Kein anderes Land hat in den vergangenen vier Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich so stark steigern können wie Deutschland. Das zeigt die Handelsblatt-Umfrage, die das Psephos-Institut, die Innofact AG und Marketagent jährlich in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz vornehmen. Zum Vergleich: Großbritannien verbesserte sich in dieser Zeit von 2,9 auf 2,5, China von 2,3 auf 1,8.
Stetig, wenn auch nur leicht, hat sich dagegen innerhalb der vergangenen Jahre das Image der USA als Wirtschaftsstandort verschlechtert. In der aktuellen Umfrage bewerten Europas Manager die Wettbewerbsfähigkeit der USA mit 2,6 - nach 2,3 im Jahr 2004. Nur Frankreich und Italien werden mit 2,9 beziehungsweise 3,1 schwächer bewertet.
Überall beurteilen die Manager - auch in Frankreich und Italien - die Wettbewerbsfähigkeit ihres jeweiligen Heimatstandorts besser als der Durchschnitt. Deutschland bildet dabei allerdings eine Ausnahme: Nur hierzulande ist die Fremdeinschätzung besser als die eigene. Mit 2,5 bewerten die deutschen Manager den Standort schwächer als der Durchschnitt (2,3). Eine kontinuierliche Verbesserung der Lage im Lauf der vergangenen vier Jahre stellen aber auch die hiesigen Manager fest.
"Dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit 2008 erneut steigern wird, ist eher unwahrscheinlich", meint der Deutschland-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Dirk Schumacher. "Denn die Bundesregierung dreht das Reformrad gerade eher etwas zurück", argumentiert er. Vor allem der von der SPD favorisierte Mindestlohn wäre aus Sicht des Volkswirts "desaströs". Auch der Wirtschaftsweise Rürup nennt die hektische Mindestlohn-Debatte "eine wirkliche Fehlentwicklung". Der zu befürchtende Flickenteppich branchenspezifischer Mindestlöhne könnte das Standortklima in Deutschland künftig verschlechtern, glaubt er. "Es sollte nur einen niedrigen gesetzlichen Mindestlohn geben, um das deutsche Kombilohnmodell, das Arbeitslosengeld II, sinnvoll zu ergänzen."
Das Feuerwerk der aus Sicht der Manager weltweit wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft dürfte hingegen nicht zu Ende sein. "Auf absehbare Zeit werden in China viele Unternehmen investieren", prognostiziert Goldman-Sachs-Experte Schumacher. Allerdings habe die chinesische Wirtschaft Probleme wie eine unterbewertete Währung und einen zu geringen privaten Verbrauch. "Das rächt sich irgendwann."




