53 Prozent. Ausländer honorieren damit, dass deutsche Konzerne über ihre hohe Exportquote stärker als Wettbewerber vom weltweiten Aufschwung profitieren. "Das zeigt, wie - in den Augen ausländischer Investoren - wettbewerbsfähig diese deutschen Unternehmen mittlerweile sind, aber auch, dass ein Misstrauen gegenüber dem Dollar besteht", sagt Ökonom Rürup.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer sich verschlechtert hat

Kein anderes Land hat in den vergangenen vier Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich so stark steigern können wie Deutschland. Das zeigt die Handelsblatt-Umfrage, die das Psephos-Institut, die Innofact AG und Marketagent jährlich in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz vornehmen. Zum Vergleich: Großbritannien verbesserte sich in dieser Zeit von 2,9 auf 2,5, China von 2,3 auf 1,8.

Stetig, wenn auch nur leicht, hat sich dagegen innerhalb der vergangenen Jahre das Image der USA als Wirtschaftsstandort verschlechtert. In der aktuellen Umfrage bewerten Europas Manager die Wettbewerbsfähigkeit der USA mit 2,6 - nach 2,3 im Jahr 2004. Nur Frankreich und Italien werden mit 2,9 beziehungsweise 3,1 schwächer bewertet.

Überall beurteilen die Manager - auch in Frankreich und Italien - die Wettbewerbsfähigkeit ihres jeweiligen Heimatstandorts besser als der Durchschnitt. Deutschland bildet dabei allerdings eine Ausnahme: Nur hierzulande ist die Fremdeinschätzung besser als die eigene. Mit 2,5 bewerten die deutschen Manager den Standort schwächer als der Durchschnitt (2,3). Eine kontinuierliche Verbesserung der Lage im Lauf der vergangenen vier Jahre stellen aber auch die hiesigen Manager fest.

"Dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit 2008 erneut steigern wird, ist eher unwahrscheinlich", meint der Deutschland-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Dirk Schumacher. "Denn die Bundesregierung dreht das Reformrad gerade eher etwas zurück", argumentiert er. Vor allem der von der SPD favorisierte Mindestlohn wäre aus Sicht des Volkswirts "desaströs". Auch der Wirtschaftsweise Rürup nennt die hektische Mindestlohn-Debatte "eine wirkliche Fehlentwicklung". Der zu befürchtende Flickenteppich branchenspezifischer Mindestlöhne könnte das Standortklima in Deutschland künftig verschlechtern, glaubt er. "Es sollte nur einen niedrigen gesetzlichen Mindestlohn geben, um das deutsche Kombilohnmodell, das Arbeitslosengeld II, sinnvoll zu ergänzen."

Das Feuerwerk der aus Sicht der Manager weltweit wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft dürfte hingegen nicht zu Ende sein. "Auf absehbare Zeit werden in China viele Unternehmen investieren", prognostiziert Goldman-Sachs-Experte Schumacher. Allerdings habe die chinesische Wirtschaft Probleme wie eine unterbewertete Währung und einen zu geringen privaten Verbrauch. "Das rächt sich irgendwann."

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2009 2008
Consensus Economics 0,3 1,7
Sachverständigenrat 0,0 1,7
IWF -0,8 1,7
EU-Kommission 0,0 1,7
Bundesregierung 0,2 1,7
Herbstgutachten der Institute 0,2 1,8
OECD 1,1 1,5